Fernseh-Anwalt Ingo Lenßen verteidigt den 25-jährigen Mann aus Bisingen. Foto: Reich

25-Jähriger soll am Versuch beteiligt gewesen sein, fast 80 Kilo Marihuana zu verkaufen. Hausmeister alarmiert Polizei.

Fast 80 Kilogramm Marihuana hat die Polizei im Dezember vergangenen Jahres im Bisinger Industriegebiet "Hinter Stöck" beschlagnahmt – so viel wie noch nie zuvor im Zollernalbkreis. Seit Montag steht deshalb ein 25-jähriger Mann vor dem Hechinger Landgericht. Und wirkt dabei nicht wirklich abgezockt.

Bisingen/Hechingen - Es war keine gewöhnliche Nacht, an diesem Donnerstag, 5. Dezember 2019, in Bisingen: Polizeifahrzeuge rasten durch das Dorf, ein Hubschrauber zog immer wieder seine Kreise. Grund war ein geplatzter Drogen-Deal, der jetzt das Hechinger Landgericht beschäftigt.

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Vor dem Richter steht ein 25-jähriger Bisinger. Er ist als Fünfjähriger mit seiner Familie an den Fuß des Hohenzollerns gezogen, hat bis er sieben Jahre alt war den Kindergarten besucht, schließlich die Hauptschule absolviert.

Früh haben Drogen eine Rolle in seinem Leben gespielt, doch: "Ich rauche seit fünf Jahren sehr viel", wie er vor dem Hechinger Schöffengericht einräumt. Das entging auch einem Lastwagenfahrer nicht, der den Lagerleiter ab und an in einer Firma in einem Bisinger Gewerbegebiet belieferte. Der schlug dem jungen Mann einen Deal vor: Der Lastwagenfahrer würde dort an einen Kunden eine große Menge Cannabis übergeben. Der Bisinger sollte ihm dafür die Lagerhalle des Betriebs, in dem er arbeitete, zur Verfügung stellen. Dafür wurde ihm ein halbes Kilo Gras versprochen.

Per Mobiltelefon instruiert

In der Nacht auf den 5. Dezember vergangenen Jahres war es dann so weit: Der 25-Jährige wurde per Mobiltelefon instruiert und öffnete morgens um 4 Uhr die Lagerhalle, um einen Lastwagen und einen silbernen Passat mit Frankfurter Kennzeichen in Empfang zu nehmen.

Was er nicht bedacht hatte war, dass das zu diesem Zeitpunkt unübliche Deaktivieren der Alarmanlage der Halle den Hauswart auf den Plan rief. Der informierte routinemäßig die Polizei.

Passat war mit Drogen beladen

Die angerückte Streife wunderte sich, dass ihnen um diese Uhrzeit jemand aufmachte. Sie wunderte sich noch mehr, als der jetzt Angeklagte schnell ein Metalltor zu dem Nebenraum – in dem der mittlerweile halb voll mit Drogen beladene Passat stand – schließen wollte, und zu guter Letzt noch zwei Männer, die sich zu dem Fahrzeug begeben hatten, Fersengeld gaben.

Während die Polizisten den beiden Flüchtigen hinterher eilten, beschloss der junge Bisinger, dass auch für ihn die Luft zu dünn würde: Er floh. Ein halbes Jahr später wurde der bundesweit Gesuchte in Pforzheim festgenommen.

Nun steht er wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln vor den Hechinger Richtern. Verteidigt wird er vom Fernseh-Anwalt Ingo Lenßen, der beteuert: "Mir geht es in meinem Beruf nicht ums Geld."

 Am Donnerstag, 19. November, geht der Prozess um 9 Uhr im Hechinger Landgericht weiter.

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