Die Ränge im Donaueschinger Reitstadion bleiben auch 2026 Jahr leer. Foto: Kassandra Lippe

Das Donaueschinger CHI steht unter keinem guten Stern. Auch 2026 gibt es kein Reitturnier. Stellung beziehen die Sprecher der fünf Ratsfraktionen.

Das CHI-Reitturnier findet auch 2026 nicht statt, wie die Stadt am 10. November informierte. Eigentlich wollten sich die Akteure, also die Stadtverwaltung und die städtische Reitturnier GmbH, nach der Absage des diesjährigen Turniers und der Auflösung des Vertragsverhältnisses mit dem Veranstalter Schafhof Connect auf einen Plan verständigen, ob und wie das Reitturnier 2026 stattfinden kann.

 

Doch eine intensive Prüfung, ob die Veranstaltung 2026 in Eigenregie ausgerichtet werden kann, ergab: Aufgrund nicht kalkulierbarer wirtschaftlicher und organisatorischer Risiken kann die Stadt kein CHI-Reitturnier organisieren.

Wie es zu dieser Entscheidung kam, erklären die Fraktionssprecher des Donaueschinger Gemeinderats.

Michael Blaurock, Fraktionssprecher der Grünen, erklärt die Hintergründe der Absage. Es habe einen intensiven Austausch zwischen allen Beteiligten nach der diesjährigen Absage gegeben. „Hierbei wurde auch die Möglichkeit geprüft, das Reitturnier selbst zu veranstalten. Doch aufgrund eines hohen finanziellen Risikos, einer kurzen Vorbereitungszeit und fehlender Erfahrung kam es zum Entschluss, auch 2026 kein Turnier durchzuführen. Das ist schade, aber die Risiko- und Nutzenabwägung, auch angesichts der angespannten Haushaltslage, hat zu dieser Entscheidung geführt.“

Eine Schädigung des Rufs droht

CDU-Fraktionssprecher Marcus Greiner erklärt, dass eine sachkundige Bewertung der finanziellen Risiken ergeben habe, dass bei einer Umsetzung eines Reitturniers in Eigenregie im schlimmsten Fall eine hohe sechsstellige Summe als Verlust auf die Stadt zukommen kann. Und dass es schlichtweg nicht gewährleistet sei, dass die Stadt diese Herausforderung aus personeller Sicht leisten kann. „Die CDU-Fraktion hält die Risiken, also eine zusätzliche Schädigung des Rufs durch ein in aller Eile unzureichend vorbereitetes Turnier und unverhältnismäßige Kosten in Zeiten angespannter Finanzen, für zu hoch“, so Greiner.

Marcus Greiner Vorsitzender CDU-Fraktion Foto: Jens Hagen

Die Reitturnier GmbH wird in den kommenden Tagen eine neue Ausschreibung veröffentlichen, um einen professionellen Veranstalter zu finden, der Interesse hat, das Reitturnier ab 2027 zu übernehmen. „Wir haben uns für eine zügige Neuausschreibung des Turniers ausgesprochen und hoffen auf Bewerbungen professioneller Veranstalter“, so Greiner.

Doch er zeigt sich wenig optimistisch. „Leider gibt es keine Garantie, dass ein Veranstalter gefunden werden kann, da die Ausrichtung auch für Profis ein wirtschaftliches Wagnis ist und die Absage durch Schafhof Connect das Turnier belastet, auch wenn die Stadt und ein möglicher künftiger Veranstalter dafür keine Verantwortung tragen.“

Michael Blaurock Vorsitzender Grünen-Fraktion. Foto: Grüne

Michael Blaurock von den Grünen ist zuversichtlicher: „Selbstverständlich sehen wir eine Zukunft für das Reitturnier, auch wenn die Absagen der letzten Zeit und die Umstände der Pandemiejahre eine positive Entwicklung nicht erleichtern. Aber der stellenweise uns zugetragene Zuspruch aus Reiterkreisen stimmt uns optimistisch.“

Marcus Milbradt Vorsitzender GUB-Fraktion. Foto: Roland Sigwart

Auch GUB-Fraktionssprecher Markus Milbradt ist enttäuscht über die erfolgte Absage. „Es ist sehr schade, dass auch 2026 kein CHI-Reitturnier stattfindet.“ Doch er könne die Absage nachvollziehen. „Faktisch ist es natürlich so, dass eine Durchführung ohne Veranstalter eine enorme Herausforderung wäre.“ Da das CHI-Reitturnier eine Leuchtturmveranstaltung ist, sei es aus Imagegründen wichtig, dass das Ausschreibungsverfahren schnell starte. „Die weitere Zukunft des CHI-Reitturniers steht und fällt mit der Frage, ob man nun zeitnah einen Veranstalter findet, der das CHI-Reitturnier 2027 organisiert.“

Veranstaltung ist identitätsstiftend

SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Reinbolz ist ähnlicher Meinung. „Es tut sehr weh, dass das Reitturnier auch 2026 nicht stattfindet – denn für die Donaueschinger ist diese Veranstaltung wichtig und identitätsstiftend.“ Für ihn ist deshalb klar: Der Fokus müsse nun darauf liegen, wieder Kontinuität zu erreichen. „Und das schaffen wir, indem wir nun schleunigst die Ausschreibung vorbereiten.“

Jens Reinbolz Vorsitzender SPD-Fraktion. Foto: Roland Sigwart

Aus seiner Sicht sei an den Ausschreibungsmodalitäten zu feilen. „Zum Beispiel könnte man darüber nachdenken, die Pachtforderungen herunterzusetzen.“ Er wünscht sich mit Blick auf die Zukunft eine ökonomischere Herangehensweise des künftigen Veranstalters. „Der Fall, dass das Reitturnier kurzfristig aufgrund fehlender Finanzmittel vom Veranstalter abgesagt wird, darf nicht mehr vorkommen.“

Niko Reith Vorsitzender FDP-Fraktion Foto: Foto: Martin Stollberg

Die FDP-Fraktion bläst ins gleiche Horn. „Das Reitturnier ist eine wichtige Leuchtturmveranstaltung für Donaueschingen. Deshalb halten wir es für wichtig, dies wieder auf ein stabiles organisatorisches und finanzielles Fundament zu stellen“, so Fraktionssprecher Niko Reith. „Durch die Aussetzung im Jahr 2026 gewinnen wir ausreichend Zeit, um das Turnier mit einem neuen Veranstalter zukunftsfähig auszurichten. Wir wünschen uns dabei zukünftig eine bürgernahe und familienfreundliche Ausrichtung.“

Erwartungshaltung an die Stadt

Die Erwartungshaltung an die Stadt formuliert Reith auch deutlich: „In diesem Prozess erwarten wir von der Stadtverwaltung und der Reitturnier GmbH eine vollständige Transparenz gegenüber allen Akteuren, um nicht wieder in ähnliche Probleme zu geraten wie in diesem Jahr.“

Absagen häufen sich

Erinnerungen an 2023 werden wach:
Damals sagte Veranstalter Kaspar Funke (Escon Marketing) das Turnier bereits im Frühjahr aufgrund der wirtschaftlichen Lage ab. Schafhof Connects richtete als Veranstalter zum ersten Mal im Jahr 2024 das CHI aus. 2025 sagt Schafhof Connects aus wirtschaftlichen Gründen kurzfristig und nur knapp vier Wochen zuvor die Veranstaltung ab. Danach sollte der Geschäftsführer von Schafhof Connects, Matthias Rath, mit einem Konzept für 2026 überzeugen. Das ist ihm nicht gelungen: Mitte Oktober haben sich die Stadt Donaueschingen, die Reitturnier GmbH und der beauftragte Veranstalter Schafhof Connects dazu entschieden, die gemeinsame Zusammenarbeit zu beenden und das Vertragsverhältnis aufzulösen.