Das verlassene Reitstadion im Donaueschinger Schlosspark. Eigentlich hätte hier das Springreiten beim internationalen Reitturnier von 18. bis 21. September stattfinden sollen. Foto: Denise Kley

Das S.D. Fürst Joachim zu Fürstenberg-Gedächtnisturnier (CHI) fällt 2025 aus – die kurzfristige Absage hat Spuren hinterlassen. Sponsoren und Besucher bekommen ihr Geld zurück.

Wo dieser Tage eigentlich Pferde und ihre Reiter über Hindernisse springen sollten, herrscht gähnende Leere. Verlassen und leer präsentiert sich das Reitstadion in Donaueschingen. Das traditionsreiche Internationale S.D. Fürst Joachim zu Fürstenberg-Gedächtnisturnier (CHI) fällt 2025 aus – und die kurzfristige Absage hat tiefe Spuren hinterlassen.

 

Erst am 27. August, also gut drei Wochen vor Beginn, erfuhren Stadt, Beteiligte und Dienstleister von der Entscheidung des Veranstalters Schafhof Connects, die für Reitsport-Fans und die gesamte Region überraschend kam.

Während Geschäftsführer Andreas Haller von der Reitturnier Donaueschingen GmbH die Auswirkungen beschreibt, erklärt Veranstalter Matthias Rath die Hintergründe und blickt bereits auf 2026. Für die Reitturnier GmbH, die als Vertragspartner der Stadt fungiert und eng mit den Organisatoren zusammenarbeitet, kam die Absage völlig unerwartet.

Keinen Anhaltspunkt für Probleme gesehen

Geschäftsführer Andreas Haller betont: „Grundlegende wirtschaftliche Schwierigkeiten, die Einfluss auf die Durchführung hätten, wurden uns zu keinem Zeitpunkt vom Veranstalter kommuniziert.“ Noch bis vor wenigen Wochen habe man keinen Anhaltspunkt für Probleme gesehen.

Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit 2024 sei vertrauensvoll verlaufen, das CHI 2024 sei rundum gelungen gewesen, so Haller. Das plötzliche Wegbrechen der Veranstaltung hat für die Reitturnier Donaueschingen GmbH wie auch für die Stadt erhebliche Konsequenzen.

Denn das CHI gilt als Aushängeschild und Imageträger weit über die Region hinaus. „Das Wegfallen einer solchen Leuchtturmveranstaltung kann nicht ohne weiteres kompensiert werden“, so Haller. Besonders betroffen seien auch lokale Unternehmen in Hotellerie und Gastronomie sowie Sponsoren, Dienstleister und die zahlreichen freiwilligen Helfer, die fest mit dem Event gerechnet hatten.

Wirtschaftliche und sportliche Faktoren

Matthias Rath, geschäftsführender Gesellschafter der beauftragten Agentur Schafhof Connects, begründet die Absage des Turniers mit einer Kombination aus wirtschaftlichen und sportlichen Faktoren. „Am Ende war es das Gesamtbild, das keine sichere Durchführung mehr zuließ“, sagt Rath.

Ein finanzielles Defizit im sechsstelligen Bereich sei bei einer Austragung unausweichlich gewesen. Daher habe man sich, nach intensiven Analysen und Gesprächen mit der Stadt und dem Fürstenhaus, für die kurzfristige Absage entschieden. Die Ankündigung wenige Wochen zuvor, die Qualität der Reiternennungen sei ausschlaggebend, relativiert Rath im Nachhinein: Es habe nicht nur die sportliche Beteiligung, sondern das Zusammenspiel mit den finanziellen Rahmenbedingungen im Vordergrund gestanden.

Zwar sei der Schritt kurzfristig gefallen, doch nach den internen Berechnungen habe es keine Alternative mehr gegeben. „Uns war wichtig, verantwortungsvoll zu handeln und eine nachhaltige Lösung zu finden, auch wenn dies leider sehr kurzfristig erfolgte.“

Konkrete Pläne und Konzepte gefordert

Die Reitturnier GmbH hat nach Hallers Worten bereits klare Erwartungen für die Zukunft formuliert. Man wolle von Schafhof Connects innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums konkrete Pläne und Konzepte sehen, wie das CHI 2026 gesichert auf dem gewohnten Niveau stattfinden könne. „Der Veranstalter hat einen gültigen Vertrag über fünf Jahre und sich eindeutig dazu bekannt, die Veranstaltung im kommenden Jahr durchzuführen“, sagt Haller. Über Konsequenzen sowie weitere Schritte werde man nun in den zuständigen Gremien beraten.

Rath selbst blickt optimistisch in die Zukunft des Turniers: „Das CHI ist nicht aufgehoben, sondern auf Herbst 2026 verschoben.“ Die Ausrichtung sei festes Ziel, jedoch brauche es eine stabilere finanzielle Basis. Neben Stadt und Fürstenhaus setzt er vor allem auf zusätzliche Unterstützung durch regionale Partner. Damit das Turnier wieder im internationalen Kalender sichtbar wird, seien langfristige Engagements entscheidend.

Ticketpreise und Sponsorengelder

Im Zuge der Absage standen viele Beteiligte vor der Frage, wie mit bereits gezahlten Ticketpreisen, Sponsorengeldern und Gebühren für Caterer und Gastronomen umgegangen wird. In dieser Hinsicht versichert Organisator Matthias Rath: „Alle bereits geleisteten Sponsorengelder und Standgebühren werden in vollem Umfang zurückerstattet.“

Kurios: Bis 17. September war noch der Ticketshop für die bereits abgesagte Veranstaltung offen. Interessierte konnten also noch drei Wochen nach der Absage Tickets für das Reitturnier erwerben. Das sei nun allerdings behoben und der Ticketshop geschlossen worden. Auch die Rückabwicklung der Ticketkäufe sei bereits in Vorbereitung, so Matthias Rath weiter. Und wie haben die Sponsoren regiert? Viele Partner hätten trotz der Enttäuschung mit großem Verständnis reagiert. „Wir stehen im engen Austausch mit allen Sponsoren und Dienstleistern und sorgen für eine transparente und zeitnahe Abwicklung“, so der Organisator.

Die Ernüchterung überwiegt

Bei der Stadt, Reitturnier GmbH und den vielen Unterstützern des CHI überwiegt jedoch weiterhin die Ernüchterung. Die Absage bedeutet nicht nur einen Imageschaden für Donaueschingen, sondern auch konkrete wirtschaftliche Einbußen für die Region.

Hotels, Gaststätten und Zulieferer hatten auf die Besucherströme gesetzt, die jetzt ausbleiben. Für viele ehrenamtliche Helfer, die sich auf ihren Einsatz gefreut hatten, platzt die Veranstaltung ebenfalls kurzfristig.

Matthias Rath, Geschäftsführer von Schafhof Connect. Foto: Roger Müller

Obwohl die Rückkehr des CHI im Jahr 2026 zugesichert ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, ob Schafhof Connects die Weichen so stellen kann, dass das Aushängeschild des internationalen Reitsports in Donaueschingen tatsächlich mit der gewohnten Strahlkraft zurückkehrt.

Auch in der nächsten Gemeinderatssitzung am Dienstag, 23. September, steht die Zukunft des Reitturniers auf der Agenda.

Die Turniergeschichte

Rückblick 
Die Anfänge des CHI reichen bis ins Jahr 1954 zurück, als hier erstmals ein nationales Turnier ausgetragen wurde. Ab 1959 nahmen auch Reiter aus dem benachbarten Ausland teil. 1964 wurden hier die baden-württembergischen Meisterschaften im Dressur- und Springreiten ausgetragen.