Ein erster Helferstamm und Interessenten trafen sich in der Kreuzstraße 27 zur Vorbereitung des Gechinger Repair-Cafés am 11. Juni ab 14 Uhr. Foto: Tröger

In Gechingen fiel der Startschuss für ein Repair-Café. In der ausgebauten Scheune von Tobias Schlegel in der Kreuzstraße 27 trafen sich die Initiatoren mit einigen Mitstreitern, um den ersten Termin am 11. Juni vorzubereiten.

Gechingen - Recycling, Reparieren, Wiederverwenden und Nachhaltigkeit sind schon lange seine Themen, erzählt Hausherr Schlegel beim Treffen zum offiziellen Start des Repair-Cafés: "Ich bin ein alter Bastler". Sichtbar wird das auch in der alten Auto-Werkstatt hinter der Scheune wie an der Tatsache, dass er die Wohnungen im Wohntrakt des Gebäudes weitgehend in Eigenleistung saniert und renoviert hat. Mit Uli Schöttmer hat er seit Langem einen gleich tickenden Mitstreiter und Bastler. Gemeinsam und jeder für sich haben sie schon oft für Freunde und Bekannte Dinge repariert und wieder zum Laufen gebracht im Sinne der Nachbarschaftshilfe.

Stühle stammen aus aufgegebenen Gasthäusern

So lag es für die beiden quasi auf der Hand, das Repair-Café gleich mitzudenken und die dafür nötige Ausstattung – zuvorderst Platz und Tische zum "Schrauben" und für Werkzeug aller Art – mit einzuplanen, als der Ausbau der Scheune vor rund zwei Jahren konkret wurde. Der Recycling-Gedanke zieht sich ebenfalls durch die Ausstattung der Scheune: Die Stühle um die Tische stammen aus aufgegebenen Gasthäusern, das Bühnenpodest war mal eine Balkonverkleidung. Es gibt eine Küche samt Kaffeemaschine – Bastler und zukünftige "Gäste", also Kunden, im Repair-Café werden das zu schätzen wissen – sowie zwei Toiletten.

"Wir wollen heute das auf eine größere Ebene setzen, was privat bei mir, bei uns schon läuft", sagte Schöttmer, der Erfahrung aus dem elektrotechnischen Bereich und dem Modellbau mitbringt. Er erläuterte den organisatorischen Rahmen fürs Repair-Café. Man hängt sich als lokale Gruppe an www.repaircafe.org/de/, eine aus Holland stammende Plattform an, unter der sich mehr als 2300 Repair-Cafés versammeln.

Auf Basis der Nachbarschaftshilfe

Wenn Kunden ihre reparaturbedürftigen Dinge einmal im Monat in die Kreuzstraße bringen, helfen die Fachleute zu analysieren, was und wie repariert werden kann. Das sollen versierte Kunden unter Anleitung der Fachleute selber machen. Und gemeinsam wird die eventuelle Ersatzteilbeschaffung entschieden. Das Repair-Café agiert ehrenamtlich auf der Basis der Nachbarschaftshilfe, eine Haftung wird ausgeschlossen. Spenden sind explizit erwünscht, weil natürlich echte Kosten entstehen, ob mal der Klebstoff ausgeht oder Kaffee gekauft werden muss. Auch die Nebenkosten der Räumlichkeiten müssen aus den Spenden beglichen werden. Zur Veranstaltung werden Tische, Stühle, Werkzeug und so weiter aufgebaut. Da die Räumlichkeit jedoch auch anderweitig genutzt wird, muss danach auch wieder abgebaut werden, heißt, alles muss mobil sein. Dieser Hinweis richtet sich unter anderem an künftige Helfer, die Werkzeug mitbringen, das vor Ort bleiben kann.

Keine Konkurrenz zu Fachbetrieben

Auch die reparaturbedürftigen Gegenstände müssen selbstredend mobil sein und ins Repair-Café gebracht werden können, "die Waschmaschine fällt da heraus", betonte Schöttmer. Als Beispiele nannte er kleine Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, PC und Drucker, Klein-Mobiliar, Spielzeug, Stoff, Polster, Deko sowie Werkzeug und Handmaschinen. Die Kunden füllen ein Formular zum Haftungsausschluss aus und auf einem Monitoring-Bogen wird der Gegenstand samt Reparaturverlauf erfasst. Schöttmer betonte noch einmal, dass das Repair- Café kein kostenloser Reparaturdienstleister und keine Konkurrenz zu den Elektrikern ist. Es geht ausschließlich um Hilfe zur Selbsthilfe.

Info: Weitere Helfer willkommen

Mit dem vorläufigen Helferteam aus Tobias Schlegel, Uli Schöttmer, Sonja Wiedenmann, Klaus Theurich, Jutta Theurich, Frank Weber, Günter Gräber, David Kuhn und Peter Schulz kann zum ersten Repair-Café-Termin am 11. Juni von 14 bis 17 Uhr alles an Reparaturen angeboten werden, was nach den Erfahrungen aus anderen Repair-Cafés in der Regel nachgefragt wird.

Die Informationen zum Gechinger Repair Café werden in Kürze auf einer eigenen Webseite verfügbar sein. Für Fragen zum ersten Termin steht Uli Schöttmer unter Telefon 0151/59 10 41 55 oder per Mail an usherma@web.de zur Verfügung. Sicher wird dieses neue Angebot auch ein Begegnungs- und Austausch-Ort zum Fachsimpeln über Reparaturen und Wiederverwendung werden. Deshalb sind weitere Mitarbeiter und Helfer mit unterschiedlichster Expertise willkommen, speziell auch für die Bereiche Empfang, Betreuung der Spendenkasse sowie für Kaffee und Kuchen.