„Stabilität, Relevanz, Wachstum“ – mit diesen Schlagworten beschreibt Vorstandsvorsitzender Jürgen Riexinger das vergangene Geschäftsjahr der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Trotz unruhiger Zeiten sei Wachstum gelungen. Zudem hätten die Bürger wieder mehr Geld.
„Richtig, richtig gute Zahlen“, präsentierten Riexinger, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Alexander Meßmer und Vorstandsmitglied Nicole Dietl bei der Bilanzpressekonferenz zum Jahr 2024 in der Sparkassenzentrale in Offenburg. In den aktuell bewegten Zeiten will die Sparkasse ihren Kunden Orientierung geben und sich als starke Konstante in der Region präsentieren. 2024 scheint das gelungen: In nahezu allen Bereichen wurde Wachstum verzeichnet. Auch mit dem Jahr 2025 ist man bislang zufrieden. Die gewerblichen Kunden warteten derzeit gespannt darauf, welche Konjunkturmaßnahmen im Koalitionsvertrag in Berlin ausgehandelt werden.
Die wichtigsten Zahlen: Trotz gesamtwirtschaftlicher Herausforderungen konnte die Sparkasse Offenburg/Ortenau ihre Bilanzsumme um ein Prozent auf 5,13 Milliarden Euro erhöhen. Der Bilanzgewinn lag bei 7,4 Millionen Euro, das Betriebsergebnis vor Bewertung blieb mit 58 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Das Kundenvolumen – also das Geld, das die Kunden zur Sparkasse bringen, anlegen oder abheben – wuchs um vier Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. „Wir sind guten Mutes, dass das Volumen 2025 auf zehn Milliarden Euro wächst“, so Riexinger. Auch das Kreditgeschäft verzeichnete einen Anstieg von vier Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Im Einlagengeschäft konnte ebenfalls ein Plus von drei Prozent auf 3,9 Milliarden Euro erzielt werden. Die Kosten-Ertrag-Relation (CIR) – also das, was investiert werden muss, um einen Euro zu erwirtschaften – lag stabil bei 55 Cent. „Das ist ein sehr, sehr gutes Ergebnis, aber dennoch spürt man den erhöhten Personalaufwand“, so Riexinger. 2023 lag die CIR bei 53,6 Cent.
Regional und digital: Zwei Filialen sind im Bau: Die Geschäftsstelle in Ettenheim soll am 3. Juli eröffnet werden. Baukosten: zehn Millionen Euro. Die Filiale in Achern soll Mitte 2026 fertig werden und wird 27 Millionen Euro kosten. „Diese beiden neuen Filialen sind ein deutliches Signal an die Öffentlichkeit, dass wir in der Fläche präsent sein wollen“, so Riexinger. Aber auch digitale Beratungen und Innovationen – wie die erneut ausgezeichnete Sparkassen-App – spielten eine große Rolle. Künstliche Intelligenz soll die Mitarbeiter bei Routineaufgaben entlasten, Entscheidungen sollen weiterhin von Menschen getroffen werden, betonte Dietl. Die Mitarbeiteranzahl ist 2024 um sieben Vollzeitstellen auf insgesamt 715 Mitarbeiter gestiegen.
Sanieren statt Bauen: Nach einem verhaltenen Vorjahr sei die Talsohle im privaten Wohnungsbau durchschritten, erklärte Alexander Meßmer. Der Trend gehe zur Gebrauchtimmobilie Denn: „Bauen ist unglaublich teuer“. Auch aufgrund der enorm hohen Baunebenkosten, etwa für Gutachten. Um das zu ändern, bräuchte es dringend Impulse aus der Politik. „Ansonsten werden große Teile der Bevölkerung in zehn Jahren nicht mehr in der Lage zu sein, Miete zu zahlen“, macht Riexinger deutlich „Die Zinsen sind nicht historisch hoch, aber die Kaufpreise selbst“, macht Meßmer deutlich. Die Lösung aktuell: Statt neu zu bauen kauften die Kunden alte Häuser und sanierten sie. Für den Hauspreis sei aktuell nicht mehr nur die Lage entscheidend, sondern auch wie klimaschonend und energetisch das Haus sei. 106 Immobilien hat die Sparkasse Offenburg/Ortenau 2024 vermittelt. Dabei spiele auch immer mehr die Beratung durch Experten eine Rolle. So hat die Sparkasse etwa inzwischen ein eigenes „Sanierungsmobil“, einen Sanierungspodcast sowie einen Online-Modernisierungsrechner.
Anlagemix gefragt: Die Ortenauer haben wieder mehr Geld in der Tasche – und das wollen sie anlegen. Die Sparquote stieg von 10,4 auf 11,6 Prozent, das bedeutet 82,6 Millionen Euro Wachstum. Die Ortenauer setzen auf einen Mix: Einen „wahren Boom“ erlebe der Sparbrief, aber auch Bausparverträge seien weiterhin nachgefragt. Besonders erfolgreich entwickle sich das Wertpapiergeschäft: Das verwaltete Vermögen stieg um fünf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Das Magazin Wirtschaftswoche platzierte die Sparkasse Offenburg/Ortenau in der Kategorie Vermögensverwaltung auf Platz vier von 844.
Sichere Geldautomaten: Auch wenn digitales Zahlen weiter zunimmt: „Wir stehen zu unserem Auftrag, die Bevölkerung mit Bargeld zu versorgen“, machte Dietl deutlich. Die Sparkasse sei mit 23 Filialen, 17 Selbstbedienungseinheiten und 54 Geldautomaten in der Region vertreten. Die Sicherheit habe dabei sehr hohe Priorität. Zwölf Automaten würde demnächst modernisiert, 29 ausgetauscht, um sie besser vor den Überfällen „rücksichtsloser Banden“ zu schützen.
Das leistet die Regionalstiftung
Die Sparkasse Offenburg/Ortenau hat 2024 rund drei Millionen Euro i n etwa 800 Projekte in der Region investiert – eine halbe Million mehr als 2023. Besonders am Herzen liegt der Sparkasse die Schülerpotenzialanalyse mit der Agentur für Arbeit. Deren Zuwendung soll 2025 von 26 000 auf 36 000 Euro erhöht werden. Dadurch können 500 statt 400 Schüler erkennen, welcher Beruf sich für sie eignet.