Die Geislinger Katholiken erhalten viel Lob – und 150 000 Euro von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg für die Sanierung der Kirche St. Ulrich. Die Farben im Gotteshaus sollen nach der aufwändigen Restaurierung wieder leuchten.
Ohne die Bänke und die sakralen Gegenstände wirkt das Gotteshaus noch größer als es eh schon ist. Außer dem Altar, dem Ambo, der Marienstatue und dem Kreuz mit dem Christus – beide Figuren sind allerdings verhüllt – steht nichts mehr an seinem angestammten Platz.
Der Chorraum wird von einer großen Hebebühne dominiert, auf der eine Restauratorin seit einigen Tagen in mühevoller Kleinarbeit das mächtige Zollinger-Gewölbe und das Kirchenschiff reinigt. Zusammen mit einer sogenannten „Vergolderin“ verhilft sie diesem zu neuem Glanz verhilft.
Das „Normalvolk“ bekommt davon nichts mit, denn seit Ostern darf das sakrale Gebäude nicht mehr betreten werden. Am Mittwoch wurde aber eine Ausnahme gemacht: Besuch aus Stuttgart hatte sich angekündigt, der zur Freude von Kirchenpfleger Heinrich Kirmeier nicht mit leeren Händen gekommen war.
Der Vorstandsvorsitzende der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, Roland Bürkle, und die Geschäftsführerin der Toto-Lotto-Regionaldirektion Süd, Marina Roßmann, brachten Dekan Pater Augusty Kollamkunnel einen Scheck in Höhe von 150 000 Euro mit. Mit dem Geld wolle man nicht nur zum Erhalt von St. Ulrich beitragen, sondern das „hohe Engagement der Bürgerinnen und Bürger“ begleiten – für Bürkle das Kapital der katholischen Kirchengemeinde, das es zu schützen gelte.
Auch der Architekt Michael Günther sparte nicht mit Lob. So hätten die Kirchengemeinderäte unter anderem beim Ausbau der Bänke und der Heizung geholfen – für Günther ein „außergewöhnlicher Einsatz“ in seiner 30-jährigen Berufstätigkeit.
Dass man im Städtle zusammenhält, wenn es darauf ankommt, ist bekannt. Es aber immer wieder gesagt zu bekommen, erfüllte die anwesenden Kirchengemeinderäte, Lothar Eith vom Förderverein St. Ulrich, Landrat Günther-Martin Pauli und Bürgermeister Oliver Schmid doch mit Stolz.
Da das Geld zu einem großen Teil aus Mitteln der Glücksspirale kommt, richtete auch Roßmann einige Worte an die Gäste. Toto-Lotto leiste einen gesellschaftlichen Beitrag und helfe, das kulturelle Erbe zu bewahren. In Baden-Württemberg, informierte sie, gingen jährlich rund 28 Millionen Euro aus Lotteriemitteln in den Denkmalschutz.
St. Ulrich soll wieder leuchten
Die Unterzeichnung des Vertrags zwischen Stiftung und Kirche, der Pfarrer Jean Jose, Gebietsarchitekt Ralf Schneider vom Bischöflichen Bauamt und Reinhard Eckart vom Landratsamt ebenfalls beiwohnten, nutzte der Architekt, um einen Sachstandsbericht zu geben. Ziel sei es, St. Ulrich zum Leuchten zu bekommen.
Das habe man schon in den 1980er-Jahren erreichen wollen. Nun versuche man, die farblichen Fassungen entsprechend des Befunds aus der Erbauungszeit wiederherzustellen.
Bänke haben ihr ursprüngliches Blau wieder
Die Kirchenbänke strahlen jetzt schon wieder in einem Blau-Ton wie früher. Für Günther ist das „ein beeindruckendes Ergebnis“. Am auffälligsten werden wohl die neue Mittelachse in der Kirche, die liturgisch begründet sei, und der zur „Werktagskapelle“ umgebaute Chor mit separatem Eingang.
Erfahrene Restauratoren nehmen sich außerdem der Epitaphe und weiterer Natursteinelemente an. Arbeiten an den durch Feuchtigkeit geschädigten Sockelbereichen des Kirchenschiffs, an den Fenstern und am Dachstuhl sind ebenfalls vorgesehen.
Bis Weihnachten 2025 soll alles fertig sein
Bis Weihnachten kommenden Jahres soll die Vier-Millionen-Baustelle abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt das kirchliche Leben aber nicht stehen: Gottesdienste finden nach wie vor statt, in der TSV- und in der Schlossparkhalle.
Die „neue“ Kirche wurde 1928 eingeweiht, feiert also in vier Jahren ein rundes Jubiläum. An das Vorgänger-Gotteshaus erinnert heute nicht nur das spätmittelalterliche Chorgewölbe, sondern vor allem der schon von weitem sichtbare Turm, der noch aus dem 15. Jahrhundert stammt.