Christoph 11 darf von Villingen-Schwenningen aus auch nachts abheben, in Baden-Württemberg erhält er nun Unterstützung bei der Luftrettung. (Symbolbild) Foto: DRF Luftrettung

Seit 2017 rettet Christoph 11 in Villingen-Schwenningen mit der einzigen 24-Stunden-Station in Baden-Württemberg auch nachts Leben. Der Rettungshubschrauber erhält nun nach Einbruch der Dunkelheit Verstärkung in der Luft.

Seit 1. Oktober 2017 ist Christoph 11 in Villingen-Schwenningen eine wahre Besonderheit in Baden-Württemberg: Als einziger Rettungshubschrauber steht er im Ländle rund um die Uhr zur Verfügung. Der 24-Stunden-Heli bekommt aber bald über die Nachtstunden hinweg Verstärkung.

 

Denn in der Metropolregion Stuttgart soll zukünftig Christoph 51 ebenfalls nach Anbruch der Dunkelheit zur Verfügung stehen. Dies war im November 2022 bekannt gegeben worden. Voraussetzung hierfür waren „die fachlichen Empfehlungen der Struktur- und Bedarfsanalyse der Luftrettung in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2020“, erklärt Katharina Lutz-Schädler als Sprecherin des Innenministeriums.

Teil dieser Empfehlung war es, dass der bereits bestehende Luftrettungsstandort am Sonderlandeplatz Pattonville (nördlich von Stuttgart im Landkreis Ludwigsburg) als 24-Stunden-Standort in Einsatzbereitschaft zu nehmen. Lutz-Schädler: „Durch die Erweiterung der Dienstzeiten des Christoph 51 in Stuttgart auf 24 Stunden werden künftig nahezu alle Orte innerhalb von Baden-Württemberg durch Luftrettungsmittel innerhalb von 30 bis 40 Minuten erreichbar sein.“

Keine weitere 24-Stunden-Stationen geplant

Aus Sicht des Innenministeriums ist, wenn Christoph 11 und Christoph 51 zukünftig rund um die Uhr bereit stehen, der nächtliche Luftrettungsbetrieb in Baden-Württemberg deshalb ausreichend abgedeckt. „Weitere 24-Stunden-Luftrettungsstandorte sind derzeit nicht geplant und werden im beauftragten Luftrettungsgutachtens nicht empfohlen“, erklärt die Sprecherin.

Das hinge auch damit zusammen, dass die Luftrettung im Verlauf der Abend- und Nachtstunden vergleichsweise selten in der akuten Notfallversorgung eingesetzt werden. Dies habe eine Bedarfsanalyse aller Standorte ergeben. Grund dafür sei das geringere Notarzteinsatzaufkommen sowie der „eingeschränkte Geschwindigkeitsvorteils der Luftrettungsmittel durch sicherheitsrelevante Verzögerungen im Nachtbetrieb“, so Lutz-Schädler, die betont: „Der Vorteil der Luftrettungsmittel in den Nachtstunden liegt zudem vielmehr in der Einsatzmöglichkeit als schnelles und schonendes Transportmittel zwischen den Krankenhäusern.“

DRK sieht enorme Verbesserung

Für Christoph 11 hat sich die 24-Stunden-Bereitschaft aber bewährt. Das erklärt DRK-Kreisgeschäftsführer Stephan Niggemeier. Das DRK ist Träger des Luftrettungsstützpunktes und kooperiert hier mit der DRF Luftrettung. Die DRF stellt den Hubschrauber und die Piloten, das DRK die Notfallsanitäter und das Schwarzwald-Baar-Klinikum die Notärzte.

„Die Verfügbarkeit des Hubschraubers rund um die Uhr stellt eine enorme Verbesserung für die Luftrettung und die medizinische Versorgung im gesamten Landkreis sowie über dessen Grenzen hinaus dar“, betont Niggemeier auf Anfrage unserer Redaktion. Das DRK könne die Notfallversorgung so effizienter gestalten und lebensrettende Hilfe auch in der Nacht schneller dort leisten, wo sie benötigt werde. Ein entscheidender Faktor sei dabei auch die Zusammenarbeit mit der DRF Luftrettung – das stärke die regionale Gesundheitsversorgung.

In VS gibt es keine Beschwerden

Wie Claudia Lenk, Sprecherin der DRF Luftrettung, erklärt, fliegt Christoph 11 seit Beginn des durchgehenden Betriebs durchschnittlich um die 400 nächtliche Einsätze im Jahr, die Besatzung in VS fliege damit etwa ein Fünftel ihrer Einsätze bei Nacht. Und: Lenk sind keine Beschwerden von Anwohnern bekannt, die den nächtlichen Flugbetrieb kritisieren.

Diese Thematik kommt hingegen derzeit bei Christoph 51 in Stuttgart auf. Dort liegt das aufwendige Genehmigungsverfahren derzeit beim Regierungspräsidium Stuttgart, das sich unter anderem mit annähernd 200 Einwendungen beschäftigen muss. So fürchten dortige Anwohner um ihre Nachtruhe. Es ist daher derzeit noch unsicher, wann die 24-Stunden-Bereitschaft in Pattonville hergestellt werden kann.

Einsatzzahlen dürften sich verschieben

Sollte es soweit sein, rechnet die DRF Luftrettung mit einer Verschiebung der Einsatzzahlen. Damit sei beim Betrieb von zwei Stationen in der 24-Stunden-Bereitschaft zu rechnen. „Wie genau diese Veränderung aussehen wird, das können wir aktuell nicht sagen“, so Lenk.

Beim DRK freut man sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der neuen 24-Stunden-Station in Stuttgart. Niggemeier: „Mit diesem Schritt wird die Luftrettung in Baden-Württemberg weiter gestärkt.“ Das DRK möchte dabei in enger Kooperation mit dem DRF ein Stück daran mitwirken.