Ein Einsatzteam der Bergwacht Obertal bei einer Übung am Ruhestein mit der neuen Gebirgstrage, die von der Firma Müller Mitteltal gespendet wurde Foto: Bergwacht Obertal

Die Bergwacht Obertal hat nicht nur im Winter viel zu tun. Die ehrenamtlichen Helfer sind auch im Sommer eine wichtige Stütze für die gesamte Rettungskette, wenn es unter anderem darum geht, Verunglückte in schwer zugänglichem Gelände zu retten.

Die Bergwacht muss mittlerweile im Sommer ungefähr genauso oft ausrücken wie in den Wintermonaten. „Der letzte Winter war dafür natürlich kein Maßstab, denn aufgrund des Schneemangels waren beispielsweise die Loipen und Lifte meist nicht in Betrieb“, sagt Alexander Burkhardt, der stellvertretende Vorsitzende der Bergwacht-Ortsgruppe Obertal. Blicke man aber auf die vergangenen zehn Jahre, sei klar zu sehen, dass sich die Einsätze jeweils zur Hälfte auf Winter und Sommer verteilen.

 

„In diesem Sommer sind wir bis jetzt 22-mal im Einsatz gewesen, und im Schnitt haben wir rund 50 bis 70 Einsätze im Jahr“, berichtet er. Die Einsätze seien unterschiedlicher Art und reichten von der Suche nach vermissten Personen über verunglückte Paraglider bis zu Forstunfällen – auch dazu würden die Bergretter gerufen.

Die Bergwacht wird über die integrierte Leitstelle Freudenstadt verständigt. Wird die 112 angerufen und ein Unfall gemeldet, entscheiden die Disponenten, ob auch ein Einsatz der Bergwacht notwendig ist. „Das heißt, man kann uns über den normalen Notruf anfordern, und wir werden dabei über die Leitstelle koordiniert“, erklärt Hans-Jörg Faißt, Pressereferent der Bergwacht Obertal. Er und seine Kollegen freuen sich über den guten Kontakt zu den Kollegen der Blaulichtfamilie. Das sei bei Einsätzen eine elementare Grundlage für die organisationsübergreifende Zusammenarbeit, um den Patienten zu helfen.

Keine Nachwuchssorgen

Faißt berichtet von einer Zunahme von Fällen, in denen sich Menschen schlichtweg übernehmen – und mit schlechter Ausrüstung und ohne Getränke die Orientierung verlieren. „Das beobachten wir seit der Corona-Zeit verstärkt, dass Personen jeder Altersklasse ihr persönliches Leistungsspektrum überschätzen und dann froh sind, wenn wir sie aus ihrer misslichen Lage retten.“

Beruhigt sei man in der Ortsgruppe Obertal, dass es durch die hervorragende Jugendarbeit keine Nachwuchssorgen gebe und auch der Kreis der aktiven Bergretter mit rund 45 Kräften groß sei. „Es dauert zwei bis drei Jahre, bis die Ausbildung zum Bergretter absolviert ist, und dann gibt es viele Fortbildungen, bei denen man sich je nach Interessenslage zum Beispiel als Fachausbilder, Baumretter, Höhenretter, Luftretter weiterbilden kann“, erklärt Alexander Burkhardt. Allein für die Grundausbildung müssten mindestens 250 ehrenamtliche Stunden geleistet werden.

„Es sind auch mal extreme Tage dabei, an denen wir von morgens bis abends im Einsatz sind, aber es gibt auch wieder Wochen, die ohne Einsatz verlaufen“, berichtet Burkhardt. Dankbar seien sie alle ihren Arbeitgebern, die es den Mitgliedern der Schnelleinsatzgruppe ermöglichen, zu den Einsätzen zu gehen. „Ohne ihr Verständnis für unsere Arbeit würde es nicht funktionieren“, betont der stellvertretende Vorsitzende.

Kameradschaft wichtig

Nicht nur die Regeldienste in der Rettungswache am Ruhestein gehören zu den Aufgaben eines Bergretters, auch regelmäßige Treffen sowie spezielle Fort- und Weiterbildungen werden wahrgenommen. Medizinisch und technisch muss ein Bergretter auf dem neuesten Stand sein, und dafür sind regelmäßige Schulungen notwendig.

„Die Kameradschaft wird in der Bergwacht Obertal großgeschrieben. Wer seine Zeit bei Freizeitaktivitäten miteinander verbringt, der kann sich auch im Einsatz aufeinander verlassen“, weiß Burkhardt.

Denn die Bergretter aus Obertal sind das gesamte Jahr über gefordert, auch belastende Einsätze gehören dazu. „Diese sind im Sommer wie auch im Winter immer möglich“, sagt Pressereferent Faißt. „Zum Glück haben wir ein hervorragendes Notfallseelsorgeteam im Landkreis, das uns bei Bedarf professionell unterstützt.“