Beim Streit vor Gericht geht es auch um eine Verfolgung mit dem Auto. (Symbolfoto) Foto: Fotoschlick - stock.adobe.com

Ein Vorfall aus dem Dezember 2020 führte zwei Rentner aus dem Norden des Landkreises ans Amtsgericht nach Oberndorf. Die Beiden schilderten das Geschehen sehr unterschiedlich, das Verfahren wurde schlussendlich eingestellt.

Sulz/Oberndorf - Der 14. Dezember vergangenen Jahres stellte den Höhepunkt einer langjährigen Streitigkeit zwischen zwei Männern aus dem Raum Sulz dar. Wie lange die Beiden schon im Clinch liegen, konnten sie nicht genau beantworten. Der Angeklagte sprach von sieben Jahren, der Kläger schätzte, dass es fünf Jahre seien.

An besagtem Tag hatte der Angeklagte den Kläger mit seinem Auto verfolgt, war mehrfach dicht aufgefahren und hatte ihm die Lichthupe gegeben, ehe es schließlich auf dem Grundstück des Klägers zu einem Zusammenstoß der beiden Autos kam.

Die Details des Vorfalls waren für das Gericht schwer zu erfassen, denn die Aussagen der beiden Beteiligten unterschieden sich teilweise stark. In der Anklage war zunächst von einer halbstündigen Verfolgung auf fast 13 Kilometern Länge die Rede. Später gestand der Kläger ein. "Vielleicht waren es auch nur 15 bis 20 Minuten." Der Angeklagte sprach ohnehin nur von "zwei Dorfrunden". Er verneinte auch den Vorwurf, die Lichthupe benutzt zu haben. Auch bei der Einschätzung der Geschwindigkeiten und des Abstands der Autos wurden vor Gericht unterschiedliche Angaben gemacht.

Auffahrunfall oder nicht?

Der entscheidende Vorfall, der Zusammenstoß der Beiden auf der Wiese des Klägers, wurde ebenfalls in zwei Versionen geschildert. Unklar war, ob der Unfall zustande kam, weil der Angeklagte aufgefahren war, oder ob der Kläger selbst dafür verantwortlich war, weil er den Angeklagten beim Rückwärtsfahren gerammt hatte.

Zwei Polizeibeamte des Oberndorfer Reviers waren im Dezember vor Ort gewesen. Einer war auch zur Verhandlung vor dem Oberndorfer Amtsgericht geladen worden.

Da es sich um ein Privatgrundstück gehandelt hatte, hatten die Beamten keinen Grund gesehen, um einzugreifen.

Auf Nachfrage der Richterin erklärte der Polizeibeamte aber, dass er aufgrund der Positionierung der Autos am Unfallort von einem Verschulden des Klägers ausgehe. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, weswegen das Verfahren letztlich eingestellt und der Angeklagte nicht belangt wurde.

Nicht der erste Vorfall

Die Beteiligten standen bereits zum dritten Mal "gemeinsam" vor Gericht. Immer wieder kommt es beim Aufeinandertreffen im Ort zu Ärger zwischen den Männern, wie aus dem Verfahren hervorging.

Auch bei der Frage der Richterin nach dem Auslöser der Streitigkeiten, gab es wieder einmal unterschiedliche Ansichten. Der Angeklagte gab an, es gebe keinen konkreten Auslöser, und ihm sei unklar, wieso die Fehde überhaupt begonnen habe. Der Kläger, der das Verhältnis der Beiden als "nicht einfach" beschrieb, sah das anders. Seine Wiese sei vor ein paar Jahren durch einen Baggereinsatz des Angeklagten zu einem Acker geworden, seither brodle es zwischen ihnen.

Die Richterin appellierte, nachdem sie das Verfahren eingestellt hatte, in ihren Schlussworten an die Beiden: "Gehen sie sich so gut es geht aus dem Weg, und leben ihr Leben! Das spart viel Stress."