Vor Beginn der Feierstunde nahm Innenminister Thomas Strobl kurz im Cockpit der Maschine Platz. Foto: Schabel

Der Luftrettungsstützpunkt in Lahr wurde am Freitag eingeweiht. Seit seiner Inbetriebnahme am 1. April hat sich der Hubschrauber mehrfach in der Praxis bewährt.

Bevor die Feierstunde im Terminal begann, gingen die zahlreichen Ehrengäste um Innenminister Thomas Strobl hinaus auf das Vorfeld des Flugplatzes, denn dort stand der eigentliche „Hauptdarsteller“ des Nachmittags – „Christoph Ortenau“. Ein Rettungshubschrauber mit zwei Triebwerken zu je 1020 PS, mit denen er eine Geschwindigkeit von 278 Stundenkilometern erreicht.

 

„Ein schnuckeliges Ding“, sagte Strobl, als er vor der fliegenden Intensivstation stand. Die Honoratioren und die Crewmitglieder stellten sich für Fotos auf – der Helikopter im Hintergrund –, ehe Strobl (CDU) sich kurz in das Cockpit der rot-weißen Maschine setzte. Für den Innenminister war der Anblick offenbar nicht neu, er bemerkte, dass die Polizei des Landes dasselbe Hubschraubermodell nutzt, einen H 145 mit Fünfblattrotor vom Hersteller Airbus Helicopter.

Seine Feuertaufe hat „Christoph“ längst bestanden, denn der Luftrettungsstandort Lahr ist schon seit dem 1. April in Betrieb. Bereits am ersten Tag habe man vier Einsätze gehabt, 41 weitere sind seither hinzugekommen, erzählte Peter Sutterer, der Leitende Hubschrauberarzt, unserer Redaktion. Man deckt ein großes Gebiet ab, der weiteste Flug bisher – ein Patiententransport für das Ortenau-Klinikum – ging an den Bodensee. Auch in Lahr war „Christoph“ schon im Einsatz, etwa bei dem tragischen Unfall am 9. April auf der B 415, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren.

Wenige Schritte vom Hubschrauber entfernt befindet sich die Unterkunft der Crew. Sie besteht aus zehn weißen Containermodulen, die aneinandergebaut wurden. Der Autor durfte sich darin umsehen – es gibt ein größeres Büro, einen Aufenthaltsraum und Ruheräume für das Personal. Die sind zweckmäßig eingerichtet mit einem Bett, einem Fernseher und Regalen.

Die Besatzung setzt sich aus vier Piloten und drei Notfallsanitätern der DRF Luftrettung sowie insgesamt zwölf Ärzten aus dem Department Notfallmedizin des Ortenau-Klinikums zusammen. Pro Einsatz gehen jeweils drei Kräfte an Bord – der Pilot, ein Notarzt und ein Notfallsanitäter. Claudia Bauer-Rabe, Vorstandsvorsitzende des Ortenau-Klinikums, sagte anschließend in ihrem Grußwort, dass es unter den Notärzten des Klinikums begehrt sei, für den Dienst im Rettungshubschrauber eingeteilt zu werden.

Dass „Christoph“ etwas Besonderes ist, betonte auch Strobl bei seiner Ansprache, nachdem alle zurück ins Terminal gegangen waren. Man habe nun – Lahr mitgerechnet – neun Rettungshubschrauber in Baden-Württemberg und 85 in ganz Deutschland. Dass Lahr ausgewählt wurde, sei kein Zufall, sondern die Empfehlung einer Expertenkommission gewesen. Es gehe darum, „die Achse Lahr-Freudenstadt“ abzudecken, eine rasche Notfallversorgung auch in Gebieten sicherzustellen, die für einen Rettungswagen nicht so schnell zu erreichen sind. Der neue Luftrettungsstandort am Lahrer Flugplatz sei „ein wichtiger Teil unserer Sicherheitsstruktur“, hob der Innenminister hervor. Dabei stehe „Christoph“ sowohl für die Notfallrettung als auch für Verlegungs- und Intensivtransporte zwischen Kliniken zur Verfügung.

Betrieben wird die Station von der DRF Luftrettung, eine der führenden gemeinnützigen Luftrettungsorganisationen in Europa mit Sitz in Filderstadt. Deren Chef Krystian Pracz sagte, dass bei Notfällen Sekunden über das Überleben von Unfallopfern entscheiden – deshalb sei es gut, dass „Christoph Ortenau“ nun im Einsatz sei. Dieser Meinung waren auch alle anderen Redner. Landrat Torsten Erny betonte etwa, dass man mit dem Hubschrauber die medizinische Notfallversorgung im Ortenaukreis und in der gesamten Region gestärkt habe. Damit habe man nun eine optimale Abdeckung am Boden wie auch in der Luft. Gerade Orte im ländlichen Raum seien nun viel schneller erreichbar.

Die freudige Stimmung teilte Markus Ibert: Die offizielle Inbetriebnahme des Luftrettungsstützpunkts sei „ein guter Tag für Lahr und für ganz Südbaden“, so der OB. Gerade in Verbindung mit dem künftigen Klinikum bei Langenwinkel sei man damit bei der Gesundheitsversorgung sehr gut aufgestellt. Man arbeite „mit Hochdruck“, um die Voraussetzungen für den Klinikbau zu schaffen und liege dabei voll im Zeitplan.

Unternehmer Martin Herrenknecht, Geschäftsführer der Lahrer Flugbetriebs GmbH & CoKG, hob hervor, dass man die Baugenehmigungen für die Unterkunft der Helikopter-Crew schnell bekommen habe. Der Luftrettungsstützpunkt sei „ein Meilenstein für den Flugplatz“. Er selbst wolle aber nur dann mit dem Hubschrauber mitfliegen, „wenn ich zu ihm gehen kann, sonst nicht“ – mit der Bemerkung brachte er die Zuhörer zum Schmunzeln.