Revierförster Lothar Bellert (rechts) führte die Teilnehmer durch den Ettenheimer Stadtwald. Foto: Obergföll

Im Rahmen der Sommerakademie führte Revierförster Lothar Bellert durch den Ettenheimer Forst. Dabei wurde klar: Die Natur befindet sich seit Jahren im Wandel.

Mit der Sommerakademie setzte die VHS Ettenheim in Zusammenarbeit mit der Stadt bereits im fünften Jahr in Folge auf dieses Format, um Bürgern vor Ort Einblicke in zentrale Aufgabenbereiche der Stadt zu ermöglichen. Nach dem Industriepark und einem Blick hinter die Kulissen des städtischen Bauhofs (wir berichteten) erläuterte nun Revierförster Lothar Bellert bei einer spannenden Waldbegehung die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald sowie die Strategien und Maßnahmen der städtischen Forstwirtschaft.

 

Nach einer längeren Trockenperiode komme der Regen jetzt gerade recht, freuten sich Lothar Bellert und VHS-Außenstellenleiterin Carola Goetsch über das „waldfreundliche Regenwetter“ bei der Begehung. Verwundert zeigten sich die Teilnehmer anfangs über das nunmehr offene Gebäude der Schutzhütte am Brudergarten. Immer wieder hatten dort zuletzt die Waldarbeiter starke Verschmutzungen im Inneren wegräumen müssen, mit der Öffnung sei dieses Problem nunmehr behoben, wie Bürgermeister Bruno Metz eingangs erklärte. Zur großen Überraschung lief der Wandergruppe auch gleich ein fotogener, regenglitzernder Feuersalamander über den Weg. Bellert benannte ihn als Indikator für den guten Zustand des Waldes in diesem Abschnitt.

Jährlich werden 8500 Festmeter Holz geschlagen

Rund 1150 Hektar genutzte Waldfläche verfüge die Stadt, mehr als 8500 Festmeter Holz werden dort jährlich geschlagen, während 12.000 Festmeter im gleichen Zeitraum wieder nachwachsen. Die fünf städtischen Waldarbeiter werden dabei in Spitzenzeiten von der Waldservice GmbH unterstützt. Deren Dreiachsenmaschinen hinterlassen zwar bei der Holzentnahme deutliche Spuren, in zwei bis drei Jahren jedoch sei davon nichts mehr zu sehen, so Bellert. 16 Baumarten werden gepflegt und gehegt: Birken, Pappeln und Weiden als Pioniergehölze, daneben aber Buchen, Eichen, Eschen und die Douglasie. Stellenweise werden Schonungen in Monokultur nachgepflanzt, beispielsweise Eichen, in zehn bis 20 Jahren jedoch erfolge auch hier die Durchmischung: „Der Umbau des Waldes braucht Zeit.“ Die sichtbaren Wuchshilfen bestehen aus verrottenden Materialien wie ein Kartoffelsack, nicht aus Plastik. Sie sollen den Verbiss durch Rehe verhindern, die ja kein Gras fressen und auf der Suche nach den jungen, vitaminreichen Baumtrieben sind. Deswegen lasse man auch Brombeeren an Stellen der natürlichen Waldverjüngung wachsen, hier brauche die Stadt nicht kostenintensiv eingreifen.

Im Wald hat die Sicherheit des Menschen Priorität

Der Wirtschaftswald der Stadt stehe dabei immer in der Spannung zwischen Wirtschaftlichkeit und dem Naturschutz. Wo keine Gefahr für Waldbesucher bestehe, werden sogenannte Habitatbäume, zum Beispiel eine mächtige, geschädigte Buche, nicht gefällt. Anders sei jedoch die Situation an Wanderwegen wie dem Breisgauer Weinwanderweg: Dort gehe die Sicherheit vor, nur dann werden waldtypische Gefahrenbäume entnommen.

In Anspielung auf seinen Namensvetter „Sturm Lothar“, der Ende 1999 große Teile der Ortenauer Natur verwüstete (siehe Info), erläuterte Bellert das Vermögen der Natur, sich selbst zu verjüngen: Einfach mal nichts tun, habe sich als erfolgreiches Vorgehen nach den damalig verheerenden Sturmschäden erwiesen, im Lautenbachtal sei dies offensichtlich. Bei der Fichte im Waldgebiet Richtung Schuttertal werde mit der Motorsäge geholfen, der ursprüngliche Schwarzwald sei von der Buche, der Eiche und der Tanne geprägt gewesen. Bestimmte Totholzflächen werden nicht aufgeschafft, sie dienen dem geschützten Hirschkäfer als Lebensraum, speichern Feuchtigkeit und tragen zum kühlenden Effekt des Waldes bei. Der Wald der Zukunft werde mit Ahorn und Kastanien nicht mehr so hoch sein, niedere Bäume jedoch ermöglichen den Pflanzen einen sicheren Wassertransport in die Spitze und somit mehr Baumgesundheit, zugleich auch mehr Wirtschaftlichkeit.

Info – Als „Lothar“ durch die Wälder fegte

Der Orkan „Lothar“ fegte am 26. Dezember 1999 über West- und Mitteleuropa. Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 270 Stundenkilometern verursachten einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 15 Milliarden Euro und forderten europaweit 140 Menschenleben – 13 davon in Baden-Württemberg.