Seit Anfang des Jahres ist die neue Rathaus-Struktur offiziell in Kraft. Das treibt die Personalkosten jährlich um 250 000 Euro nach oben, soll sich aber auszahlen.
Die Verwaltung der Stadt Schopfheim richtet sich organisatorisch neu aus: Zum 1. Januar ist das neue Zwei-Dezernate-Modell in Kraft getreten – „Grundlage für eine moderne, leistungsfähige und zukunftsfähige Verwaltung“, heißt es in einer Mitteilung. In einer ersten Bilanz beurteilt Bürgermeister Dirk Harscher die Umstellung gegenüber unserer Zeitung positiv: „Die organisatorischen Änderungen wurden erfolgreich eingeführt und bilden nun die Grundlage dafür, Prozesse klarer zu strukturieren und bestehende Reibungsverluste nachhaltig zu reduzieren.“
Basis der neuen Struktur ist ein 2023 beauftragtes Organisationsgutachten, das die Verwaltung mit externer Begleitung unter die Lupe nahm. Im April 2025 machte der Gemeinderat den Weg für die empfohlene Umstrukturierung einstimmig (bei drei Enthaltungen) frei.
250 000 Euro mehr im Jahr
Dabei hatten die mehrfach diskutierten Pläne bei den Ratsmitgliedern quer durch die Fraktionen durchaus Bauchgrimmen ausgelöst – gehen die von der Stadt beschworenen Vorteile („geringere Reibungsverluste“, „größere Effizienz“, „Ausschöpfen des vorhandenen Potenzials“) doch keineswegs mit finanziellen Einsparungen einher – im Gegenteil: Die Re-Strukturierung erhöht die ohnehin stetig steigenden Personalkosten der Stadt um jährlich eine viertel Million Euro, im ersten Jahr sogar um 335 000 Euro – und das inmitten sich stetig verschärfender Spardebatten.
Für 2026 rechnet die Stadt damit laut Haushaltssatzung mit Personalaufwendungen von 18,3 Millionen Euro, für 2028 sind über 20 Millionen Euro eingeplant. 2023 waren es 15,3 Millionen Euro gewesen.
Man werde genau im Auge behalten, ob die versprochene Effizienz sich auch wirklich einstelle, so der Tenor der Gemeinderäte.
Führungskräfte sollen sich auf „Strategie“ fokussieren
Die Mehrkosten gehen vor allem aufs Konto zusätzlicher Stellen in den Führungsetagen – der Leitung von Fachbereichen und Fachgruppen also. Eben hier aber soll sich die Umstrukturierung inklusive Mehrkosten auch vor allem auszahlen – indem nämlich die Führungskräfte mehr Luft bekommen, um sich Gedanken über eine zukunftsfähige Ausrichtung der Stadt zu machen, so lassen sich die Erklärungen verstehen. Führungskräfte seien bisher „zu stark ins operative Geschäft eingebunden“ gewesen und sollen nun „verstärkt strategisch tätig werden“, argumentierte unter anderem Bürgermeister Dirk Harscher.
Was ändert sich konkret?
Bisher gab es im Schopfheimer Rathaus drei Fachbereiche (FB) mit jeweils drei, beziehungsweise vier Fachgruppen (FG): Im FB I „Bau und Technik“ waren beispielsweise das Gebäudemanagement, Tiefbau und Stadtplanung versammelt, im FB II Zentrale Dienste waren unter anderem die FG „Finanzen und Controlling“ sowie „Personal und Service“ beheimatet. Im FB III „Bürgerservice und Ordnung“ fanden sich unter anderem das Ordnungsamt und die FG „Bürgerservices, Familie und Soziales“.
Zusätzliche Führungsebene, mehr Orga-Einheiten
Neu ist nun eine zusätzliche Führungsebene oberhalb der Fachbereiche eingezogen: zwei sogenannte Dezernate. Dezernat I – Technik wird vom Technischen Beigeordneten Thomas Schmitz geleitet. Das Dezernat II – Zentrales, Soziales und Bürger – wird von Bürgermeister Dirk Harscher geleitet.
In den Ebenen darunter kommt es zur Vermehrung der Orga-Einheiten: Statt der bisher drei Fachbereiche gibt es künftig vier, und statt der bisher zehn Fachgruppen gibt es neu zwölf Fachgruppen.
Zum großen Teil lassen sich hier die bisherigen FBs und FGs erkennen. Teils allerdings werden einzelne Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten neu zugeordnet, teils in neu kreierten Einheiten gefasst. Das betrifft beispielsweise den neuen Fachbereich „Infrastruktur“ im Dezernat I, in dem „Tiefbau und Verkehr“ und die technischen Eigenbetriebe (Bauhof, Abwasser, Versorgungsbetriebe) gebündelt sind.
Unbesetzte Stellen als Problem
Tatsächlich stehen im Dezernat I die meisten strukturellen Neuerungen an. Große Herausforderungen dabei sind allerdings die nicht-besetzten Stellen, die in diesem Fachbereich schon lange ein Problem sind. Auch die neuen Leitungsstellen sind teils noch unbesetzt. „Die vollen positiven Effekte werden sich erst nach deren Besetzung vollständig entfalten können“, dämpft Bürgermeister Harscher die Erwartungen in diesem Zusammenhang vorsorglich.
Auch im Dezernat II, und hier vor allem im FB Bildung, Bürgerservice und Sicherheit wird gründlich umstrukturiert – hier aber ist man schon weit fortgeschritten. „Die größten Anpassungen wurde bereits zum Juli 2025, mit dem Weggang des ehemaligen Fachbereichsleiters umgesetzt“, hält Harscher hier fest. „Diese Veränderungen erfolgten bewusst schrittweise, damit die Mitarbeiter optimal begleitet werden und sich die neuen Abläufe gut einspielen konnten.“
Bürgerfreundlichkeit bleibe ein zentrales Leitmotiv der Umstrukturierung, hält die Stadt abschließend fest: „Das neue Modell soll auch dazu beitragen, Anliegen schneller bearbeiten zu können und Verwaltungsleistungen künftig noch transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten.“ Ein wichtige Rolle spiele dabei die Digitalisierung.