Leni Spannagl hat freie Bahn zum Tor und legt alles in den Wurf. Foto: Spannagl

Leni Spannagl ist 14 Jahre alt und spielt bei der SG Altdorf/Ettenheim. In der Landesauswahl steht sie schon und gibt Einblicke in ihren bisherigen Weg.

Wie wird man eigentlich Handball-Profi? In unserer Region gibt es viele Aktive in dieser Sportart, aber trotzdem sind nur wenige im Leistungssport unterwegs. Denn um dort hinzukommen muss man einiges mitbringen. Meistens beginnt die Laufbahn in einem Verein, in der Nähe des Wohnorts – dem Heimatverein.

 

Doch wenn Handball als Leistungssport betrieben werden möchte und der Verein nicht dafür ausgelegt ist, muss der Weg andernorts fortgesetzt werden. Das ist der erste Schritt Richtung Erfolg. Unsere Autorin hat vieles davon miterleben dürfen und berichtet über ihren bisherigen Weg.

Um es in die Auswahlmannschaft von Baden-Württemberg zu schaffen, sind mehrere Schritte nötig. Zuerst einmal fängt es mit einem Training in dem jeweiligen Bezirk an, dort wird einmal die Woche trainiert. Um zu diesem Bezirkstraining zu kommen, müssen die Vereine auf ihre Spieler aufmerksam machen und sie vorstellen.

Unserer Autorin wurde bereits in der D-Jugend vom Verein zu diesem Training angemeldet, um sich den Auswahltrainern zu zeigen.

Einladung zum Lehrgang bestätigt die Leistung

Das nächste Ziel ist ein Turnier, dass mit der Bezirksauswahl bestritten wird. Es geht als Offenburg-Team gegen die vier anderen Bezirke in Südbaden und in jeder Mannschaft, egal ob Turniersieger oder nicht, werden die fünf besten Spielerinnen bestimmt. Diese Spielerinnen dürfen sich dann dem Landesverband präsentieren.

Wenn die Spielerin diesen Schritt geschafft hat und zum ersten Lehrgang des baden-württembergischen Handballverbands eingeladen wurde, gilt es, sich erneut zu beweisen – denn von 36 dort eingeladenen Spielerinnen werden 15 weitere Sportlerinnen aussortiert.

Auf diesem ersten Lehrgang werden die Fähigkeiten und die individuellen Stärken auf der spielenden Position beobachtet. Durch eine Einladung zum nächsten Lehrgang steht fest, ob der Weg weitergeht. Jedoch gibt es auch eine sogenannte Warteliste, auf der Spielerinnen stehen, die zum Lehrgang dürften, wenn eine eingeladene Spielerin ausfallen sollte. Diese Lehrgänge sind jeden Monat vorgesehen und dauern normalerweise drei Tage mit sechs Trainingseinheiten. In seltenen Fällen wird die Dauer auf nur zwei Tagen und drei Trainingseinheiten verkürzt.

Das Besondere ist, dass keine normalen Trainingseinheiten wie im Verein abgehalten werden, sondern viel mehr auf die einzelnen Spielerinnen geachtet wird. Individuell werden für die jeweilige Position Übungen angeboten.

Bei einer Rückraumspielerin werden vor allem verschiedene Passtechniken auf die Außenposition trainiert und darauf geachtet, wann welcher Pass Sinn ergibt. Aber auch die Kooperation mit dem Kreisläufer und die Absprache werden trainiert. Individuell werden die Wurfvarianten wie der Schlagwurf, Unterarmwurf, Rückraumwurf, das Durchspringen einer Lücke und variable Eins-gegen-Eins-Situationen trainiert. Es kommt auf eine gute Sprungkraft in der Höhe an und es geht darum, entscheiden zu können, ob selbst der Wurf gesucht werden sollte oder es besser ist, die Mitspielerinnen im Raum einzubinden. Eine gute Spielübersicht steht im Fokus und das Abwehrverhalten wird dabei nicht vernachlässigt. Zweikampfverhalten gegen den Ball wird geübt. Abwehrarbeit ist dann erfolgreich, wenn versucht wird, jeden freien Ball zu erobern. Wenn der Gegner den Ball prellt, sollte dieser Moment abgepasst werden, um den Ball „rauszuprellen“. Es geht nicht immer nur gegen den Körper und darum, den Gegner „fest zu machen“.

Natürlich ist das spielerische Herausstechen wichtig, aber auch das Auftreten gegenüber den Mitspielern, den Schiedsrichtern und auch Gegnern wird beachtet. Zu viel Lamentieren, den Kopf hängen lassen und fehlende Rückwärtsbewegung wird nicht gerne gesehen.

Südcamps geben einen Vorgeschmack auf Sichtung

Zwischen den Lehrgängen gibt es ein sogenanntes Südcamp. Dort sind drei Landesverbände mit jeweils 14 Spielerinnen vertreten und diese bekommen einen Vorgeschmack auf die immer im kommenden Jahr anstehende DHB-Sichtung. Danach gibt es weitere Lehrgänge. Dort werden auch spezielle Übungen und Tests für die DHB-Sichtung abgehalten, da der Auswahltrainer sich für 14 Spielerinnen entscheiden muss, die sich dem DHB vorstellen dürfen.

Zur DHB-Sichtung zu kommen ist es nicht einfach, da viel von den Spielerinnen erwartet wird. Die Trainer sagen klar, was gefordert wird, der größte Leistungsdruck kommt aber von einem selbst, findet die Autorin. Der Wille, sich zu verbessern ist groß – aber der Spaß bleibt weiterhin der Antrieb, im Handball weit zu kommen.

So waren die persönlichen Erfahrungen und der bisherige Weg der Autorin im Handballsport. Wie es weiter geht, wird sich bei der DHB-Sichtung Ende Februar zeigen. Schon am morgigen Freitag trifft sich der Jahrgang 2011 zur Vorbereitung auf das große Erlebnis. Vielleicht geht der Weg bis ganz nach oben.