Der Schimmel im Neubau ist behandelt. Eine Gefahr für die Gesundheit bestand laut Verwaltung nicht. Im Gemeinderat sehen manche eine Entscheidung der Kommunalaufsicht als Grund dafür, dass es überhaupt soweit kommen konnte.
Die gute Nachricht vorweg: Der Schimmel im Neubau der Reuchlin-Schulen war nicht gefährlich für die Gesundheit. Das habe eine baubiologisches Gutachten der Raumluft ergeben, erklärte Bürgermeister Roberto Chiari im Gemeinderat. „Es wurde nichts Bedrohliches oder Gefährliches gefunden“, sagte er. Im November tauchte der Schimmel im Treppenhaus auf, später auch im Klassenzimmer. Das Bauamt veranlasste eine Behandlung: Stoßlüften, eine erhöhte Raumtemperatur, Luftentfeuchter und zusätzliche Heizlüfter, beschrieb Thomas Seeger vom Bauamt beim Baustellenrundgang Mitte Januar die Maßnahmen.
Doch wie war der Schimmel überhaupt entstanden? Der Grund ist die noch fehlende Dämmung des neuen Gebäudes. Ist es draußen kalt, kondensiert das Wasser an den Innenwänden. Schimmelbildung ist die Folge. Die Dämmung solle angebracht werden, sobald es die Witterung zulasse, so Chiari im Gemeinderat.
Das sagen die Gemeinderäte
Dietmar Fischer (CDU) gab sich damit nicht zufrieden. Er fragte nach, warum die Dämmung noch nicht angebracht worden sei. Bauamtsleiter Joschka Kübler erklärte, dass die Maßnahme geschoben worden sei, weil die Kommunalaufsicht der Stadt bei der letzten Haushaltsgenehmigung Auflagen gemacht habe. Eigentlich hätte die Dämmung nach den Sommerferien angebracht werden sollen. „Welche Kosten sind uns durch die zusätzlichem Maßnahmen entstanden? Und schickt die Stadt eine Rechnung an die Kommunalaufsicht?“, fragte Fischer.
Chiari weist Vorwurf zurück
Daran störte sich Chiari. „Mir fällt langsam nichts mehr ein“, sagte er zu Fischer. Den Vorwurf, dass bei den Vorkommnissen irgendjemand vorsätzlich gehandelt habe, weise er zurück, so Chiari. Die Stadt habe auf den Kostendruck reagiert – und auch auf den Schimmel sofort reagiert. „Daraus einen Strick zu drehen – Chapeau“, richtete er sich an Fischer.
„Das ist keine Kleinigkeit mehr“, meinte Maik Volz (CDU). Man habe die Bauarbeiten für die Dämmung im Januar 2024 vergeben. Es gebe einen Bauzeitenplan. Eltern kämen wegen der zusätzlichen Kosten jetzt auf ihn zu. Und auch wollten die Eltern wissen, ob der Schimmel für die Menschen im Gebäude gefährlich sei. Es sei klar gewesen, dass so etwas in einem Betonbau passiere. Die zusätzlichen Kosten lägen laut Volz im oberen fünfstelligen Bereich. „Das kann man nicht beiseite schieben“, sagte Volz. Und es sei „keine Lachnummer“, richtete er sich an Sebastian Kopp (UL), der während Fischers Ausführungen gelacht habe.
Kopp verteidigte sich. Auf der Sachebene könne man diskutieren, sagte dieser. Gab es bauliche Gründ? Oder waren die Finanzen der Grund? „Ich bin für Aufklärung“, so Kopp. Er habe aber deshalb gelacht, weil Fischer die Kosten der Kommunalaufsicht in Rechnung stellen wolle. Der Gemeinderat habe dem Haushaltserlass der Kommunalaufsicht jedoch zugestimmt, auch zustimmen müssen. Denn sonst hätte die Kommune gar keinen genehmigten Haushalt gehabt. Durch die ganzen Schritte bei der Haushaltsgenehmigung wäre es überhaupt erst zu den Verschiebungen gekommen, argumentierte Kopp.
Dietmar Lehmann-Schaufelberger (Grüne) fand Fischers und Volz Vorgehen im Gremium „indiskutabel“. „Geht es darum einen Schuldigen zu finden? Es geht darum Lösungen zu finden“, sagte er. Das Ereignis – also die Schimmelbildung – sei nicht vorhersehbar gewesen.
Fischer gibt keine Ruhe
Fischer wiederholte seine Vorwürfe. Er wolle wissen, wie hoch die Kosten sind. Hätte man der Kommunalaufsicht im Sommer gesagt, dass man die Dämmung wegen der Schimmelgefahr schon jetzt anbringe, hätte die Behörde zugestimmt, war er sich sicher. Bauamtsleiter Kübler entgegnete, dass man die Dämmung im Sommer gar nicht hätte anbringen können. Denn die Räume im Neubau habe man schon zum aktuellen Schuljahr benötigt. Hätte die Stadt die Bauarbeiten durchgezogen, hätte man nicht in den Neubau einziehen können.
Kopp schlug vor, dass die Verwaltung einen Ablaufplan erstellen und die Gründe die Verschiebung erklären solle. Dann könne sie auf die Anschuldigungen aus der CDU-Fraktion reagieren, „damit das geschwätzt ist“. Chiari sagte zu, diese Aufstellung zu liefern. „Es gab keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen“, war dem Bürgermeister zum Schluss nochmals wichtig zu betonen.