Revue gegen rechts im Kräuterkasten Foto: Eyrich

Mit ihrer „Revue gegen rechts“ gastierte die Theatergruppe „Theater unter der Laterne“ im Kräuterkasten und beleuchtete dabei die aktuelle politische Situation im Kontext mit der dunklen deutschen Vergangenheit nach dem Motto: „Wehret den Anfängen!“

Höchst kritisch nahm das „Theater unter der Laterne“ mit Gabriele Gatzweiler, Christoph Holbein, Joachim Mangold und Barbara Wydra die heutige Situation in den Fokus und richtete dazu den Lichtstrahl zur Warnung besonders auf die deutsche Vergangenheit seit den 1920er-Jahren.

 

Doch die Reise beginnt schon viel früher mit Heinrich Heine, der sich trotz seiner Liebe zu Frankreich wieder nach deutscher Luft sehnt. Aber etwas ist faul, nicht nur im Staate Dänemark, muss Hamlet erkennen, auch in Deutschland.

Alte Nazis werden frei gesprochen und machen Karriere in Deutschland

War es wirklich so schlimm in der Zeit zwischen 1923 und 1945? Nicht, wenn man vielen Prozessen danach glauben darf. Da treten die Verbrecher als harmlose Menschen auf, die sich keiner Schuld bewusst sind. Sie werden freigesprochen, führen nach dem Krieg ein normales Leben, werden gar Minister, hohe Beamte im Justizwesen. Welch ein Gegensatz zu dem Prozess im April 1945 im Fall Brettheim, einer kleinen Stadt, als drei Männer gehängt werden, einer, weil er angeblich Hitlerjungen entwaffnet hat, die beiden anderen, weil sie das Urteil nicht per Unterschrift bestätigen wollten.

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

„Die Gedanken sind frei“, hat das Ensemble zu Anfang gesummt. Heute sprechen Prominente, Politiker ihre Gedanken aus, vor allem zur Migration. Das wird in einer Quizsendung öffentlich gemacht. Die vier Künstler treten hinreißend übertrieben als Quizmaster auf, verlesen Zitate, geben drei Möglichkeiten zur Auswahl, wer das gesagt hat, kennzeichnen diese rein zufällig (?) mit A,F,D.

Für die Gäste stellt es sich heraus, wie schwierig es ist zu erraten, wer das gesagt hat,ein ganz Rechter, ein ganz Linker, einer aus der Mitte, gar ein Kardinal?

Fremd sein, in der Fremde, im eigenen Land, Fremde, die zu Bekannten werden, weil beide fremd sind, darüber hat sich schon Karl Valentin Gedanken gemacht. Fremde begleiten uns heute, sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg wie etwa der teure Fußballspieler aus dem Ausland.

Und schlimm, wenn nicht ein Syrer den Geldbeutel geklaut hat, sondern ein Deutscher. Wie soll man das politisch ausschlachten? Die, die uns fremd sind, müssen bestraft werden. Und Kinder handeln da wie Erwachsene. Das zeigt Erich Kästner in seiner „Ballade vom Nachahmungstrieb“, wenn Kinder ein anderes Kind aufhängen.

Keine Veranstaltung zum Lachen und Scherzen

Welche Rolle spielen und spielten die Medien, besonders die Presse? Das Ensemble geht dazu zurück in das Jahr 1923, als Paula Schlier beim Völkischen Beobachter arbeitete. Eine beeindruckende Szene, wenn sie auf der Schreibmaschine klappert, ihre Mitarbeiter einmarschieren mit dem Hitlergruß, wenn sie hingerissen Fotos von Hitler betrachten, die alle veröffentlich werden sollen. Paula Schliers steinerne Miene verrät, was sie denkt, so ist ihr weiteres Schicksal klar: Haft und dann Psychiatrie.

„Man kann ja im Herzen stets lachen und scherzen und denken dabei, die Gedanken sind frei.“ Zum Lachen und Scherzen ist dieser Abend nicht gemacht. Wohl aber zum Bewundern, wie das Ensemble alles in Szene setzt, glaubwürdig die Personen, gut oder böse, darstellt, wie sie belegte Fakten liefern. Und zum Nachdenken, was wir heute tun können. So ist der Applaus nicht jubelnd, aber anerkennend. Wer auch noch zum Nachdenken gebracht werden will, hat dazu die Gelegenheit am Freitag, 14. Februar, wenn das Ensemble ab 19.30 Uhr im Kunstwerkhaus in Ebingen nochmals auftritt.