Die „Rettung“ aus dem ehemaligen Gasthaus Engel per Drehleiter war für die Jugendlichen ein besonderes Erlebnis. Foto: Baublies

Gut 100 Zuschauer haben am Sonntag interessiert die Herbstübung der Feuerwehr Seelbach verfolgt. Die Annahme: Jugendliche haben im leerstehenden Gasthaus Engel eine „illegale Party“ veranstaltet und in der Küche einen Brand ausgelöst.

Diese Annahme war nicht völlig aus der Luft gegriffen, wie sich zeigte. Bei der Manöverkritik, nach dem erfolgreichen Abschluss, stellten Tobias Schwarz, stellvertretender Kommandant der Seelbacher Feuerwehr, und der stellvertretende Kreisbrandmeister Thomas Happersberger (Lahr) klar, dass Spuren im leerstehenden Gebäude da eindeutig sind. Schwarz lobte zuerst, dass alle drei Abteilungen der Gemeinde, das DRK Seelbach und das THW Lahr (für die Sperrung der Hauptstraße verantwortlich) „schnell und effizient zusammengearbeitet“ hatten. Happersberger lobte das realistische Drehbuch und verwies auf die Herausforderungen des alten und verwinkelten Gebäudes.

 

Exakt um 11.05 Uhr erklärte der Seelbacher Kommandant Christian Vögele, der diese Übung beobachtete und per Lautsprecher kommentierte, dass alle Jugendlichen in Sicherheit waren. Die geschminkten Mitglieder der Jugendfeuerwehr wurden am Rathaus vom DRK versorgt.

Kameraden mussten schwere Puppe bergen

Fünf der „Feiernden“ waren in der Lage, über die automatisch aus Lahr alarmierte Drehleiter aus dem Fenster zu klettern. Eine Rettung gab es auf der Rückseite des Gebäudes mittels Steckleiter. Zudem wurde eine Puppe aus dem Gebäude getragen. Einer der Einsatzkräfte sagte im Hof des Gerätehauses kurz vor der Manöverkritik dazu lapidar: „Die zu tragen, macht keinen Spaß.“ Die „Puppe“ ist 80 Kilogramm schwer und besteht aus zusammengenähter Kleidung, die mit Sand gefüllt ist. Was eine sehr realistische Annahme eines Bewusstlosen sein dürfte. Die anderen „Eingeschlossenen“ konnten das tatsächlich verrauchte Treppenhaus nutzen. Der Qualm des Kunstnebels waberte teilweise bis zu den gut 100 Zuschauern, die auf der Höhe des Parkplatzes das Spektakel verfolgten.

Auf einen echten Wasserangriff wurde bei dem Szenario, das Schwarz verfasst hatte, verzichtet. Die Kameraden aller drei Abteilungen schlossen die Schläuche mittels der Hydranten an, bauten den Druck auf und ließen das Ventil am Ende der Schläuche geschlossen. Die insgesamt vier Busse der SWEG, die während der Übung die Hauptstraße passierten, waren Teil der Übung. Das sollte erschwerend dazukommen. Andere Fahrzeuge wurden umgeleitet.

Die Seelbacher Feuerwehr hat ihre Herbstübung am früheren Gasthaus Engel gemeistert.

Eine Joggerin, die kurz vor den ersten Hilfeschreien der „Eingeschlossenen“ am Engel vorbeilief, wurde von der Umleitung auf dem Rückweg verschont. Sie passierte unbeirrt kurz vor elf Uhr den Einsatzort, die Rettung war da noch in vollem Gang.

Das ehemalige Gasthaus „Engel“ hat sich in diesem Jahr für diese Übung angeboten, da das Gebäude seit langem leer steht und in Kürze zu Wohnungen umgebaut werden soll. Die Einsatzkräfte mussten also im tatsächlich stark verrauchten Gebäude auf die Inneneinrichtung nicht allzu viel Rücksicht nehmen.

Übungen dieser Art sind immer realistisch, da außer dem Autor des Drehbuchs keiner der Einsatzkräfte weiß, was zu erwarten ist. Lediglich die Zeit – Alarm Sonntag um 10.30 Uhr – und der Einsatzort sind vorher bekannt.

Das Gasthaus

Das Gasthaus Engel in der Seelbacher Dorfmitte stammt aus dem 18. Jahrhundert. In der Lokalgeschichte hat das Gasthaus insofern einen Stellenwert, als hier die Revoluzzer des Schuttertals zur 1848er-Revolution ihren Versammlungsort hatten.