Schimmelstute Patzi, hier mit Sabrina Benz vom RuF Donaueschingen, im Januar. Foto: Roger Müller

Das Schulpferd des Reit- und Fahrvereins ist an Krebs erkrankt. Wie die Reiter für ihre geliebte Stute kämpfen.

Schulpferd Patzi hat Krebs. Damit wäre die 20-jährige Schimmelstute für den Reit- und Fahrverein – so hart es auch klingt – eigentlich ein betriebswirtschaftlicher Totalschaden. Aber die RuF-Mitglieder setzen alles daran, dem Vierbeiner die bestmögliche medizinische Versorgung zu geben. Aktuell befindet sich die Stute in einer Züricher Tierklinik.

 

„Das Pferdematerial ist das Kapital des Reitschulbetriebs. So auch bei uns, denn wir haben auch Schulpferde, mit denen wir mit unseren Reitschülern auf Turniere fahren können“, sagt Pächter Claus Steidinger. „Und dadurch kommen eben auch viele emotionale Bindungen der Reitschüler mit den Schulpferden.“ Nun ist die Stute Patzi an Krebs erkrankt. In ihrem Alter wäre sie damit normalerweise ein Fall für den Abdecker. Bereits vor fünf Jahren bildeten sich erste kleinere Knötchen im Afterbereich, aber die Tierärzte sahen keinen Handlungsbedarf. Doch dann begannen genau diese Knötchen zu wuchern. Der Pächter der Reitanlage im Sickenbühl ging aber erstmal ins Internet, um sich kundig zu machen, wie man solch eine Krebserkrankung behandeln könnte.

Alexandra Scherrer und Pächter Claus Steidinger stehen vor der leeren Box der Stute. Foto: Roger Müller

Claus Steidinger wurde fündig und stieß auf eine Tierklinik in Zürich. Die hatte zu diesem Zeitpunkt ein Seminar von einem Spezialisten aus England, der sich diesem Thema widmete. „Unser Glück war, dass das Seminar am 13. April war, und der Spezialist noch zwei weitere Tage in Zürich weilte“, sagt Melanie Krumpl, die Lebensgefährtin von Claus Steidinger. „So packten wir Patzi in den Hänger und fuhren nach Zürich.“ Dort angekommen hofften die beiden auf eine Chemotherapie für Patzi.

Zu spät für die Chemotherapie

Doch der Spezialist aus England wiegelte ab, dafür wäre es in diesem Stadium viel zu spät. Einzige Option sei, mit einem Lasermesser die Wucherungen wegzuschneiden. Und für diese Option entschied man sich. Am 20. April wurden 3,5 Kilogramm Melanome entfernt. „Und Patzi kämpft“, erzählt Krumpl. Die Wundheilung verlaufe sehr gut. Die Züricher Tierklinik wollte durch Patzi wichtige Erkenntnisse über die Melanom-Bildung bei Schimmeln gewinnen. „Selbst eine Lungenendoskopie wurde durchgeführt, um zu schauen, ob der Krebs bereits in die Lunge gestreut hat“, so Krumpl. „Alles wurde dokumentiert und protokolliert.“

Kosten wohl im unteren vierstelligen Bereich

„Und das war auch der Grund, dass uns die Züricher Klinik mit den Kosten entgegen kam“, sagt Melanie Krumpl. „Wir rechneten mit einer fünfstelligen Summe für den Klinikaufenthalt und den Behandlungskosten, nun werden wir so schätzungsweise im unteren vierstelligen Bereich landen.“

Bettina Hembach (von links), Samira und Malea, Kerstin Vollmer-Schwörer und Sabrina Langenfelder beim Flohmarkt des RuF Donaueschingen zu Gunsten der Schimmelstute Patzi im Rahmen des Reitertages. Foto: Roger Mülle

Die Anteilnahme war groß, seitens der Reitschüler, aber auch Besuchern des Reitertages am vergangenen Samstag, bei dem ein eigens dafür ins Leben gerufener Flohmarkt dafür sorgte, einen Teil zur Klinikrechnung von Patzi beizutragen. 350 Euro kamen zusammen. „Jeder Euro zählt“, sagt Melanie Krumpl.

Der Verein

Der Reit- und Fahrverein (RuF) Donaueschingen
wurde im Jahr 1968 gegründet. Aktuell hat er etwa 200 Mitglieder. Großen Wert legt der Verein auf die Jugendarbeit, wobei sich nicht alle Aktivitäten um die Pferde drehen. Eingebunden sind auch Jugendliche ohne eigenes Pferd. Schulpferde ermöglichen die Teilnahme an Wettbewerben, Ausritten und Festveranstaltungen. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.ruf-donaueschingen.de