Philipp Michielin (links) und Mohammed vom syrischen Restaurant Morgenland stehen an der Theke. Sie schauen gespannt auf die aktuelle Lage in Syrien. Foto: Elena Baur

Syrien steht vor einem Wandel. Diskussionen über eine Ausreise Geflüchteter ist groß. Doch was passiert dann mit dem Restaurant Morgenland, das von syrischen Flüchtlingen betrieben wird? Unsere Redaktion hakte nach, ob eine Rückkehr in Frage kommt.

Syrien – ein Land, dass seit Jahren in Unsicherheit und Krieg lebt. Viele Menschen sind vor der Gefahr aus der zerstörten Heimat geflohen. So auch die Inhaber und syrischen Angestellten im Restaurant Morgenland.

 

Doch nun hat sich die Lage in Syrien verändert. Machthaber Baschar al-Assad wurde gestürzt. Seither liegt eine große Erleichterung, aber auch Unsicherheit über dem Land. Wie es in Syrien weitergeht, das weiß niemand so recht.

Unsere Redaktion erkundigte sich im „Morgenland“ nach der Gefühlslage gegenüber der aktuellen Situation in ihrem Heimatland. Schon beim Betreten des Restaurants fühlt man sich mit einer netten Begrüßung und der gemütlichen Einrichtung mit bequemen Stühlen und Hockern direkt willkommen. Einige Besucher genießen derweil ihr Mittagessen. Doch könnte das bald vielleicht enden?

„Von null wieder anfangen, das ist schwierig“

Denn: Direkt nach dem Sturz des Machthabers wurden auch die Stimmen über eine Ausreise syrischer Geflüchteter groß. Sogar eine Prämie von 1000 Euro für eine Rückkehr in das Heimatland wurde unter den Politikern der verschiedenen Fraktionen im Bundestag stark debattiert. Experten sehen das aber kritisch – die Lage sei noch unsicher. Ist für die Syrer im „Morgenland“ eine Ausreise überhaupt eine Option?

Das Heimweh habe sich durch die aktuelle Lage wieder ein wenig verstärkt, wie Mohammed erzählt. Er ist seit elf Jahren in Deutschland und arbeitet im Morgenland im Service. Er freue sich, dass es bald wieder möglich sei, seine Familie und Freunde im Heimatland zu besuchen. Derzeit warte er aber noch ab. Zu unsicher sei ihm die Situation „ohne eine Regierung und Gesetz“. Bei Besuchen werde es aber auch bleiben. „Von null wieder anfangen, das ist schwierig“, ist sich der Syrer sicher. Deutschland ist nun sein zu Hause.

Große Freude über den Sturz des Machthabers

Und so gehe es den anderen Angestellten, die aus Syrien geflohen sind auch, bestätigt Philipp Michielin. Er ist in der IT tätig und ist hauptsächlich für die Organisation im „Morgenland“ zuständig. Von Personal über Anschaffungen, Social Media und Getränke-Bestellungen. Alle Geflüchteten haben sich über die Zeit hier in Deutschland ein Leben, einen Freundeskreis oder sogar eine Familie aufgebaut. Das wolle keiner von ihnen einfach wegwerfen. Über den Sturz von Baschar al-Assad haben sich trotzdem alle gefreut, berichtet Michielin.

Der Betrieb im Morgenland läuft gut

Außerdem blicken alle Angestellten gemeinsam mit der Inhaberfamilie, Heba Idriss, Abdul Rahim Khalaf, Leen und Abudi, auf die gemeinsame Zeit im Restaurant und ihre Erfolge zurück. „Warum sollte man einen funktionierenden Betrieb verlassen?“, erklärt Michielin den Gedankengang der Mitarbeiter.

Das syrische Restaurant Morgenland ist seit Anfang 2024 am Unteren Marktplatz zu finden. Foto: Elena Baur

Über die Jahre haben sie sich einen gut laufenden Betrieb aufgebaut und sind ein gut integrierter Teil der Gesellschaft, zeigt er auf. Denn: Das Morgenland hat 2018 zunächst als Projekt angefangen. Schnell etablierte sich das Essensangebot in Horb und 2024 konnten sie sogar expandieren. Anfang des vergangen Jahres zogen sie an den Unteren Marktplatz um.

Manchmal komme es zu Reibereien

Allgemein werde die Kultur und das Restaurant in Horb gut aufgenommen und akzeptiert. Doch zwei bis drei Mal kam es auch schon vor, dass Menschen vor den Türen randaliert hätten und es Reibereien gab, sagt Michielin. Die gute Laune lassen sie sich aber nicht vermiesen. Trotzdem geht Mohammed lächelnd ans Telefon und nimmt Reservierungen für den Abend entgegen.

Und bis zum ersten Besuch in der Heimat seit Jahren heißt es: „Vorsichtiges Abwarten, ob es schlimmer wird oder besser“, so Mohammed. Er wünscht sich für sein Heimatland, dass es wieder aufgebaut wird und es den Menschen nach den schlimmen Jahren wieder gut geht.

Vesperkirche

Essensangebot
Am Samstag, 18. Januar, kocht das „Morgenland“ für die Vesperkirche Horb. Bereits im vergangenen Jahr kochte Koch Abdul Rahim Khalaf des syrischen Restaurants für diesen guten Zweck. Nach einer kurzen Skepsis der Gäste sei das Angebot dann sehr gut aufgenommen worden, so Michael Vogelmann von der Caritas und Organisator der Vesperkirche. Welche Leckereien es in diesem Jahr gibt, wird aber nicht verraten. Fest steht nur, dass sich etwa 120 Menschen das Essen genießen können.