Christian Volk und Aleyna Durmus sind Mitglieder des DRK-Ortsvereins Geislingen und haben uns in der Balinger Redaktion besucht. Beide haben einen Drohnen-Führerschein. Foto: Sophie Holzäpfel

Drohnen, die Leben retten: Wie das DRK im Zollernalbkreis Hightech einsetzt, um Vermisste zu finden und Katastrophen zu überwachen.

Sie fliegen immer häufiger am Nachthimmel über Flughäfen europäischer Großstädte. Experten sehen in den Drohnen eine Warnung – oder, noch düsterer: Vorboten eines hybriden Krieges. Doch dieselbe Technologie kann auch Leben retten.

 

Drohnenpilotinnen Aleyna Durmus

In den beiden DRK-Ortsvereinen in Geislingen und Bitz gibt es seit 2020 eine Drohnenstaffel. Eine der Drohnenpilotinnen ist Aleyna Durmus. In Geislingen ist sie bislang die einzige Frau in der Staffel: „Ich würde mir noch mehr weibliche Verstärkung wünschen“, sagt die Auszubildende und lacht. 2021 hat sie ihr freiwilliges soziales Jahr beim DRK gemacht, ein Jahr darauf wurde sie Mitglied. „Ich will Menschen helfen“, sagt die junge Frau über ihre Motivation. Drohnen haben sie seit ihrer Kindheit fasziniert. Schnell haben die Flugroboter sie in den Bann gezogen. Dabei sei vor allem die Steuerung der Drohne anfangs herausfordernd: „Der Joystick reagiert auf die kleinste Bewegung.“ Es sei viel Übung nötig, um eine Drohne präzise zu fliegen, betont Durmus. „Im Einsatz zählt Präzision, nicht Schnelligkeit“, bestätigt Christian Volk. Er leitet die Drohnengruppe in Geislingen.

Gemeinsames Training einmal im Monat

Einmal im Monat treffen sich die Pilotinnen und Piloten deshalb in Geislingen zum gemeinsamen Training. Voraussetzung ist zunächst das Bestehen einer Theorieprüfung. „Es geht unter anderem um Luftrecht, die Topografie und andere Faktoren, die man beim Fliegen der Drohne beachten muss“, sagt Aleyna Durmus. Es folgen die gemeinsamen Übungsstunden – im Einsatzfall sei ein Dreier-Team für die Drohne verantwortlich, so Volk. Ein Pilot, ein Kameramann, der das Ganze auf einem großen Bildschirm überwacht und ein sogenannter Spotter: „Er hat vor allem die Aufgabe, den Luftraum im Auge zu behalten. Die Kommunikation untereinander ist mitunter das Wichtigste.“ Mit der Zeit entwickle man ein Gefühl für die Sensorik der Drohne und für die Dreidimensionalität. Laut Hersteller können die Flugroboter zwar bis zu 5000 Meter hoch fliegen, das sei aber utopisch, bemerkt Volk. Bei Personensuchen fliegen die Piloten die Drohne maximal 100 Meter über dem Boden. Während sie bei Verkehrsunfällen oder großflächigen Suchen ein wichtiges Hilfsmittel sei, stoße sie etwa bei bewaldeten Grundstücken an ihre Grenzen. „Da gibt es zu viele Störfaktoren.“ Die Drohne ist GPS-gestützt – wenn der Akku fast leer ist, fliegt sie automatisch zum Startpunkt zurück. Die Reichweite liege in etwa bei zwei Kilometern – je nach Witterung.

Unterstützung für Polizei und Feuerwehr

Eine Drohne samt Zusatzequipment kostet rund 50 000 Euro: Eine Investition, die sich laut Christian Volk lohnt. Denn die Ortsvereine in Bitz und Geislingen unterstützen mit den beiden Drohnen sowohl die Polizei als auch die Feuerwehr bei ihren Einsätzen, sowie die Bergwacht und andere Hilfsorganisationen. „Bei rund 90 Prozent der Drohnen-Einsätze bisher handelt es sich um Personensuchen“, sagt Volk.

Doch wie genau kommen diese Hightech-Geräte im Einsatz zum Tragen? Ausgestattet mit Wärmebildkameras oder Infrarotsensoren können sie Menschen selbst in unübersichtlichem Gelände oder bei Nacht aufspüren. In den Einsatzdrohnen sind neben den hochauflösenden Kameras und dem GPS-System eine Hinderniserkennung. Auch bei Großbränden oder Naturkatastrophen wie Überschwemmungen dienen sie als Werkzeug. So liefern Drohnen aus der Luft präzise Bilder, helfen, zerstörte Gebiete zu kartieren und Einsätze gezielt zu koordinieren.

Rechtliche und praktische Aspekte zu beachten

Allerdings sind rechtliche und praktische Aspekte zu beachten: Der Einsatz von Drohnen erfordert beispielsweise im Bereich des Truppenübungsplatzes in Meßstetten oder beim Flugplatz Degerfeld entsprechende Genehmigungen, sowie geschultes Personal. Zudem sind Drohnen wetterabhängig und können bei starkem Wind oder Regen nur eingeschränkt fliegen. Während viele Menschen Drohnen am Himmel als Gefahr oder Vorboten neuer Bedrohungen wahrnehmen, sehen Aleyna Durmus, Christian Volk und ihr Team in den Fluggeräten ein Instrument der Hoffnung: ein präzises Werkzeug, mit dem sie Leben retten, Menschen finden und in Krisen schnelle Hilfe leisten können.