Zurück zur Natur – diese Richtung schlägt die Kötach nach und nach ein.
Die Renaturierung eines begradigten und naturfernen Gewässerabschnitts erläuterte die im Gemeindeverwaltungsverband tätige Diplom-Biologin Stefany Lambotte entlang der Kötach.
Organisator der Exkursion war der Baarverein, dessen Vorstandsmitglied Harald Ketterer von der Besucherresonanz auf die Tour unter dem Motto „Kötach aus altem Bachbett befreit“ überrascht war.
Ein Abschnitt von 1000 Metern
Detailliert ging Lambotte auf die Entwicklungsmaßnahmen auf dem rund 1000 Meter langen Gewässerabschnitt zwischen der Höhe Kläranlage, Unterbaldinger Niederwiesensee und an der Gemarkungsgrenze zum Landkreis Tuttlingen ein. Lambotte begleitet im Auftrag der Stadt das vom Planungsbüro Kapfer umgesetzte Entwicklungsprojekt entlang der Kötach von Anfang an.
Zu Beginn der Exkursion ging Lambotte auf die Schwierigkeiten ein, die sich aus der Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie ergeben, bis 2027 alle notwendigen Voraussetzungen umzusetzen, die für einen guten ökologischen Zustand der Gewässer erforderlich sind. „Auf diesem Gewässerabschnitt hatten wir das Glück, dass das meiste Land entlang der Kötach in städtischem Besitz ist. Das ersparte uns zeitrauende Grundstücksverhandlungen.“ Auch die Kosten der für mehrere hunderttausend Euro umgesetzten Renaturierung waren im Hinblick auf eine Förderung von 85 Prozent nie ein Problem.
So ändert das Wasser seine Richtung
Lambotte erläuterte wie der einst begradigte Bachlauf in einen mäandernden Fluss umgestaltet wurde. Vereinzelte Strukturelemente aus Holz sorgen dafür, dass die Fließgeschwindigkeit gebrochen wird und der Wasserlauf im Bachbett eine andere Richtung nimmt. „Ziel war es möglichst vielen Organismen einen neuen Lebensraum zu bieten und deren natürliche Entwicklung zu fördern.“
Der mäandrierende Fluss mit naturnah gestalteten Uferrandstreifen minimiert aufgrund veränderter Fließgeschwindigkeiten zudem die Hochwassergefahr. Lambotte ging auf die Bedeutung der Bepflanzung der Uferrandstreifen mit Bäumen und Weiden ein. Sei sorgen nach wenigen Jahren für eine Beschattung des Gewässersund bieten den Lebewesen in den Sommermonaten Schutz vor heißen Temperaturen.
Überraschung beim Abfischen
Im Gewässerrandsteifen fünf Meter beidseitig des Ufers ist der Einsatz von Dünger und Chemikalien verboten. In Zusammenhang mit der Renaturierung verwies Lambotte zudem auf die wieder ansteigende Vielfalt an Insekten und Pflanzen.
Eine Überraschung gab es während des Elektroabfischens durch den Angelsportverein, das vor Beginn der Renaturierung einen guten Überblick über die im Gewässer vorhanden Wasserfauna lieferte: Der Bitterling der gerne in Symbiose mit Muscheln lebt, war in großer Anzahl vorhanden.
Entsprechende Funde von Muschelschalen in der Kötach geben nach dem Wiederbesatz mit den Fischen nun Anlass zur Hoffnung, dass sich infolge der Renaturierung wieder eine vielfältige Muschelpopulation bildet. Lambotte ist zuversichtlich, dass sich die Maßnahmen positiv auswirken und wird die weitere Entwicklung der Kötach in Zukunft begleiten.