Matthias Alexander Rath, hier auf seinem Hengst Destacado, wird künftig das Turnier in Donaueschingen organisieren. Foto: Baumann

Das 66. Reitturnier in Donaueschingen fällt aus, darüber gibt es Verärgerung. Kaspar Funke scheidet als Organisator aus, 2024 übernimmt Matthias Alexander Rath die Leitung.

Kaspar Funke ist mit sich im Reinen: „Ich scheide ohne Groll von Donaueschingen. 17 Jahre lang haben mein Team und ich ein tolles Turnier organisiert. Schade nur, dass es wegen Corona diese schwierige Endphase gab.“ Deshalb hat der Chef der auf den Pferdesport spezialisierten Veranstaltungsagentur Escon-Marketing aus Niedersachsen der Stadt Donaueschingen mitgeteilt, dass er das für Mitte August geplante Fürst-Joachim-zu-Fürstenberg-Gedächtnisturnier nicht mehr ausrichten könne – die Zeit sei zu knapp, das wirtschaftliche Risiko viel zu hoch. Es wäre das 66. Turnier dieser Art gewesen.

 

Auf dem Rathaus der Stadt an der Donauquelle ist man verärgert. Andreas Haller, Chef der stadteigenen Reitturnier GmbH, sagt: „Der langjährige Vertrag zwischen uns und Kaspar Funke endet am 31. Dezember 2023. Wir haben mehrfach an ihn appelliert, sich auf seine rechtlichen Verpflichtungen zu besinnen. Unsere Durststrecke ohne dieses hochkarätige internationale Turnier wird sich leider um ein weiteres Jahr fortsetzen.“

Eine Frage des Geldes

Funke selbst geht auf die rein juristische Seite der langjährigen Zusammenarbeit mit der Stadt gar nicht näher ein. Im Jahre 2006 hatte ihn der damalige Oberbürgermeister Thorsten Frei (CDU), heute stellvertretender Fraktionschef der Bundestagsfraktion, auf die Baar zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb gelockt, um die Nachfolge des umtriebigen, aber in Ungnade gefallenen Kaufmanns Gotthilf Riexinger aus Reutlingen anzutreten. Dieser bescherte den Zuschauern auf Deutschlands höchstgelegenem Turnierplatz – fast 700 Meter über dem Meer – zwar Spitzensport vom Feinsten (darunter die Dressur-EM 1991 und die Springreiter-EM 2003), doch dem Gemeinderat wurden die Zuschüsse für den Sport und die Investitionen in den Schlosspark zu hoch.

Funke modelte das Traditionsturnier daraufhin vom Spitzensport um in mehr Breitensport für die Vereine und die Zuschauer aus der Region – als cleverer Geschäftsmann achtete er dabei vor allem auf eine solide finanzielle Bilanz. Doch Funkes Stern ist im Sinken begriffen, Veranstalter in Nörten-Hardenberg, Oldenburg und anderswo haben ihm den Stuhl vor die Tür gestellt.

Kontakt zu Kaspar Funke abgebrochen

Auch in Donaueschingen möchte man den Vertrag mit dem 66-Jährigen unter keinen Umständen verlängern. Die Fürstenbergs, Besitzer des Schlossparks und Hüter der Historie des Turniers, das die Adelsfamilie Mitte der 50er Jahre als lokalen Reitertag gründete, haben den Kontakt zu Funke längst abgebrochen. Jetzt hat Erbprinz Christian zu Fürstenberg mitgeholfen, die Weichen für die Zeitenwende im idyllischen Schlosspark neu zu stellen: Matthias Alexander Rath, einer der führenden deutschen Dressurreiter, international bekannt geworden als Reiter des legendären Rapphengstes Totilas, wird vom August 2024 an das sportfachliche Sagen haben.

Diese Entscheidung hat ein 20-köpfiges Gremium aus Kommunalpolitik, Gesellschaft und Reiterei gefällt. Donaueschingens Oberbürgermeister Eric Pauly ist begeistert von der Wahl: „Wir freuen uns, einen erfahrenen und zuverlässigen Partner gefunden zu haben, von dessen Kompetenz, Leistungs- und Innovationsfähigkeit wir überzeugt sind.“

Die Trennung von Funke ist endgültig

Matthias Rath (39), unterstützt von seiner Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff, die 1988 mit dem deutschen Dressurteam olympisches Gold in Seoul gewann und die in ihrer aktiven Zeit auch in Donaueschingen in das Dressurviereck ging, fühlt sich durch das in ihn gesetzte Vertrauen geehrt: „Unser Schafhof-Team freut sich auf die Herausforderung, dieses Traditionsturnier fortführen zu dürfen. Wir alle sind unheimlich motiviert.“ Das ist als kräftiger Seitenhieb gegen Kaspar Funke zu verstehen. Dessen Angebot, das Turnier in diesem Sommer gemeinsam zu stemmen, hat Matthias Rath abgelehnt.

Zum Abschied von Donaueschingen wird es für Funke also keine Blumen geben, ganz nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“. Andreas Haller von der Stadt sagt: „Wir sind der Ansicht, dass es nicht zielführend wäre, juristisch etwas erzwingen zu wollen. Für das Image unseres Turniers ist es besser, 2024 neu zu starten.“