Kurios: die vier Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Trossingen und dem „Staatsbahnhof“ ist zwar elektrifiziert, jedoch nicht mit Bahnstrom.
Der Zughalt Trossingen auf der Strecke Villingen-Rottweil liegt eigentlich auf Deißlinger Gemarkung.
Hier fährt der Ringzug, betrieben von einem Zweckverband der drei Landkreise in der Region.
Hier läuft noch alles wie vor über 100 Jahren: Dieselmotoren treiben die Loks an. Moderner wird es dann zwischen dem Bahnhof Trossingen (bei Deißlingen) und dem Bahnhof Stadt an der Bahnhofstraße, denn hier gibt es einen elektrischen Fahrdraht.
Andere Elektrifizierung
Der wird für die älteste noch fahrende elektrische Eisenbahnlok der Welt benötigt, die in Trossingen stationiert ist. Sie schluckt Gleichspannungsstrom mit 600 Volt.
Nun will der Zweckverband Ringzug zusammen mit der Deutschen Bahn durch die Elektrifizierung der Streckenabschnitte Rottweil-Villingen, Immendingen-Tuttlingen und Tuttlingen-Fridingen elektrifizieren und damit klimafreundlicher machen.
Zudem sollen neue Haltepunkte geschaffen werden, für Trossingen beim Freibad Troase, das noch nicht einmal an das Busliniennetz angebunden ist.
Die Bahn benötigt für ihre Züge aber einphasigen Wechselstrom mit 15000 Volt. Damit beide Bahnen, also die vom Zweckverband beauftragte SWEG und die Museumsbahn dort verkehren können, ist eine Umschaltvorrichtung notwendig.
Festhalten an der Notwendigkeit
Der Trossinger Gemeinderat verabschiedete nun eine Resolution, in der festgestellt wird, dass die Stadt weiterhin an der Notwendigkeit der Elektrifizierung festhält, auch wenn dies technisch eine Elektrifizierung mit Wechselstrom und höherer Spannung erfordert.
Hoffnung an das Gesetz
„Es ist der Stadt bewusst, dass damit die älteste betriebsbereite elektrische Eisenbahn der Welt ohne eine Umschalteinrichtung nicht weiter betrieben werden kann“, heißt es in der Stellungnahme.
Die Trossinger knüpfen ihre Hoffnung dabei auf das Allgemeine Eisenbahngesetz (AEG) in dem steht, dass bestehender Schienenverkehr – einschließlich Museumsbahnbetrieb – durch bauliche oder technische Änderungen der Infrastruktur nicht verdrängt werden darf.
Eine Kostenfrage
Jedoch ist noch nicht klar, in welcher Höhe die Bahn ihre zusätzlichen Kosten bei der Stadt Trossingen geltend machen will, deshalb bittet die Stadt darum, dass die Bahn bis zur abschließenden Klärung der Finanzierung zunächst einmal den Betrieb der Museumsbahn und des Abstellgleis am DB-Bahnhof Trossingen (Deißlingen) planerisch berücksichtigen soll.
Die Stadt Trossingen ist bereit, die Kosten für eine erforderliche Umschalteinrichtung im Zweifel selbst zu tragen.
Änderung am Bahnsteig
Vom Einsatz von akkubetriebenen Fahrzeugen auf der Stichstrecke nach Trossingen Stadt hält man wenig, weil man damit vom übrigen Netz abgekoppelt wäre. Bei einer Elektrifizierung der Strecke ist eine Änderung des Ringzug-Bahnsteigs am „Staatsbahnhof“ erforderlich. Die Planungen der Bahn sehen eine Bahnsteiglänge für Züge von 150 Meter Länge vor.
Da am Staatsbahnhof jedoch lediglich Züge mit maximal 75 Meter Länge halten können, sieht die Stadt Trossingen ein erhebliches Einsparpotenzial und empfiehlt, dieses zu nutzen.
Bessere Vermarktung erhofft
Der geplante neue Zughaltepunkt Troase wird vom Gemeinderat befürwortet, damit ließe sich das Freibad touristisch besser vermarkten, auch das Gewerbegebiet Sandbruch wäre gut ans ÖPNV-Netz angeschlossen.
Zudem besteht im Steppach bereits ein großer Parkplatz, sodass der neue Haltepunkt die angespannte Parksituation am Stadtbahnhof entlasten kann.
Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die städtische Umfeldgestaltung des künftigen Haltepunkts Troase mit erheblichen Kosten verbunden ist, spricht sich jedoch ausdrücklich für die Umsetzung aus.
Bis zu 46 Millionen Euro
Auch hier wird von der Bahn ein Bahnsteig für 150 Meter lange Züge geplant, während die Stadtverwaltung für einen kürzeren Bahnsteig (75 Meter) plädiert.
Der Landkreis Tuttlingen soll für die Elektrifizierung und die weiteren Infrastrukturmaßnahmen einen Eigenanteil von 44 bis 46 Millionen Euro tragen. Indirekt zahlt die Stadt Trossingen durch ihre Kreisumlage an den Investitionen mit.
Verschiedene System
Damit sowohl die historische Gleichstrombahn als auch die heute übliche Wechselstrombahn auf dem rund vier Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Trossingen Bahnhof und Trossingen Stadt fahren können, muss die Oberleitung in diesem Abschnitt angepasst werden.
Das macht zunächst den Rückbau und anschließend den Neubau der Oberleitung erforderlich.
Weitere Bahnsteigkante
Eine technisch anspruchsvolle Umschalteinrichtung ermöglicht den Wechsel zwischen den beiden Stromsystemen. Dadurch ermöglicht man Erhalt der geschichtsträchtigen Trossinger Museumsbahn aus dem Jahr 1898.
Auf der Ringzugstrecke soll am Bahnhof Trossingen das Gleis drei verlängert werden, zudem soll für dieses Gleis eine weitere Bahnsteigkante errichtet werden. Zudem ist der Neubau einer Personenunterführung oder einer Personenüberführung vorgesehen