Der ehemalige Reitplatz neben dem Bittelbronner Sportplatz. Davor stehen mittlerweile drei Altglas- und ein Altkleidercontainer. Foto: Thomas Kost

Der Reitplatz mitten im Ort sorgt seit Jahren für Konflikte mit einem Nachbarn. Jetzt sucht der Reit- und Fahrverein „Pferd und Natur“ aus Bittelbronn nach einer Alternative. Und greift dabei eine alte Idee auf.

Er stellte nämlich am 11. Dezember mit einem Schreiben an Bürgermeister Heiko Lebherz und den Gemeinderat den Antrag, den früheren Reitplatz auf dem Sportgelände in Bittelbronn für seine Zwecke reaktivieren zu dürfen. Nach drei bisher vergeblichen Anläufen in den Jahren 2013, 2014 und 2017 ist dies der vierte Antrag.

 

Die Initialzündung dafür, diesen Vorschlag erneut ins Spiel zu bringen hat dem Verein die Sitzung des Petitionsausschusses des badenwürttembergischen Landtages am Montag, 20. November, in Haigerloch gegeben.

Der hatte dort unter Vorsitz des AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Peter Hörner getagt, um sich die Argumente der Betroffenen im innerörtlichen Bittelbronner Reitplatzstreit anzuhören sowie die Standpunkte der Stadtverwaltung, des Landratsamtes und des Regierungspräsidiums zu dem Problemfall einzuholen.

Alter Reitplatz kommt wieder ins Spiel

Könnte man den Nachbarstreit beenden, in dem man dem Reitverein einen anderen Platz zur Verfügung stellt – zum Beispiel den alten Reitplatz beim Sportgelände?

Für Hans-Peter Hörner erschien diese Lösung gar nicht so abwegig, andere dagegen, die schon seit Jahren mit dem Reitplatz-Dilemma in Bittelbronn vertraut sind, zuckten leicht mit den Mundwinkeln, als die Sprache auf diese Alternative kam.

Bekanntlich haben sich sowohl der Bittelbronner Ortschaftsrat als auch der Sportverein in der Vergangenheit konsequent gegen die Reaktivierung des Reitplatzes ausgesprochen. Als Argumente wurden unter anderen „Sicherheitsbedenken“ wegen des Fahrzeugverkehrs (Busse und landwirtschaftlicher Verkehr) angeführt, der an dem Reitplatz vorbeifährt. Aber auch wegen des Sport- und Festbetriebes hatte man Zweifel.

Stadt hält Aufstellung eines Bebauungsplan für erforderlich

Auch Hans-Martin Schluck als Leiter des städtischen Bauamtes hatte seine Bedenken. Diese brachte er in der Petitionsausschusssitzung vor anderthalb Monaten auch zum Ausdruck.

Für eine Wiederinbetriebnahme des Reitplatzes braucht es aus seiner Sicht die Aufstellung eines Bebauungsplanes und eventuell fordere in einem solchen Verfahren der Naturschutz gewisse Ausgleichsmaßnahmen – da könnten für die Stadt schnell Kosten von bis zu 15 000 Euro entstehen. Auch der Bittelbronner Ortsvorsteher wunderte sich, warum mit dem Reitplatz auf dem Sportgelände eine Angelegenheit wieder auf den Tisch kommt, die man schon vor Jahren zu den Akten gelegt hatte.

Müller: Reitplatz wäre mit geringem Aufwand wieder herzurichten

Aber es gibt auch Leute, die diesen alten Reitplatz als durchaus überlegenswerte Alternative ansehen. So unter anderem Haigerlochs Altbürgermeister Roland Trojan aber zuvorderst die Mitglieder des Reitvereins „Pferd und Natur“ um deren Vorsitzenden Volker Müller.

Der Platz, so schreibt er in seinem Antrag an den Bürgermeister, könne mit Eigenleistungen und vertretbarem Aufwand wieder hergerichtet werden. Weil der Unterbau samt Drainage vorhanden sei, müsse man nur die obere Bodenschicht abtragen und einen Sandbelag aufbringen sowie eine Koppel als neue Abgrenzung bauen. Die naturnahe Eingrünung des Platzes bleibe erhalten .

Platz hat Turniermaße

Der Platz hat für Müller noch einen anderen Vorteil: Er hat die Standard-Turniermaße von 20 auf 40 Meter und deshalb könne man dort wesentlich besser mit den Pferden galoppieren und andere Dinge trainieren wie auf dem kleineren Reitplatz mitten im Ort.

Doch die alles entscheidende Begründung für den Antrag ist laut dem Vereinsvorsitzenden, dass die Reitsportfläche im Flächennutzungsplan der Stadt ausgewiesen ist. Damit kommt für ihn kein anderer Standort mehr in Frage.

Gemeinderat soll entscheiden

Volker Müller setzt jetzt darauf, dass sich der Haigerlocher Gemeinderat zeitnah der Sache annimmt, eine Entscheidung trifft und den Reit- und Fahrverein dabei gleich behandelt wie die anderen sporttreibenden Vereine im Stadtgebiet. Sein Wunsch wäre es, dass der 70 Mitglieder zählende Verein den Platz für Ausbildungs- und Trainingszwecke schon im Frühjahr in Betrieb nehmen könnte.

Was derweil der Petitionsausschuss des Landtages zum ganzen Thema sagt, ist noch offen. Eine bereits im Dezember angestrebte Erörterung des Reitplatzstreites soll laut Volker Müller nun im Januar stattfinden.