Unser Autor, großer Formel-1-Fan, schreibt über fehlende Motorsport-Begeisterung – und was man vielleicht vor Ort dagegen tun kann.
Als Formel-1-Fan hat man es heutzutage nicht leicht. Seine Helden live zu sehen ist fast unmöglich, doch noch schwerer ist es, Mitmenschen zu finden, die die gleiche Begeisterung für die Königsklasse des Motorsports zeigen. „Früher habe ich jeden Sonntag zugeschaut, aber inzwischen finde ich es langweilig und es kommt ja gar nicht mehr im Fernsehen“, ist die Standard-Antwort, die ich zu hören bekomme, wenn ich vom neuesten Grand Prix schwärme. Und jedes Mal blutet mir das Herz.
Ich verstehe die Nostalgie beim Gedanken an das unschlagbare Kommentatoren-Duo Heiko Wasser und Christian Danner, Reporter Kai Ebel in seinen schrägen Outfits und natürlich die Werbung für eine Biermarke aus dem Siegerland sehr gut. Doch genauso ärgert es mich, dass niemand mehr bereit zu sein scheint, Dingen eine neue Chance zu geben, nur weil sie „nicht mehr so sind wie früher“.
Ich erkenne darin ein generelles Problem heutzutage: Menschen jammern lieber und halten an Bekanntem fest, anstatt sich Zeit zu nehmen und neu zu orientieren. Dabei kann es sich lohnen! Als vor fünf Jahren – während Corona – meine Liebe zur Formel 1 neu entflammte, hätte ich mir nie träumen lassen, dass mein Lieblingsfahrer, Lando Norris, einmal kurz vor dem Gewinn des WM-Titels stehen würde – und ich so viel Spaß beim Schauen habe. Über Fußball spricht, echauffiert und stichelt noch jeder. Die Motorsport-Begeisterung kann ich leider kaum mit jemandem teilen.
Rennaction im Kinosaal war grandios
Am nächsten dran war ich im Sommer. Da lief der Formel-1-Film im Lahrer Kino auf der Leinwand und so schwach die Story auch war – die Rennaction gemeinsam mit anderen im großen Kinosaal zu erleben, hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Sofort entstand bei mir die Idee: Warum nicht regelmäßig echte Formel-1-Rennen als Public Viewing im Kino übertragen? So kämen auch Menschen ohne Bezahlfernsehen in den Motorsport-Genuss – und die Kinosäle wären vielleicht mal wieder voll.
Bis es so weit ist, werde ich meinen Fahrer eben weiter von der Couch aus anfeuern und bangen, dass Lando Norris den WM-Titel nach Hause fährt. Und wenn nicht, stichelt wenigstens auch niemand.