Neu verputzt ist der Turm der Johanneskirche. Foto: Günther

Es gibt keinen keinen Balken, der nicht restauriert und keine Wand, die in der Lombacher Johanneskirche nicht frisch gestrichen wurde. Und das zu einem großen Teil von freiwilligen Helfern. 17 Handwerker waren aber auch beteiligt, zum Beispiel als es darum ging, den kompletten Kirchenboden anzuheben.

Loßburg-Lombach - Ein Teil der Renovierungsarbeiten an der Johanneskirche wurde bereits 1939 geplant: Wie alte Baupläne belegen, sollte damals ein Windfang an das Kirchenschiff gebaut werden. Durch den Krieg rückten die Pläne in den Hintergrund – bis jetzt. Über die Notwendigkeit der Renovierung herrschte im Kirchengemeinderat Einigkeit. 2015 habe eine Baubegehung ergeben, dass viele kleinere Sanierungsarbeiten nötig sind, so Andrea Bolz, zweite Vorsitzende des Lombacher Kirchengemeinderates. Für den Rat stand fest: "Dann machen wir es gleich richtig".

Die Liste ist lang: Die Heizung musste erneuert werden. "Die hat uns im Winter oft im Stich gelassen hat", erinnert sich Bolz. Schwer war auch der Kampf gegen den Holzwurm, der nicht nur in den Bänken, sondern auch im Gebälk und auf der Empore Schäden angerichtet hatte. Eine Fachfirma musste ihn bekämpfen. Die im Laufe der Jahre grau gewordenen Kirchenwände sind außerdem neu gestrichen. Zuvor mussten Ehrenamtliche den Grauschleier von Fahrgerüsten aus mit großen Schwammradierern entfernen.

Der gesamte Fußboden wurde angehoben, um eine Ebene zu schaffen

Die Arbeit unter Pandemiebedingungen erschwerte deren Einsatz sehr, wie Bolz berichtet. Dennoch seien die vielen Ehrenamtlichen "mit großer Motivation und Geschick" bei der Arbeit gewesen, freut sich Pfarrerin Regina Stierlen. In Eigenleistung wurden auch die Bänke aus- und später wieder eingebaut sowie die neuen Pflastersteine verlegt.

Für die restlichen Arbeiten waren insgesamt 17 verschiedene Handwerker tätig. Die gesamte Beleuchtungsanlage wurde erfolgreich erneuert. "Die Beleuchtungssituation hat sich sehr verbessert, vorher war es viel dunkler", freuen sich Bolz und Stierlen.

Investiert hat die Kirche auch in neue Übertragungstechnik mit Beamer und Lautsprechern, in eine Induktionsschleife für Hörbehinderte sowie in eine automatische Fensterlüftung. Längst überfällig war auch eine neue Einrichtung der Sakristei. Dort gibt es nun einen Wasseranschluss.

Besonders aufwendig waren die Arbeiten am Fußboden: Um endlich die gesamte Kirchenlänge – ohne Stufen und Absätze – auf eine Ebene zu bringen, musste der gesamte Fußboden angehoben werden. Der Feuchtigkeit wegen haben die Handwerker die Sandsteinplatten im Mittelgang erneuert. Im Kirchenschiff, so berichtet Pfarrerin Stierlen, können Gottesdienstbesucher nun mit Rollstuhl oder Kinderwagen bis zum Altar fahren. Und nicht nur das: Auch der Eingangsbereich der Johanneskirche ist jetzt barrierefrei. Der neue vorgebaute Windfang ermöglicht einen trockenen Zugang zur Johanneskirche. Weiter ging es mit den Außenarbeiten: Der Kirchturm wurde neu verputzt, einzelne Eckquader neu verfugt und die Außenbeleuchtung erneuert.

Für die gute Zusammenarbeit lobte Pfarrerin Stierlen den Lombacher Ortsvorsteher und den Architekt Klaus Jürgen Gall, der "die ganze Renovierung leitete, den Anbau entwarf und die Handwerker koordinierte". Die feierliche Eröffnung ist am 11. Juli mit einem Tag der offenen Kirche und einem Festgottesdienst geplant.

Als die Uhr auf dem Turm noch von Hand aufgezogen wurde

Der ehemalige Lombacher Ortsvorsteher Hans Burkhardt hat anlässlich der Renovierung Anekdoten zur Johanneskirche gesammelt: Von 1909 bis 1915 war Pfarrer Dörr in Lombach tätig. Er war mit Heimatdichter und Pfarrer Heinrich Hansjakob befreundet. Oft habe man die beiden Geistlichen in den Lombacher Wirtschaften angetroffen, was dem strengen Dekan gar nicht gefiel. Daraufhin habe dieser seinem Pfarrer zur Strafe aufgetragen, zu dem auf der Kanzel von ihm deponierten Blatt spontan eine Predigt zu halten. "Als Pfarrer Dörr auf der Kanzel stand, bemerkte er zu seiner Bestürzung, dass der Dekan dort lediglich ein leeres Blatt deponiert hatte", erzählte Burkhardt. Es sei überliefert, dass Pfarrer Dörr daraufhin über das Thema "Aus dem Nichts ist die Welt entstanden" predigte.

"Über Lombach hatte Hansjakob übrigens seine eigene Meinung: Zwar würden da, so der Geistliche, lauter brave Leute leben." Aber der Ort habe ihn an eine Mulde erinnert und die Kirche an einen Schafstall, habe der konvertierte Katholik geurteilt, der von Haus aus üppige und goldverzierte Gotteshäuser gewohnt war.

Heute dagegen loben andere Besucher die schlichte und doch eindrucksvolle Lombacher Kirche, so der Ortsvorsteher.

Auch, dass die früheren Mesner der Johanneskirche stark gefordert waren, weiß Burkhardt zu berichten: Früher sei alles umständlicher gewesen. So wurden pro Gottesdienst neben dem Mesner weitere vier Personen gebraucht. An den drei Glocken mussten sie an den Seilen ziehen. Eine weitere Person war mit dem Orgeltreten beschäftigt. "Oft funktionierte die alte pneumatisch betriebene Kirchenorgel trotzdem nicht. Störungen entstanden auch durch die hohe Luftfeuchtigkeit in der Kirche." Mit der Kirchenuhr habe der Kirchendiener viel Arbeit gehabt. Das Uhrwerk befand sich auf halber Höhe des Kirchturms. Tagtäglich musste er eine Leiter hinaufsteigen und die Uhr von Hand aufziehen.

Die Johanneskirche kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie im Jahr 1348, damals als Filialkirche von Oberiflingen. Im Jahr 1561 bekam sie eine erste eigene evangelische Pfarrei.

Nach dem verheerenden Brand im Jahr 1651 wurde die Johanneskirche zügig wieder aufgebaut und etwa 50 Jahre später erweitert. Im Jahr 1839 erhielt die Johanneskirche die erste eigene Orgel und seit 1947 schmückt ein von Professor Albert Braun gestaltetes Bildfries über das Leben Jesu die Emporebrüstung. Wenige Jahre später wurde das kunstgeschichtlich bedeutende Fresko "Christus mit der Weltkugel" aufwendig restauriert. Seit 1968 wird Lombach vom gemeinsamen Pfarramt Wittendorf-Lombach aus seelsorgerlich betreut, beide Kirchengemeinden sind weiterhin selbstständig. Seit 2012 ist Regina Stierlen Pfarrerin von Lombach und Wittendorf.

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