Die Rexinger "Sonne" soll künftig für Seminare und Meditationen Raum bieten – als Gastronomie wird sie wohl nicht mehr genutzt werden. Foto: Wagner

Das Traditionslokal "Sonne" in Rexingen wird seine Pforten, zumindest als Restaurant, wahrscheinlich nicht mehr aufmachen. Denn der Besitzer Karl-Heinz Schittenhelm möchte das Gebäude in Zukunft unter anderem für Meditationen und Seminare nutzen.

Horb-Rexingen - Passionierte Naturfotografen schwören auf den Sonnenaufgang, welcher in der kühlen Jahreszeit den Tag mit einem farbenprächtigen Spektakel gepaart mit Nebelschwaden beginnen lässt. Von einer aufgehenden "Sonne" hatten vor allem auch die Rexinger Einwohner in den vergangenen Jahren geträumt. Nachdem der neue Besitzer Karl-Heinz (Carlo) Schittenhelm das gleichnamige Traditionslokal im September 2017 übernahm, wollte dieser dem Gebäude mit seiner "Event-Gastronomie" neues Leben einhauchen.

 

Recht früh sprang jedoch sein Geschäftspartner ab und Schittenhelms Versuch, die Gaststätte in Eigenregie zu betreiben, scheiterte wenig später. Auch der damalige Koch des Gasthauses – Kai Döring – hatte als Nachfolger und Pächter nicht den gewünschten Erfolg mit dem Gasthaus. Zum Jahresende 2018 zog Döring schließlich die Reißleine und verabschiedete sich in der Silvesternacht von Rexingen. Wenig hilfreich seien hierbei die von Schittenhelm im oberen Geschoss untergebrachten Mieter gewesen. "Es kam oft zu Lärmbelästigungen durch die Bewohner", verriet Döring in einem Telefonat. Auch die Polizei musste hin und wieder zu dem Gebäude ausrücken, was nicht zum guten Image der Gaststätte beitrug.

Gebäude wird umgebaut

Seitdem steht die Gaststätte leer, ein Großteil der Mieter ist ausgezogen. Vor knapp einem Jahr stellte der Schwarzwälder Bote die Frage, wie es um die Zukunft der "Sonne" bestellt ist. "Die Zukunft der ›Sonne‹ ist offen, aber ich gehe davon aus, dass die Gaststätte nicht mehr öffnen wird", so das damalige Fazit des Eigentümers, welcher nach wie vor auf einen Abnehmer oder Investor hoffte.

Seit Februar diesen Jahres tut sich nun wieder was im ehemaligen Gasthaus. Schittenhelm hatte erneut mit dem Umbau des Gebäudes begonnen. Über "E-bay-Kleinanzeigen" wurde unsere Zeitung schließlich fündig und landete bei der "Betterhomes GmbH" (Leinfelden-Echterdingen). Diese bietet jeweils eine hochwertige Vier-Zimmer- und Sechs-Zimmer-Eigentumswohnung im ehemaligen Gasthaus Sonne an. 580.000 Euro und 640.000 Euro wurden als Kaufpreis aufgeführt. Mittlerweile wurden die Preise auf 530.000 Euro und 580.000 gesenkt.

Der Schwarzwälder Bote erkundigte sich daraufhin bei Stadtsprecherin Inge Weber, ob eine Umnutzung sowie ein Baugesuch für das Objekt eingereicht wurde. "Ja, hierfür wurde ein Baugesuch eingereicht. Der Baukontrolleur der Stadt Horb wird sich anschauen, ob bereits relevante Bautätigkeiten ohne erforderliche Baufreigabe getätigt wurden", teilte Weber schriftlich mit. Am 15. März setzte die Stadt dies in die Tat um. "Der städtische Baukontrolleur und eine Mitarbeiterin haben sich die Örtlichkeiten angeschaut. Es wurden in Teilbereichen des Gebäudes Umbauarbeiten durchgeführt, ohne, dass eine erforderliche Baugenehmigung und Baufreigabe erteilt wurde", teilte Weber auf eine erneute Nachfrage am 17. März schriftlich mit.

Zukunft des Gebäudes steht in den Sternen

Wie sich herausstellte, war dies kein Einzelfall. Mehrmals legten die Behörden in der Vergangenheit die Baumaßnahmen still. Über zehn Dachfenster wurden beispielsweise im Dachgeschoss verbaut, welche nicht als Fluchtmöglichkeit dienen konnten, womit die Brandschutzauflagen nicht erfüllt wurden. Der Ausbau im Dachgeschoss sei durch den Vorbesitzer erfolgt, behauptete Schittenhelm im vergangenen Jahr. "Der Ausbau der Wohnungen im Obergeschoss und Dachgeschoss wurde mündlich genehmigt, wie es damals normal und üblich war zwischen dem Bauherr Familie Gekle, dem Architekt Bock und dem damaligen Bauamtsleiter", behauptet Schittenhelm heute.

Stand der Bestandsaufnahme, welche 2020 eingereicht wurde, entspreche das Haus der Genehmigung aus den Jahren 1976 bis 1979. Neben der Errichtung von neun Wohneinheiten (inklusive der hochwertigen Eigentumswohnungen) verfolgt Schittenhelm noch weitere Ideen. Die ehemalige Wirtschaft soll künftig unter anderem als Meditationsraum sowie für Seminare und die Ausbildung von Metaphysikern genutzt werden. Mittlerweile bezeichnet sich der ehemalige Gastronom nämlich als Metaphysiker, Religionswissenschaftler und Matrixprogrammierer. Schittenhelm nennt sein neues Start-up-Unternehmen "NGO Agape", welches als Gewerbe für die Räume des ehemaligen Gasthauses angemeldet wurde. Damit dürfte auch die Frage um die Zukunft der ehemaligen Gastwirtschaft nun endgültig geklärt sein.

Die Zukunft des Gebäudes steht wiederum weiterhin in den Sternen. Am 17. März ordnete die Stadt Horb nämlich an, dass die Umbauarbeiten im Obergeschoss des Gebäudes sofort einzustellen sind. Auch die Nutzung des Erdgeschosses (Gastwirtschaft) als Gebets- und Meditationszentrum wurde untersagt, da dies einer Genehmigung bedarf. Sollten die Bauarbeiten trotz Baueinstellung weiterhin erfolgen, muss Schittenhelm mit der Versiegelung der Baustelle rechnen. Ebenso wurde die Ingewahrsamnahme der auf der Baustelle vorhandenen Baustoffe und Baumaschinen angedroht. Dies will der Besitzer nicht auf sich beruhen lassen. "Renovieren und sanieren im Bestand bedarf keiner Genehmigung oder Zustimmung von Seiten des Bauamtes", findet der Besitzer. Mit seinem Anwalt will er nun die weiteren Schritte beraten. Für ihn stehe jedoch eines schon fest: "Ich verklage die Stadt auf 150 000 Euro Schadensersatz."