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Rentenperspektive 2040 Stuttgart macht die Rentner arm

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Der Blick in die Zukunft ist ernüchternd: Was ein heute 42-Jähriger an Rente erwarten kann, zeigt eine aktuelle Studie - in unserer Bildergalerie sehen sie einige Rechenbeispiele. Foto: dpa

Stuttgart - Stuttgart ist für Rentner ein teures Pflaster. Zwar werden hier überdurchschnittlich hohe Renten gezahlt. Berücksichtigt man die regionalen Lebenshaltungskosten, sieht das Bild anders aus. Dann zeigt sich, dass sich ein Durchschnittsrentner in Stuttgart weniger leisten kann als ein Durchschnittsrentner in Westdeutschland. Das wird auch in 25 Jahren noch so sein, wie eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) jetzt prognostiziert .

Doch Durchschnittsrenten sind wenig aussagekräftig. Prognos hat deshalb für den Geburtsjahrgang 1973 sechs typische Berufe der Region Stuttgart ausgewählt und diesen typische Erwerbsbiografien zugrunde gelegt. Die Forscher haben untersucht, wo es sich damit als Rentner im Jahr 2040 am besten leben lässt. Dabei haben sie einen für Rentner typischen Warenkorb unterstellt. Die Ergebnisse sollen ein realistisches Bild der zukünftigen Rente zeigen.

Hier gibt es etwa den Elektroinstallateur ohne Kinder, der nach Schule und Ausbildung Zivildienst leistet, eine Arbeit findet, Ende 30 und Mitte 50 eine kurze Zeit arbeitslos ist, und dann mit 65 Jahren in Rente geht.

In Göppingen gibt es mehr fürs Geld

Dieser Elektroinstallateur kann in Stuttgart mit 1469 Euro Rente (umgerechnet in Preisen von 2014) rechnen. Prognos zufolge wird die Rente in der Landeshauptstadt aber nur eine Kaufkraft von 1298 Euro haben. Da kommt er im Umland besser weg. In Göppingen lebt der Elektroinstallateur von seiner Rente gemessen an der Kaufkraft mit 1479 Euro am besten. Dort, am Rande der Region Stuttgart, bekommt er mehr fürs Geld. In Esslingen liegt die Rentenkaufkraft bei 1389 Euro, in Ludwigsburg bei 1395, im Rems-Murr-Kreis bei 1433 und in Böblingen bei 1411 Euro.

Wichtig zu berücksichtigen ist: Bei den von den Forschern prognostizierten Rentenbeträgen handelt es sich um Bruttorenten – also vor Steuerabzug.

Ein typischer Beruf mit einer typischen Erwerbsbiografie ist auch die Verkäuferin mit zwei Kindern, die nach einer kurzen beruflichen Ausbildung mit 20 Jahren ins Berufsleben eintritt und bis zu ihrem 27. Lebensjahr einen langsamen Gehaltsanstieg erlebt. Bis zu ihrem 33. Lebensjahr folgen die Geburt zweier Kinder und Zeiten der Erziehung und Teilzeitarbeit. Mit Ende 50 geht sie in Teilzeit und nach 45 Arbeitsjahren geht sie in Rente. Lebt die Verkäuferin in Stuttgart wird sie in 25 Jahren 1103 Euro Rente beziehen (umgerechnet in Preisen von 2014). Legt man die regionalen Lebenshaltungskosten zugrunde liegt die Rentenkaufkraft in Stuttgart bei 975 Euro, in Esslingen bei 1044 Euro, in Ludwigsburg bei 1046 Euro, im Rems-Murr-Kreis bei 1075 Euro, in Göppingen bei 1112 Euro und in Böblingen bei 1057 Euro.

Erhebliches Rentengefälle

Die Prognos-Studie, die solche berufsspezifischen Berechnungen deutschlandweit vorgenommen hat, lässt ein erhebliches Rentengefälle zwischen unterschiedlichen Berufen und zwischen verschiedenen Regionen erkennen. „Es sollte ein Anstoß für die Politik aber auch für jeden Einzelnen sein, bei der Altersvorsorge der Zukunft noch einmal genauer hinzuschauen“, sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. „Man sieht, wie berufliche Auszeiten, längere Erziehungszeiten oder Teilzeit später die Rente drücken. Gerade bei Geringverdienern ist das ein echtes Armutsrisiko im Alter.“

Bei der gesetzlichen Rente wirken sich 2040 die Einschnitte aus, die mit den weitreichenden Reformen der Jahre 2011 bis 2007 eingeleitet wurden. Auch deshalb ist in den Beispielrechnungen der Abstand zwischen dem durchschnittlichen Monatseinkommen der letzten fünf Erwerbsjahre und der Monatsrente so groß. Die gesetzliche Rente ist bei den meisten Deutschen „der Kern ihrer Altersvorsorge“, so Erdland. „Und eine gute Vorsorge ist in Zukunft wichtiger denn je.“

Die Niedrigzinsen treffen die Ersparnisse der Deutschen mit Wucht. Um bei Geringverdienern das Armutsrisiko im Alter zu verringern, fordert die Versicherungswirtschaft seit langem eine Verbesserung der staatlich geförderten Riester-Rente. Die Fördersätze für Riester sind in den vergangenen zehn Jahren nicht angehoben worden. Und die Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung bestrafe die Vorsorge.

Die Lebenserwartung steigt

Mit dem, was die Menschen selbst fürs Alter ansparen, müssen sie oft länger auskommen als sie denken. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen bei 87,4 und bei Männern bei 82,2 Jahren. In beiden Fällen sind das sieben Jahre mehr als die Menschen tatsächlich erwarten. Das zeigt eine Umfrage des Münchener Max-Planck-Instituts für Sozialpolitik. „Jede Form des Vermögensaufbaus kann später als Altersvorsorge dienen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wer sich für die Immobilie entschieden habe, für den sei es oft vorteilhaft, die Entschuldung schneller voranzutreiben.

Die Lebenserwartung steigt jedes Jahr um drei Monate. „Diese Entwicklung wird sich fortsetzen“, sagt Björn Schumacher, Molekularbiologe und Alternsforscher an der Universität Köln. „Wer heute geboren wird, hat sehr, sehr gute Aussichten 100 Jahre alt zu werden.“

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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