Der Olympiasieger Michael Jung macht im ersten Vielseitigkeits-Wettberwerb den zweiten Platz. Foto: Roger Müller

Reiten: Trockenheit hat auch ihre Schattenseiten. Hackschnitzel-Einsatz dieses Jahr kein Thema.

Donaueschingen - Nass waren ja schon einige Reitturniere. Unvergessen beispielsweise die Schlammschlacht von 2014 oder der Dauereinsatz von 500 Kubikmeter Hackschnitzel im vergangenen Jahr.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Escon-Geschäftsführer Nikas Droste verkündet mit dem Blick nach oben ein Hackschnitzel-Einsatz-Verbot – natürlich nicht ganz ernst gemeint. Die Aussteller klagen auch schon, weil es durch die Trockenheit so staubig ist und ihre ganzen Waren mit einer feinen Schicht überzogen werden. Und Hündin Shila? Die freut sich und springt in die Brigach. Etwas, was sicher auch der eine oder andere Besucher gern machen würde.

Das Turnier im August. Da kommt doch niemand. Doch vor allem Schüler freuen sich. So beispielsweise die 15-jährige Charlotte Patzner aus Hamburg. Selbst passioniert Reiterin, war sie allerdings noch nie auf dem Turnier in Donaueschingen, und das, obwohl ihr Onkel Martin Lienhard hier wohnt. Stets lag für sie die Veranstaltung in der Schulzeit. Diese Jahr der erste Besuch: "Es ist meine letzte Ferienwoche", sagt die 15-Jährige. Besonders die Dressur hat es ihr angetan, schließlich ist das auch ihre Disziplin, und nun kann sie sich bei Isabell Werth und Bredow-Werndl das eine oder andere abschauen. Und praktisch ist es auch für Onkel Martin: "Ich kann mir das jetzt mal ganz genau von einer Expertin erklären lassen."

"Berti, komm mal wieder her." Diese kleine Szene hat sich nicht etwa bei den Donaueschinger Windhundtagen abgespielt, sondern beim Reitturnier. Überhaupt scheint es so, als seien etliche Akteure der vorangegangenen Veranstaltung immer noch auf dem Gelände unterwegs. Alle paar Meter gerät ein Hund ins Bild, der mal mit, mal ohne Herrchen über das Reitturniergelände schlendert. Ab und zu ein Blick auf die Verkaufsstände, wo es nicht nur alles fürs Pferd, sondern zwischendrin auch mal die modische Scha­bracke für den Hund zu entdecken gibt. Schade nur, dass sich die kleineren Vierbeiner dieses Mal nicht im Wasserbecken auf dem Parcours-Gelände abkühlen können. Das geht dann wieder bei den Windhundtagen.

Nur nicht zu Fuß

Was neben etlichen stolzen und anmutigen Tieren auf dem Donaueschinger Reitturnier auch bemerkenswert ist: Die mittlerweile unfassbar große Auswahl an Fahrzeugen, mit denen man sich von einem Ende des Turniergeländes zum anderen bewegen kann. Still und leise rauscht ein Segway mit Elektromotor einen Weg entlang.

Aus der Gegenrichtung tuckert ein kleiner Roller heran, nicht wesentlich größer als ein Kinderfahrrad. Vor einem Kabelkanal muss ein Golf Cart langsam machen und sich behutsam darüber schieben. Für die Pferde hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich einiges getan. Sie sind die Stars auf dem Turnierplatz. Um von A nach B zu kommen, benutzen die Menschen motorisierte Helfer.

Die Kokosmaronen hat Arne Olaf Christensen im Laderaum gelassen. Nur für spezielle Kunden füllt er sie ab. Und Schokolade hat er gar nicht erst eingepackt. "Es ist einfach zu warm", sagt der Händler. Seit 15 Jahren begleitet er mit seinem Süßigkeiten-Stand das Reitturnier. 36 Sorten warten in Plastikgefäßen auf die kleinen und großen Schleckermäuler. Nur, die machen sich rar am Donnerstagmittag. Am besten verkaufen sich saure Ringe, Drops oder Figuren; auch die Colafläschchen sind begehrt, weiß der Händler. Dass er auch Lakritz im Angebot hat, ist der Reiterschaft aus dem Norden und dem Westfälischen geschuldet: "Im Südwesten geht Lakritz nicht so gut", weiß er. Vielleicht heißt diese Süßigkeit hier ja deshalb Bärendreck.

Unterschiede bei Mann und Frau haben Beate und Richard Lansink festgestellt. Sie haben im Hochsommer das mutmaßlich unpassende Angebot an ihrem Stand: dicke Winterjacken. "Eine Frau kann im Juli eine Winterjacke kaufen, einen Mann kriegen sie nicht mal zum Anprobieren", resümiert der Holländer, während seine Frau die vorausschauende Einkauftaktik lobt.

Für solche Einschätzungen haben die beiden viel Zeit. "Morgen wird das Wetter besser", definiert der Händler die Gewitterprognose für Freitag in seinem Sinn. Im vierten Quartal, so trösten sich die Lansinks, werde das Geschäft wieder besser.

Sie sind das ganze Reitturnier im Einsatz und sorgen dafür, dass die Veranstaltung läuft: Die Helfer, die kaum Zeit für eine Pause haben, schließlich gibt es viel zu tun. Doch eine kleine Pause gibt es für sie, nämlich dann, wenn die Fürstenberg Brauerei Danke sagt. Zum zweiten Mal richtete sie den traditionellen Empfang nun auf dem Gelände und nicht mehr im Schalander an. Eben dass die Helfer auch dabei sein können. "Sie machen das Turnier erst möglich", sagt Gesamtvertriebsdirektor Markus Gruhl.

Es war ein Spektakel sondersgleichen, die Geländestrecke, die am gestrigen Donnerstag zum Turnierauftakt in das große Springstadion eindesignt wurde und morgen schon wieder weg ist. Wasser und Pferd geht immer, so dass natürlich der Wasserdurchritt mit integriertem Springhindernis der Hingucker schlechthin war. Aufgrund der Tatsache, dass es am Donnerstagabend dann auch keine Platzkarten gab, konnten es sich die Besucher auf der Tribüne gemütlich machen.

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