Die Stadt steht ganz im Zeichen des Reitsports: Ein Springreiter hat beim Reitturnier auf vieles zu achten. Profi-Sportlerin Paweena Wernke verrät, worauf es ankommt.
Die Pferde sind los. Das Donaueschinger Reitturnier geht mit einem neuen Veranstalter in seine mittlerweile 70. Auflage.
Und mit dabei im Reitstadion im Schlosspark die 34-jährige Springreiterin Paweena Wernke, die selbst an den Start geht und im Februar das Championat von Neumünster gewonnen hat.
Es sind Feinheiten, auf die Reiter und Pferd beim Wettbewerb zu achten haben. Und wie so oft: Es steckt wesentlich mehr dahinter, als man mit bloßem Auge zu erkennen glaubt.
Erster Oxer noch leicht
„Das erste Hindernis ist nicht sonderlich schwierig. Wichtig ist es allerdings, als Reiter zu versuchen, den Rhythmus zu halten und zu sehen, dass der zweite Sprung auf einen zukommt“, erklärt sie. So werde das Pferd schon vor dem Hindernis für das darauf folgende in Position gebracht. Die Hindernisse werden im Reiter-Fachjargon als Oxer bezeichnet.
Beim Parcours seien nicht nur die Hindernisse zu beachten, sondern auch das Gefälle. Obwohl das auf den ersten Blick nicht erkennbar sei – das gebe es. Wenn auch nicht gravierend, es wirke sich dennoch auf Pferd und Reiter aus: „Das Gesetz des Platzes spielt eine Rolle“, erklärt Wernke und zeigt auf einen Bereich, „hier fällt er ein bisschen ab“. Das bedeute: „Das Pferd kommt hier auch mehr in Wallung.“ Das müsse der Reiter oder die Reiterin berücksichtigen.
Wernke mag die Natur
Wernke selbst mag das: „Es ist nicht alles gleich. Das ist die Natur – und sie ist schön.“ Das hat jedoch auch zur Folge, dass manche Hindernisse entsprechend ausgeglichen werden müssen, weil eventuell eine Stange zu weit oben hängt. Das komme jedoch auch vor – und sei bei einem Gefälle nicht zu erkennen. Und dabei spiele natürlich auch das Pferdewohl eine Rolle: „Sie sind der Partner auf dem Parcours. Sind sie nicht fit oder unglücklich, dann klappt es nicht.“
Wie die Sportlerin erklärt, gebe es für die Strecke auch so etwas wie eine Ideallinie: „Die Parcoursbauer gehen sie davor mit einer Art Maßband ab. Das wird dann die spätere Strecke für den Wettbewerb, an der sich auch die Zeitabnahme und die Punktevergabe orientieren.“
Ein guter Parcoursbauer achte bei der Gestaltung auf Unterschiede bei Hindernissen, „die Pferde auf verschiedene Arten fordern“, so die Sportlerin. Spannend beim Wettbewerb sei ebenso die Werbebande mit den LED-Bannern. Auch das habe Auswirkungen auf die Tiere: „Der neunte Oxer geht auf die Bande zu. Hier könnte es sein, dass ein jüngeres Pferd ein bisschen wegrollt. Ein älteres hat da kein Problem – es hat die Werbung vermutlich schon mal gesehen“, scherzt Wernke. Auch wichtig: ein guter Boden. Und wie ist der in Donaueschingen? „Der Boden ist super“, sagt Wernke.
Für einen ’Eschinger Pflicht
„Es ist spannend, was das alles auf dem Platz für eine Bedeutung hat“, findet der Donaueschinger Gerhard Böhme. Sein erster Besuch auf dem Reitturnier liegt schon etliche Jahre zurück: „So Ende der 1950er Jahre“, schätzt er. Als Kind sei er mit den Eltern immer hier gewesen, auch mit der Schulklasse: „Für einen Eschinger war das Pflicht“, sagt Böhme. Der diesjährige Besuch sei für ihn seit langer Zeit wieder das erste Mal. Früher haben französische Soldaten neben den Oxern gestanden und die Stangen wieder aufgehoben, sollten sie gefallen sein. „Und zu Beginn ging die französische Militärkapelle voraus“, erinnert sich Böhme.
Erinnerungen werden wach
Ingrid Hellmann lebt in St. Georgen, stammt aber aus Donaueschingen. Auch sie war als Kind regelmäßig auf dem Turnier, mit der Schule, aber auch mit dem Vater: „Er hat damals extra dafür Urlaub genommen.“ Ihr Onkel züchtete Pferde, und auch der Vater sei von den Tieren begeistert gewesen. Besonders die Gespannfahrer hätten Hellmann beeindruckt. Und: „Früher durfte man in der alten Donauhalle noch direkt zu den Pferden“, sagt sie. Das sei toll gewesen.
Das Programm
Das Reitturnier
im Schlosspark geht auch am Samstag, 14. September, und Sonntag, 15. September, weiter. Der Samstag beginnt um 8 Uhr mit dem Springen bei der MEFA Pferdetransporter-Amateur-Tour. Um 10 Uhr startet die Gelände-/Marathonfahrt für Pony-Vierspänner. Beim Günther-Stegmann-Gedächtnispreis wird es bei den Zweispännern um 11 Uhr dann die bei Zuschauern beliebte Brigach-Durchfahrt geben. Um 18.15 Uhr startet die Straub Verpackungen Pro-Am-Challenge. Das ist ein Stafettenspringen mit je einem Profi und einem Promi. Der Abend endet mit der Fohlenauktion, anschließend startet in der Innenstadt die Musiknacht.