Das Ende war fast besiegelt. Nun übernimmt Huixing den Rundstrickbereich von Mayer & Cie. in Albstadt und will die Produktion wieder hochfahren. Ein Blick hinter die Kulissen des Investorenprozesses.
Die Rettung für den Rundstrickbereich der Tailfinger Traditionsfirma Mayer & Cie. kam sprichwörtlich auf den „letzten Metern“, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Dienstag verkündet hat. Unmittelbar nach der Insolvenzeröffnung Anfang Dezember wurde die Einstellung des gesamten Geschäftsbetriebs eingeleitet. Den meisten der rund 270 Mitarbeiter sei daraufhin auf Ende Februar 2026 gekündigt worden. Die Ausproduktion der verbleibenden Aufträge aus dem Rundstrickbereich sollte bis Ende diesen Monats abgeschlossen sein.
Doch bekanntlich kam alles anders: Diesen Dienstag informierte Mayer & Cie., dass das chinesische Unternehmen Huixing den Rundstrickbereich von Mayer & Cie. samt Tochterunternehmen in China und Tschechien übernimmt und auch in Zukunft auf den Standort Albstadt setzen will. Der Kaufvertrag mit Xu Hongjie aus der Eigentümerfamilie von Huixing wurde am Montag unterschrieben. Noch stehen behördliche Genehmigungen aus, die für den Vollzug des Kaufvertrags maßgeblich sind.
Lösung im November gescheitert
Was für Teile der Öffentlichkeit überraschend kam, hat sich hinter den Kulissen offenbar über Wochen hinweg angebahnt, wie die am Investorenprozess beteiligte Wintergerst Societät für Unternehmer-Beratung GmbH & Co. KG nun in einer Pressemitteilung bekanntgibt. Der erfolgreiche Abschluss sei nun das Ergebnis eines „außergewöhnlichen Krisenmanagements“. Wintergerst betont, dass bereits im November eine Investorenlösung mit einem strategischen Investor kurz vor der Unterschrift gestanden hätte. Diese sei jedoch gescheitert und die Einstellung des Geschäftsbetriebs in der Folge beschlossen worden.
Doch: Die am Prozess Beteiligten, darunter auch Martin Mucha, der als Generalbevollmächtigter bei Mayer & Cie. eingestiegen ist, und Ilkin Bananyarli, Sachwalter für die Insolvenz in Eigenverwaltung von der Pluta Rechtsanwalts GmbH, hätten nicht aufgegeben. Zunächst sei ein Prozess zur Verwertung im Rahmen der Betriebsstilllegung aufgesetzt worden. In kürzester Zeit habe man sämtliche Struktur - und Verwertungsoptionen geprüft, insbesondere die Verwertung der Vermögensgegenstände des Flechtmaschinenbereichs konsequent vorbereitet und parallel eine deutlich ausgeweitete internationale Ansprache an Interessenten umgesetzt. „Durch diesen beharrlichen, lösungsorientierten Ansatz konnte im Rahmen der Verwertung in einer hochkritischen Phase unerwartet eine Perspektive für das Geschäft von Mayer & Cie. geschaffen werden“, schreibt Wintergerst in der Mitteilung weiter.
Dabei galt es für die Unternehmensberater einen Gesamtprozess mit zwei eng verzahnten Transaktionsprozessen zu begleiten. Schließlich besteht Mayer & Cie. aus Rundstrick- und Flechtmaschinenbereich, die voll ineinander integriert sind. Die Vermögensgegenstände aus letzterem Geschäftszweig habe man letztlich erfolgreich herausgelöst und nach parallelen Verhandlungen mit mehreren Interessenten im Dezember 2025 an die italienische Firma Diesse Rubber Hoses S.p.A. verkauft. Somit war der Flechtmaschinenbereich im vergangenen Jahr bereits veräußert.
Bleibt das Rundstricksegment. Für den Erwerb jener Vermögensgegenstände habe Wintergerst parallel die Verhandlungen mit Huixing geführt; die Vertragsverhandlungen konnten am 9. Februar erfolgreich abgeschlossen werden. Das Fazit von Wintergerst: Mit dieser zweistufigen Transaktionslösung werde der Erhalt der Traditionsmarke gesichert und die Chance auf eine Wiederaufnahme der Produktion in Albstadt eröffnet.
„Aufgeben war nie eine Option“
„Trotz der immensen Herausforderungen war Aufgeben für uns nie eine Option. Wir haben den Prozess neu strukturiert, Lösungen entwickelt und parallel mehrere Investoren verhandelt“, wird Volker Wintergerst, Managing Partner bei der Unternehmensberatung, zitiert. Mit aus dem Hause beteiligt gewesen seien zudem seine Kollegen Christian Scharfenberger, Simon Ulmer und Niklas Reichert sowie Theo-Philo Rempel und Lukas Mauch. Eng zusammengearbeitet habe Wintergerst mit dem Team von der Kanzlei Grub Brugger um Martin Mucha, Markus Berger, Philipp Stopp, Felix Rebel, Dr. Mario Weiss, Manon Hotz und dem Sachwalter Ilkin Bananyarli von Pluta, was zeigt, mit welchem personellen Einsatz an einer Zukunft von Mayer & Cie gearbeitet wurde.
Geht es nach Investor Xu Hongjie soll die Produktion am Tailfinger Ortsrand schnellstmöglich wieder anlaufen. Wie viele Mitarbeiter eingestellt werden, ist nach wie vor nicht bekannt.