Der Reutlinger Maschinenbauer Manz reagiert mit Kurzarbeit auf sinkende Aufträge. Für 2024 rechnet das Unternehmen mit sinkendem Umsatz. An der Spitze des Unternehmens kommt es nun zu einem überraschenden Wechsel.
An der Spitze des Reutlinger Maschinenbauers Manz gibt es einen überraschenden Wechsel. Zum 1. September soll Ulrich Brahms neuer Vorsitzender des Vorstands werden.
Dies hat der Aufsichtsrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Zudem wird das Unternehmen Kurzarbeit einführen.
Brahms löst den langjährigen Unternehmenschef Martin Drasch ab. Dieser verlasse das Unternehmen auf eigenen Wunsch „und im besten gegenseitigen Einvernehmen“, heißt es in einer Mitteilung. Drasch hatte noch einen bis 2028 laufenden Vertrag.
Brahms wurde bereits mit Wirkung vom 15. Juli in den Vorstand berufen. Sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender hat eine Laufzeit von drei Jahren. Brahms sei Techniker und war seit 2007 in verschiedenen Unternehmen Interimsvorsitzender.
Der Vorstand von Manz wird darüber hinaus um eine Person erweitert. Als neuen Technik-Vorstand hat der Aufsichtsrat Stefan Lutter berufen. Dieser kommt von der Süss Microtec SE aus Garching. Der bisherige Finanzvorstand Manfred Hochleitner bleibt weiter in dieser Position tätig.
Am Standort Reutlingen will das Unternehmen Kurzarbeit einführen, die länger als einen Monat dauern werde, sagte eine Sprecherin. Keine Antwort gab es auf die Frage, ob es auch zu Stellenstreichungen kommen werde. Da ein „Effizienzprogramm“ erst noch ausgearbeitet werde, könne zu weiteren Maßnahmen noch nichts gesagt werden.
Manz beschäftigt 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 480 am Firmensitz Reutlingen sowie in Tübingen. Einen Betriebsrat gibt es bei Manz nach den Worten von Michael Bidmon, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Reutlingen-Tübingen, nicht. Versuche, einen Betriebsrat zu gründen seien immer wieder gescheitert. Statt dessen sei eine Art Vertrauensrat eingerichtet worden. Die Sprecherin von Manz bestätigte, dass es eine von den Mitarbeitern gewählte Vertretung gibt.
Das Unternehmen produziert unter anderem Anlagen für die Herstellung von Lithiumionenbatterien und für die Chip-Industrie. Der Umsatz lag 2023 mit 250 Millionen Euro etwa auf der Höhe des Vorjahres. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen verbesserte sich von minus 4,2 Millionen Euro auf plus 2,9 Millionen Euro.
Manz kämpfte in den vergangenen Jahren immer wieder mit roten Zahlen. Ergebnis und Umsatz werden nach einer Ad-hoc-Mitteilung von Ende Juni im Jahr 2024 deutlich unter dem Wert des Vorjahres liegen. Da sich das Batteriegeschäft nicht so gut wie erhofft entwickelt hat, will Manz sich künftig stärker auf die Halbleitermärkte ausrichten.
Der Verkauf einer Tochtergesellschaft in Ungarn, die mit 120 Beschäftigten in der Montage von Baugruppen und Maschinen tätig ist, soll nach Angaben des Unternehmens in Kürze abgeschlossen werden. Durch die Insolvenz des Kunden Britishvolt fiel im vergangenen Jahr ein Auftragsvolumen von 90 Millionen Euro weg.
Größter Anteilseigner von Manz ist Firmengründer Dieter Manz mit seiner Familie. Diese Gruppierung hält 22,7 Prozent. In den Händen der Shanghai Electric Germany Holding liegen 17,8 Prozent, bei der Daimler Truck AG 9,1 Prozent. Im Streubesitz befinden sich 40 Prozent der Aktien. Dieter Manz hatte das Unternehmen 1987 gegründet. Nach dem Börsengang im Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse im Jahr 2006 wurde die Manz-Aktie 2008 in den geregelten Markt (Prime Standard) aufgenommen.