Das Pflegeheim St. Hildegard ist endgültig gerettet. Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, Kenk übernimmt am 1. März. Foto: Baublies

Die Zukunft des Pflegeheims St. Hildegard ist nun endgültig in trockenen Tüchern: Beim Notartermin haben der Caritasverband und die Firma Kenk die Übernahme besiegelt.

Große Erleichterung in Seelbach und Schuttertal: Nun ist endgültig klar, dass das Pflegeheim St. Hildegard erhalten bleibt. Wie die Gemeinden, die Firma Kenk und der Caritasverband mitteilen, wurde der Notartermin am Mittwoch erfolgreich vollzogen, der Kaufvertrag sei unterzeichnet. Zum 1. März 2026 übernimmt demnach das Familienunternehmen Kenk den Betrieb der Einrichtung.

 

Die Gemeinden Seelbach und Schuttertal hatten sich in den vergangenen Monaten mit großem Einsatz für den Erhalt des Standorts starkgemacht. Strategische Gespräche mit Investoren, intensive Verhandlungen und klare politische Beschlüsse ebneten den Weg für die nun erreichte Lösung. Für die Bewohner, ihre Angehörigen sowie für die Mitarbeiter bedeutet dies vor allem eines: Sicherheit, Kontinuität und eine klare Zukunftsperspektive, heißt es in der Mitteilung.

„Ein richtig guter Tag für Seelbach, Schuttertal und die gesamte Region“, sagt Bürgermeister Michael Moser. Mit der Übernahme durch die Firma Kenk bleibe das Pflegeheim nicht nur bestehen, es bekomme eine echte Zukunftsperspektive. „Selbstverständlich danken wir auch der Caritas für 25 Jahre engagierte Pflegearbeit vor Ort“, so der Rathauschef. Moser ergänzt: „Mein ganz besonderer Dank gilt meinem Bürgermeisterkollegen Matthias Litterst. Er war von Anfang an voll mit dabei, jederzeit verlässlich und mit großem persönlichem Einsatz. Ohne diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit wäre das alles kaum realisierbar gewesen. Ein besonderes Dankeschön gilt Jonas Kenk, der sich mit großem persönlichen Engagement für den Erhalt der Pflege im Tal eingesetzt hat“.

Litterst hebt die Bedeutung interkommunaler Zusammenarbeit hervor

Auch Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst betont: „Unser gemeinsames Ziel war immer der Erhalt der Pflegeplätze in der Region. Dass uns das gelungen ist, zeigt, wie wichtig interkommunale Geschlossenheit und klare Haltung in entscheidenden Momenten sind.“ Er sei froh und dankbar, dass mit der Familie Kenk ein etabliertes Familienunternehmen, dazu noch mit Wurzeln im Tal, diese für das Schuttertal so wichtige Einrichtung, „in eine mit Sicherheit gute Zukunft führen wird“.

Familie Kenk plant laut Mitteilung, den Standort nicht nur weiterzuführen, sondern substanziell zu stärken. In den kommenden Jahren werden erhebliche Investitionen in das Gebäude und die technische Infrastruktur fließen, um das Haus weitestgehend auf einen modernen technischen Stand zu bringen. „Wir werden nicht nur den laufenden Betrieb sichern, sondern gezielt in die Substanz investieren“, so Geschäftsführer Jonas Kenk. „Das Gebäude wird technisch und strukturell modernisiert. Unser Ziel ist es, die Einrichtung nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen und gleichzeitig eine hohe Pflegequalität sicherzustellen.“ Die kommen Wochen und Monate würde es intensiv weitergehen, „aber wir freuen uns sehr auf die Aufgabe“.

Zahl der Pflegeplätze könnte schon kurzfristig erhöht werden

Seniorchef Edgar Kenk ergänzt: „Das Pflegeheim St. Hildegard hat für die Region große Bedeutung. Wir möchten dem Haus einen modernen, zeitgemäßen Charakter geben und es Schritt für Schritt weiterentwickeln. Dazu gehören bauliche Anpassungen ebenso wie Investitionen in Ausstattung und Infrastruktur.“

Im Zuge der baulichen Anpassungen soll nach aktuellem Stand zudem geprüft werden, ob die Zahl der Pflegeplätze erhöht werden kann, betonen die Beteiligten. Ziel sei es, die Versorgungssituation in der Region behutsam zu verbessern. Man gehe davon aus, dass bereits kurzfristig eine Erhöhung um vier Pflegeplätze möglich sein könnte.

Die bisherige Trägerin, die Caritas, hatte sich im Vorfeld zu einem Verkauf entschlossen. Mit der notariellen Beurkundung ist der Eigentumsübergang rechtlich fixiert, heißt es. Die Gemeinde Seelbach werde in der kommenden Gemeinderatssitzung formell auf ihr Vorkaufsrecht verzichten und damit den Übergang abschließend ermöglichen.

Caritas wünscht der Familie Kenk alles Gute

Mirko Poetzsch vom Caritasverband erläutert, dass die Zielsetzung aller Beteiligten, die stationäre Pflege in Seelbach und im Schuttertal langfristig sicherzustellen erreicht sei. „Dabei war es uns stets ein besonderes Anliegen, eine tragfähige und zukunftsorientierte Lösung zu finden, die den Menschen vor Ort zugutekommt.“ Allen Verantwortlichen des Caritasverbands sei von Beginn an klar gewesen, dass man das Vorhaben unterstützen und seinen Teil dazu beitragen wolle. „Der Familie Kenk wünschen wir alles Gute für den Betrieb des Pflegeheims und das gesamte Engagement“, so Poetzsch.

Chronik

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4. Mai:
Der Caritasverband Lahr gibt bekannt, das Haus St. Hildegard schließen zu wollen. Bewohner und Mitarbeiter sollen ins neue Pflegeheim nach Ettenheim umziehen.

20. Mai:
Gegen die Pläne gibt es Protest. Angehörige sorgen sich, dass die Bewohner aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden und ihr Besuchsweg beschwerlicher wird. Eine Petition für den Erhalt findet großen Anklang. Die Gemeinden suchen einen neuen Betreiber.

22. Mai:
Seelbachs Altbürgermeister Klaus Muttach legt die Geldbeträge offen, die Seelbach und Schuttertal einst beigetragen hatten. Die Wut auf die Caritas wächst.

2. Juni:
Beim Infoabend des Caritasverbands kochen die Emotionen hoch.

30. Juni:
Der Gemeinderat Seelbach bringt eine Änderung des Bebauungsplans auf den Weg und durchkreuzt die Caritas-Pläne, auf dem Areal Betreutes Wohnen anzubieten.

21. Juli:
Die Gemeinden präsentieren die Familie Kenk als Interessenten für die Übernahme. Verhandlungen starten.

8. Oktober:
Die Gemeinden, die Caritas und die Firma Kenk geben bekannt, dass Einigkeit erzielt wurde. Bewohner und Mitarbeiter dürfen, wenn sie möchten, in Seelbach bleiben. Die Übergabe soll zum neuen Jahr erfolgen. 14. Januar:
In einer Pressemitteilung wird öffentlich, dass dieser Plan nicht funktioniert hat. Der für Dezember angesetzt Notartermin wurde in den Februar verschoben.

11. Februar:
Beim zweiten Notartermin klappt’s: Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, St. Hildegard gerettet.