Mit der Umgestaltung und Verschönerung wurde der Treffpunkt-Charakter gestärkt Foto: Ines Boden

Das Rheincenter in Weil am Rhein-Friedlingen ist um einen Hingucker reicher: Die Zahl 35 strahlt nun zum Jubiläum als farbiges Graffiti-Kunstobjekt über den Vorplatz.

Die bunten Ziffern empfangen im Verlauf des Jubiläumsjahres anlässlich des 35-jährigen Bestehens die Besucher. Danach werde das Kunstobjekt im Inneren einen Platz finden, teilt Frank Zimmermann aus Freiburg mit. Als Koordinator habe er das Projekt von Beginn an begleitet.

 

Es ist Dienstagabend und neben Zimmermann steht ein farbverkleckster Michael Genter. Er ist ein begnadeter Maler und ebenfalls Freiburger. Beide ziehen entspannt Bilanz, begutachten das Objekt und schauen zu, wie ein Center-Mitarbeiter den Plastikbezug von den neuen Sitzmöglichkeiten aus Holz entfernt. Und prompt nehmen Besucher Platz.

Bisher schien der quadratische steinerne Sockel vor dem Eingang keine große Funktion zu haben. Jetzt weist er unübersehbar auf den Geburtstag hin. Begonnen hatte das Projekt mit dem Gedanken, den Sockel zu nutzen, erzählt Zimmermann. Schnell stellte sich die Idee ein, die Zahl 35 zu präsentieren, und offizielle Sitzflächen zu schaffen.

Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach Künstlern. Eine großangelegte Ausschreibung habe nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, so Zimmermann. Also begab man sich auf die Suche. Genters Arbeiten stehen für eine hohe künstlerische Qualität. Erstklassige Porträts scheinen seine Stärke zu sein.

Die Präzision fließt ihm aus den Händen, wie seine gegenständlichen Bilder beweisen. Zweiter im Bunde ist André Morgner: Künstlername Boogie. Vom Erzgebirge führte ihn sein Weg über Wiesbaden in die Schweiz. Die Arbeiten des „Graffitikünstlers und Vollbluthustlers“ seien in 45 Ländern zu bewundern. Typische Graffitis reihen sich neben „vor lauter Zuckerguss tropfenden Donuts“ und bemalten Dollar-Scheinen.

Beide sind Meister ihres Fachs. Für die Weiler Aktion waren zwei Tage veranschlagt. Der Montag war teils von Nässe heimgesucht, folglich blieb ein langer Dienstag. Am Abend war es vollbracht, die Aktion sei laut Zimmermann sehr zügig verlaufen.

Jeder „Sprayer“ habe eine Zahl beidseitig verschönert. Thematisch hieß es, das Dreiländereck einzubeziehen. Genters Exponat – die 3 – zeigt auf der Vor- und Rückseite Komponenten einer 35-jährigen Frau. Das sei ein Anspruch gewesen.

Preisschild gerät ins Visier des Betrachters

Außerdem habe er die Umgebung verewigt, sagt er. Weiter gerät ein Preisschild ins Visier des Betrachters. Im bräunlichen Design der Eröffnungszeit des Rheincenters habe er sich erlaubt, das „Bepperle“ mit 19,91 auszustatten, dem Geburtsjahr, schmunzelt Genter. Schließlich gehe es tagtäglich um Preise.

Kollege Morgner sorgte für das visuelle Gegenstück. Seine 5 ist über und über mit akribisch aufgetragenen Zahlen und Buchstaben bedeckt. Wer genauer hinschaut, nimmt Worte wahr.

Letztlich entpuppen sich die farbenfrohen Hieroglyphen als eine Art Glückwunsch-Formulierung. Tropfnasen, also Farbspuren, die ins Bild laufen, sind selbstredend gewollt. Freude ruft die Jubiläums-Skulptur auch in der Leitungsetage hervor. Alev Kahraman, Center Managerin, gibt an, das Kunstwerk solle die Menschen in Friedlingen widerspiegeln: Kreativ, lebendig und verbunden. Die Gestaltung habe diesem Ort eine besondere Identität gegeben.

„Dieses Jubiläum gehört uns allen“

„Die Arbeit wertschätzt nicht nur unser Jubiläum, sondern auch die Geschichte unseres Stadtteils“. Mit den neuen Sitzgelegenheiten werde der Treffpunktcharakter gestärkt. Eine goldene Tafel an der Skulptur versteht sich als Danksagung an all jene, die das Rhein Center in den vergangenen 35 Jahren geprägt haben. „Dieses Jubiläum gehört uns allen“.