Die Wahlurne in Haltingen wird ausgeleert. Foto: zVg/Wahlvorstand

Während in einem Stadtteil die AfD als Wahlsieger aus der Landtagswahl hervorgeht, erzielen in einem anderen die Grünen ein Rekordergebnis.

Bei näherer Betrachtung des Wahlergebnisses lassen sich in Weil am Rhein einige Besonderheiten feststellen.

 

So unterscheidet sich das Abstimmungsverhalten in den einzelnen Weiler Stadtteilen teils deutlich voneinander.

Eine Sonderrolle spielt dabei der dicht besiedelte Stadtteil Friedlingen, wo früher die Weiler Industrie ihren Sitz hatte.

In dem „Multi-Kulti-Stadtteil“ Weils, direkt an der Schweizer und der französischen Grenze gelegen, geht die AfD als klarer Wahlgewinner aus der Landtagswahl hervor.

AfD ist Stadtteilsieger

Mit 33,4 Prozent der Zweitstimmen in Friedlingen lässt sie die auf Landesebene siegreichen Grünen (24,8) und die CDU (16,4 Prozent) weit hinter sich. Allerdings: Auch die SPD schneidet in Friedlingen mit 10,9 Prozent der Zweitstimmen (Erststimmen: 13 Prozent) im Vergleich mit dem Landesschnitt besser ab.

Auch im Bereich der Leopoldshöhe ist die AfD recht stark. (25,1 Erststimmen/23,9 Prozent Zweitstimmen) Bei den Erststimmen trennen sie dort sogar nur 2,2 Prozent von den siegreichen Grünen. CDU (20) und SPD, wenn auch diese mit vergleichsweise beachtlichen 11,6 Prozent, landen weit abgeschlagen.

Die Weiler waren sich bei der Wahl ihrer Sache sicher. Es gab im Vergleich zu anderen Gemeinden wenig Stimmensplitting. Foto: Beatrice Ehrlich

Im Teilort Märkt trennen die AfD (23,5 Prozent) nur 0,6 Prozentpunkte von der zweitplatzierten CDU (24,1) bei den Erststimmen, bei den Zweitstimmen ist der Abstand nur geringfügig größer. Auch wenn sich Oberbürgermeisterin Diana Stöcker in einem ersten Statement nach der Wahl über eine mit 58,9 Prozent höhere Wahlbeteiligung als bei den vergangenen Wahlen freute – Weil am Rhein liegt damit sowohl unter den Wahlkreis- (65,5) als auch unter dem Landesdurchschnitt (69,6).

Jeder fünfte wählt per Brief

Auffallend hoch ist auch bei dieser Wahl wieder der Anteil an Briefwählern, die ihre Stimme teils weit im Voraus abgegeben haben. In Haltingen lag ihr Anteil nach Angaben des dortigen Wahlvorstand am Wahltag bei fast einem Drittel der Wähler. Die Beobachtung bestätigt Stadtsprecher Bähr auf Nachfrage: 4439 wählten per Brief und damit 22 Prozent der Wahlberechtigten. Am meisten Wahlscheine wurden laut Bähr in Haltingen im Bezirk 604 mit 450 ausgestellt.

In Stadtteil Otterbach erzielten die Grünen mit 40 Prozent der Erst- und 48 Prozent der Zweitstimmen ein Ergebnis wie sonst zumeist nur in Großstädten. Überdurchschnittlich schnitten die Grünen außerdem bei der Briefwahl ab.

FDP im Sinkflug

Besonders schlecht erging es der FDP: Mit lediglich 4,4 Prozent der Stimmen landesweit blieb sie dieses Mal unter der 5-Prozent-Hürde und zieht somit nicht in den Landtag ein. In Weil am Rhein, wo die FDP bei der Landtagswahl 2021 noch stattliche 10,3 Prozent erreicht hatte, spiegelt sich das desaströse Ergebnis in fast allen Stadtteilen wider. Mit ganzen 1,2 Prozent Stimmenanteil bei den Zweitstimmen ist in Friedlingen der Tiefpunkt erreicht. Einzig und allein die Ötlinger Wähler würden die FDP in den Landtag schicken wollen. Dort beträgt der Stimmenanteil 6,9 Prozent.

Ein freundliches Lächeln im Wahllokal: 172 Wahlhelfer waren laut Stadtsprecher Mirko Bähr am Sonntag bei der Landtagswahl in Weil am Rhein im Einsatz. Foto: Beatrice Ehrlich

Bei dieser Landtagswahl waren in Baden-Württemberg erstmals zwei Stimmen abzugeben. Um einen Favoriten zum Ministerpräsidenten zu unterstützen, war bisher die Stimme für den Wahlkreiskandidaten von dessen Partei ausschlaggebend. Dies hat sich nun geändert. Das sogenannte „Stimmensplitting“ ist nun möglich. Die Wähler konnten also mit ihrer Zweitstimme ihren Favoriten für das Amt des Ministerpräsidenten wählen, mit der Erststimme aber dem Kandidaten einer anderen Partei ihr Vertrauen aussprechen.

Wenig Stimmensplitting

Dies hat sich auch auf die Wahlergebnisse in Weil am Rhein ausgewirkt, wenn auch nicht allzu sehr. So fiel bei der SPD der Zweitstimmen-Anteil zwar wie andernorts zum Teil niedriger aus als die Unterstützung für den Direktkandidaten, bei den Grünen war es, in kleinem Maße, umgekehrt. Nur wenige Abweichungen zwischen Erst- und Zweitstimmen gab es bei der AfD und bei der CDU.