Die Gäste blicken erwartungsvoll in Richtung des zentral gelegenen Versorgungsturms, während die Zimmerleute oben auf dem Dach den Baum befestigen und den Richtspruch sprechen. Foto: Schubert

Die Baumhaus-Baustelle des Seelbacher Campingplatzes nimmt Form an. Der Versorgungsturm in der Mitte des Platzes steht, auch der Dachstuhl ist drauf. Nun wurde Richtfest gefeiert.

Seelbach - "Zimmerleute, Klempner und Treppenbauer – heute sind alle Handwerker, die hier auf der Baustelle bisher beschäftigt waren, anwesend", sagt der Seelbacher Campingplatzbetreiber, Robert Schwörer. Sein Blick wandert nach oben, gen Dach des kürzlich fertiggestellten Versorgungsturms, der in der Mitte des "Baumhaus-Dörfle" errichtet wurde. "Der Turm ist zwar wuchtig, aber auch ein richtiger Hingucker", findet er und fährt fort: "Die Dächer sind jetzt alle drauf, nur die Ziegel, da sind noch nicht alle Lieferungen eingetroffen". Durch die Pandemie habe es Lieferschwierigkeiten mit den Speditionen und den Herstellern gegeben.

Zum Richtfest am Dienstagnachmittag haben sich etwa 30 Menschen auf dem Gelände am östlichen Ortseingang Seelbachs zusammengefunden, zwei Feuertonnen und Glühwein spenden Wärme, Kinder und Erwachsene freuen sich über weihnachtliches Gebäck. Die Zimmerleute stehen in den Startlöchern, warten darauf, über das Gerüst das Dach des Versorgungsturm zu erklimmen, oben angekommen den traditionellen Richtspruch zu sprechen, Gottes Segen für das Haus zu erbitten. Der Richtbaum, ein mit Absperrband dekorierter Weihnachtsbaum, wird am Kranseil befestigt und auf Zeichen von Bauherr Schwörer in die Höhe gezogen.

Eine Tanne dient als Richtbaum

"Im Februar dieses Jahres, konnte der Bau beginnen", so Schwörer gegenüber der LZ. Durch Frost und Kälte allerdings mit einer sechswöchigen Verspätung. Im Jahr 2005 erwarb er das Geländer an der Landstraße 102 von der Gemeinde, errichtete zunächst übergangsweise einen mobilen Wohnwagenplatz. Betreiber Schwörer, der dieses Jahr das 25-jährige Bestehen seines Campingplatzes feierte, hat sich das Projekt "Baumhaus Dörfle" über viele Jahre hinweg "zusammengereimt", immer wieder Inspirationen bei Kollegen gesucht. Sein Motto, seinen Gästen "etwas Besonderes zu bieten" sieht er auch in diesem Projekt umgesetzt. Für ihn es immer darum gegangen, etwas Eigenständiges zu entwickeln, bei anderen zu "kopieren" sei keine Option für ihn gewesen.

Letzteres wird auch in den Richtspruch-Reimen des Holzchalet-Planers und Zimmermanns Gottfried Lehmann deutlich. Er hat mit Bauherrn Schwörer monatelang eng zusammengearbeitet: "Und ist der Plan auch gut gelungen, verträgt er ein paar Änderungen. Wir ändern heut’ und jederzeit, zum Denken bleibt uns wenig Zeit", sagt Lehmann, auf dem Dach stehend, prostet in Richtung des Bauherrn und der Gäste, trinkt einen großen Schluck und wirft am Ende das Glas vom Dach, es zerspringt beim Aufprall. Die Tradition besagt, dass für den Bauherrn alles gut laufen wird, wenn das Glas zerspringt. Bleibt es ganz, gilt dies als schlechtes Omen.

Doch bis die ersten Gäste in den zehn Baumhäusern einziehen können, bleiben noch einige Arbeiten zu erledigen. Die restlichen Ziegel müssen eingedeckt, die Außenanlage über Frühjahr gestaltet und die Innenausstattungen von vier Chalets gefertigt werden. Sechs der zehn Baumhäuser seien auch im Innenbereich nahezu beendet, so Schwörer. Der Endspurt bis zur Inbetriebnahme steht dementsprechend noch bevor.

Die ersten Buchungen sind dem Betreiber zufolge allerdings schon eingegangen: "Über die Osterfeiertage haben wir bisher etwa fünf Buchungen für die Baumhäuser erhalten", freut sich Robert Schwörer über die Resonanz. Er hofft, dass alle Arbeiten bis Palmsonntag, 10. April, erledigt sein werden.

Info: Letztes großes Projekt

Robert Schwörer, Betreiber des Campingplatzes, wird seinen Betrieb, den er vor 25 Jahren gegründet hat, Anfang 2023 an eine seiner Töchter übergeben. Im Gespräch mit der LZ erklärt er, dass es für ihn wichtig gewesen sei, das "Baumhaus Dörfle" noch vor der Betriebsübergabe umzusetzen. "Das ist mein letztes Projekt in Eigenständigkeit, sozusagen das Sahnehäubchen nach all diesen Jahren mit dem Campingplatz."