Immer wieder mal sind Pferd und Reiter der Polizei in der Calwer Innenstadt unterwegs. (Archiv) Foto: Buck

Erst vor wenigen Tagen schritten zwei Pferde samt Reiter der Polizei durch die Calwer Lederstraße. Für Passanten ist das stets eine regelrechte Attraktion. Doch bis ein Pferd so weit ist, muss es viel lernen. Wie die Ausbildung abläuft und welchen Vorteil Polizeipferde gegenüber Autos haben, erklärt Jürgen Eisele im Interview.

Calw - Hufgeklapper in Calws Fußgängerzone sorgt stets für Aufsehen. In unregelmäßigen Abständen sind die Polizeireiterstaffeln der Bereitschaftspolizeidirektionen Bruchsal und Göppingen in der Hesse-Stadt unterwegs, um Präsenz zu zeigen – zuletzt vor wenigen Tagen. Die Pferde scheint dabei nichts aus der Ruhe zu bringen. Wie die Polizisten das mit ihnen trainieren und wie die Pferde dafür sorgen, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen, erklärt Jürgen Eisele von der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium in Göppingen.

 

Wie regelmäßig sind berittene Polizisten in Calw unterwegs?

Die Polizeireiterstaffeln der Bereitschaftspolizeidirektionen Bruchsal und Göppingen sind grundsätzlich im ganzen Land eingesetzt. Lageabhängig, nicht regelmäßig, sind die Beamten der Polizeireiterstaffeln auch in Calw eingesetzt.

Gibt es für die Pferde in Calw spezielle Anforderungen, zum Beispiel durch das Pflaster und die engen Gassen?

Polizeipferde sind im freien Gelände ebenso einsetzbar wie in urbanen Einsatzräumen. Auch Altstädte und deren charakteristische Gegebenheiten wie enge Gassen sowie Kopfsteinpflaster gehören zu den üblichen Einsatzräumen in denen Polizeipferde eingesetzt werden können.

In den engen Gassen wiederum sind die Pferde gegenüber Autos im Vorteil, wenn es darum geht, jemanden zu verfolgen, oder?

Dies ist richtig. Gegenüber dem Streifenwagen bietet das Pferd in der Innenstadt mehrere weitere Vorteile. So bietet beispielsweise die erhöhte Sitzposition dem Polizeireiter einen ausgezeichneten Überblick auch über Sichthindernisse wie Mauern und Hecken hinweg. Außerdem sind Polizeireiter durch die Körpergröße und das Hufgeklapper der Pferde optisch und akustisch weithin wahrnehmbar. Das Polizeipferd wird zudem üblicherweise als Sympathieträger wahrgenommen und bietet hervorragende Möglichkeiten, mit dem Innenstadtbesucher ins Gespräch zu kommen und auf diese Weise ein hohes Maß an Bürgernähe zu erreichen.

Wie lange dauert die Ausbildung von Polizeipferden? Was müssen sie alles lernen?

Die Ausbildung eines Polizeipferdes dauert normalerweise eineinhalb bis zwei Jahre. Die Pferde werden dabei klassisch in Dressur, Springen und Geländearbeit ausgebildet. Zudem werden sie an Reize und Szenarien gewöhnt, wie sie den Pferden in ihrem späteren polizeilichen Alltag sowie in den Einsätzen begegnen werden. Dazu gehört unter anderem auch die Gewöhnung an innenstädtische Einsatzräume und deren Besonderheiten wie Verkehr, Lärm und wechselndes Straßenpflaster.

In welchem Alter fängt die Ausbildung an und bis zu welchem Alter sind die Tiere im Dienst?

Im Alter von mindestens vier Jahren werden die Pferde für den Polizeidienst angekauft. Nach erfolgreicher Ausbildung leisten die Pferde ihren Polizeidienst grundsätzlich bis zu einem Alter von etwa 20 Jahren.

Gibt es eine bestimmte Pferderasse, die sich besonders gut für den Polizeidienst eignet?

Für den polizeilichen Einsatz werden nervenstarke, robuste und leistungsbereite Warmblutpferde ausgesucht, die ein Stockmaß von mindestens 165 Zentimetern aufweisen. Die Pferderasse oder das Zuchtgebiet spielen für die Auswahl keine Rolle. Es hat sich bisher auch nicht erwiesen, dass eine bestimmte Pferderasse in besonderem Maße für den Polizeidienst geeignet wäre.

Wie erleben Sie beziehungsweise die Reiter die Reaktionen der Menschen in den Innenstädten?

Die Polizeireiter erleben in ihren Einsätzen in aller Deutlichkeit, dass sie etwas Besonderes im Bild der jeweiligen Stadt darstellen. Wie bereits beschrieben bietet das Polizeipferd hervorragende Möglichkeiten, mit dem Bürger in der Innenstadt in positiver Weise in Kontakt zu treten. Als Polizeireiter wird man sehr häufig angesprochen, daraus entwickeln sich in der Folge Gespräche zu den verschiedensten Themen. Diese reichen von Fragen nach den Namen der jeweiligen Polizeipferde und deren Alter bis hin zu Erkundigungen nach dem Ablauf des Bewerbungsverfahrens für die polizeilichen Laufbahnen. Derartige Gespräche bieten daher eine hervorragende Möglichkeit, dem Gesprächspartner ein positives Bild der Polizei zu vermitteln. Weiterhin sind solche Gespräche sehr von Nutzen für den Erfolg des jeweiligen polizeilichen Einsatzes. Sind die Polizeireiter beispielsweise eingesetzt zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität, können im Rahmen solch unbeschwerter Bürgergespräche, die zur Verhütung von Einbrüchen relevanten Verhaltensweisen wie beispielsweise das Schließen gekippter Fenster bei Abwesenheit vermittelt werden.

Sind die Pferde alle in Göppingen untergebracht und werden dann zu den jeweiligen Einsätzen transportiert oder leben die Pferde dezentral bei ihren Reitern?

Untergebracht sind die Pferde an den Dienstorten der Polizeireiterstaffeln in Mannheim und in Ostfildern. Zu ihren Einsätzen werden die Pferde von dort mit entsprechenden Pferdetransportfahrzeugen gefahren. Grundsätzlich sind den Polizeireitern ihre Pferde fest zugeordnet und werden von ihnen im Rahmen ihres Dienstes umsorgt und trainiert. Die Pferde werden dabei allerdings nach Feierabend nicht mit nach Hause genommen, wie dies bei den Polizeihunden der Fall ist, sondern verbleiben in ihren Stallungen an den Dienstorten.