Markus Heger bei der Arbeit: Der Zimmermeister hat sich auf die Restaurierung alter Gebäude spezialisiert. Foto: Andreas Enkelmann

Zimmermann Markus Heger restauriert am liebsten alte Gebäude. Gerade arbeitet er auf der Solitude.

Markus Heger baut auch neue Häuser. Aber so richtig spannend wird sein Beruf erst, wenn der Zimmermeister einem alten Haus neues Leben einhaucht. Statt von Null anzufangen, müsse man bei einer Sanierung vier bis fünf Züge vorausdenken und wissen, wie die Handwerker früher gearbeitet hätten. „Das ist immer spannend, und man findet immer was.“ Alte Briefe etwa, Bilder oder neue Erkenntnisse.

 

Gerade arbeitet der 49-Jährige auf der Solitude und richtet eines der Kavaliershäuschen dort her. Neueste Erkenntnis: Das dafür verwendete Holz ist geflößt worden. Damit alle Balken beim richtigen der zahlreichen Häuschen landeten, in seinem Fall das mit der Nummer sechs, wurden sie mit einem C markiert. Solche Entdeckungen machen seine Arbeit für den Calwer zu etwas Besonderem. „Außerdem retten wir die Welt, weil wir retten ja Holz, das CO₂ bindet.“

In Hirsau kommt er an Historie nicht vorbei

Vor mehr als 20 Jahren hat sich der Zimmermeister selbstständig gemacht. Für Geschichte hat er sich schon immer interessiert, erzählt Heger. Außerdem stammt er aus Hirsau und hat seinen Betrieb dort. „Automatisch darf man da mal im Kloster schaffen.“ So entschloss sich Markus Heger, eine Zusatzausbildung als Restaurator im Zimmerer-Handwerk zu absolvieren. Baustilkunde, Bauphysik, Fachwerk: Das und mehr hat er dort gelernt. „Alles, was man so braucht, um ein Haus denkmalgerecht zu sanieren.“

Im vergangenen Jahr hat Markus Heger noch einen draufgesetzt und in Fulda den Master Professional für Restaurierung im Handwerk gemacht – in der Propstei Johannesberg, einer Fortbildungseinrichtung für alle, die in der Denkmalpflege und Altbausanierung tätig sind.

Laut Heger handelt es sich bei dem Master-Abschluss um die höchste Qualifikation dieser Art, die es in Deutschland für Handwerker mit dem Fokus auf Restaurierung gibt. Und seines Wissens nach ist einer von nur fünf Zimmerleuten in Baden-Württemberg, die diesen Master haben.

Aus dem Master hat Heger nun ein großes Netzwerk

„Es war anspruchsvoll“, erzählt er – erst recht, weil er weiterhin gearbeitet hat. Und weil er, wie normale Studenten, eine Masterarbeit abliefern musste. Arbeiten und lernen wie an der Hochschule: Das war neu für den Handwerker, der auf Altes spezialisiert ist.

Gleichzeitig habe er ein Riesennetzwerk aufgebaut: Seine Kommilitonen in Fulda kamen aus ganz Deutschland und aus unterschiedlichen Disziplinen, Gipser, Maler, Steinmetze, Schlosser oder Schreiner waren darunter. Dazu gab es unter den Dozenten so manche Koryphäe im Bereich Restaurierung. Wenn er mal nicht weiter weiß auf einer Baustelle, dann weiß Markus Heger jetzt, wen er fragen kann.

Momentan verbringt der Zimmermeister seine Arbeitstage beim Schloss Solitude in Stuttgart. In der Landeshauptstadt hat er auch am Eingangspavillon der Wilhelma, der fünf Jahre lang saniert wurde und Ende April wiedereröffnet wird, mitgearbeitet. Genauso wie an der Renovierung des maroden Mötzingers Kirchturms.

Egal ob Fachwerk von 1465 oder Unterkünfte für den Hofstaat aus dem 18. Jahrhundert: „Jedes Haus ist spannend. Jedes Haus hat Herausforderungen“, findet Markus Heger. Auf die ist er dank seines Masterabschlusses nun noch ein bisschen besser vorbereitet.