Kaffee, Kuchen, Nähen und Schrauben: Das Repair-Café Horb ist eine Institution. 186 Besucher nutzten es im vergangenen Jahr.
Wer kennt nicht die Situation, die ein kleiner Defekt auslösen kann. Plötzlich flackert eine der beiden Lampen im Hausgang und geht kurz darauf ganz aus. Nachkaufen kann man sie nicht mehr, wie man im Baumarkt erfährt. „Das Modell wird schon lange nicht mehr hergestellt“, winkt der Verkäufer bedauernd ab. Also was tun? Die andere Lampe auch abschrauben und zwei neue kaufen oder den Hausflur halt ein bisschen dunkler lassen? Doch hier kommt die dritte und wahrscheinlich beste Variante ins Spiel: Das „Repair-Café Horb“.
Oft ist es nur ein Stück Kabel, das angelötet werden muss, eine kleine Unwucht, die man ausjustieren kann, oder ein Riss, den man mit ein paar Stichen wieder so hinbekommt, damit man das gute Stück weiter im Einsatz halten kann.
Gegen „Wegwerfmentalität“
Ja nichts wegschmeißen, alles was kaputt ist aufbewahren, denn vielleicht kann man es irgendwann wieder als Ersatzteil gebrauchen oder sogar reparieren. Das ist die Grundphilosophie der sparsamen Schwaben, die gerne tüfteln und basteln, um so manch „altes Glomb“ wieder nutzen zu können.
Auf diese Grundhaltung aufbauend und mit dem Gedanken an einen besseren Wirtschaftskreislauf, Ressourcenschonung und der Hilfe zur Selbsthilfe durch ehrenamtliche Experten wurde 2017 das Repair-Café Horb gegründet, dass am vergangenen Donnerstag in sein neuntes Jahr ging.
Eine tolle Idee also, denn wie oft hört und liest man, dass die Hersteller sogenannte Sollbruchstellen in ihre Geräte einbauen, die diese dann nach einer bestimmten Laufzeit einfach stilllegen. Der Fernsehmonteur erzählt dann was von einer neuen Platine, die teurer ist als ein Neugerät und der Herr, der die Spülmaschine reparieren soll, schüttelt nach zwei Stunden vergeblicher Fehlersuche den Kopf, stellt eine saftige Rechnung aus und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.
Doch es müssen nicht immer Großgeräte sein, die kaputt gehen. Das fällt der alte Toaster plötzlich aus, der Fadentransport der Nähmaschine bewegt sich nicht mehr oder das große Loch in der liebgewonnenen Hose, mit der man so prima im Garten arbeiten kann, sollte dringend geflickt werden.
Vieles kann repariert werden
Glücklich die Menschen, die ihr defektes Teil dann ins Repair-Café, das immer am ersten Donnerstag im Monat von 16.30 Uhr bis 19 Uhr seine Türen in der Bruderhauswerkstatt für jedermann öffnet, bringen können, wo es, wenn möglich, für kleines Geld wieder instandgesetzt wird.
186 „Kunden“ kamen im letzten Jahr vorbei. Vielen von ihnen konnte geholfen werden. „Meist bei den etwas älteren Geräten, die noch verschraubt sind und die man öffnen kann“, wusste einer der Experten. „Bei neueren, elektronischen Geräten, lohnt sich eine Reparatur oft nicht“, so der Umkehrschluss aus dieser Erkenntnis.
Dies musste beim ersten Termin 2026 auch eine Dame erfahren, die einen Drucker dabeihatte, und ein Eutinger Ehepaar, das seine Kaffeemaschine repariert haben wollte. Den Drucker bekam man gar nicht auf, das Gehäuse war verschweißt und bei der Kaffeemaschine war die Platine defekt und ein Ersatz hätte mehr gekostet als das Teil noch wert war. Pech gehabt.
Doch in rund 60 Prozent aller Fälle können die ehrenamtlichen Experten helfen. So gingen am Donnerstagnachmittag einige Lampen wieder an, eine bekannte Horberin bekam an ihre nahezu nigelnagelneue Einkaufstasche, die erst 30 Jahre auf dem Buckel hatte, den Henkel wieder angenäht, und das vorbeigebrachte Baustellenradio sorgt zukünftig wieder für flotte Musik und Informationen auf der Baustelle.
Die Damen und Herren im Reparaturteam arbeiten nach dem Motto „Nix ist unmöglich und Wunder werden sofort erledigt“ und setzen ihren Ehrgeiz daran, ihren Kunden ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern und sich daran zu erfreuen, wieder etwas gegen die Wegwerfgesellschaft getan zu haben.
Wie das Repair-Café organisiert ist
Die Organisatoren
: Die Arbeiterwohlfahrt Horb, die Bruderhaus Diakonie, das Bündnis für Familie der Stadt Horb, die Caritas Schwarzwald-Gäu, der Dekanatsausschuss für Kirche, Verbände und Arbeitswelt des Katholischen Dekanats Freudenstadt, die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) und die KAB-Gruppen Nordstetten und Grünmettstetten stiegen mit einem Einsatz von jeweils 100 Euro bei der Gründung am 2. Februar 2017 in das Projekt ein, und die laufenden Kosten werden seither über Spenden, Zuschüsse und dem Spendenschwein gedeckt.
Der Ablauf
: Wer etwas repariert haben möchte, meldete sich am Empfang an, füllt eine Art Laufzettel aus, auf dem steht, um was es sich handelt und dass der Besitzer des Teils auf alle etwaigen Gewährleistungsansprüche, die aus der Reparatur entstehen könnten, verzichtet. Außer es handelt sich um Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit. Zwischen 15 bis 20 Reparaturen sind in den zweieinhalb Stunden, die das „Repair-Café“ an einem Termin offen hat, möglich. Wartezeiten kann man sich, wie in einem richtigen Café, mit einem Kaffee und einem Stück Kuchen versüßen. Die Bezahlung erfolgt auf Spendenbasis.
Die Reparaturkategorien:
Elektrik/Elektronik, Mechanik, Nähen, Fahrrad und Diverses. Entsprechend breit ist der Aufgabenbereich der erfahrenen ehrenamtlichen Helfer.