Die Abtei Neumünster (luxemburgisch: Abtei Neimënster) befindet sich im Stadtteil Grund der Stadt Luxemburg am Ufer der Alzette. Foto: PantherMedia//Sergio Delle Vedove

In Luxemburg dürfen alle gratis mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Auch Urlauber. Ein guter Grund, das Land per Bahn und Bus zu erkunden. In fünf Etappen ab Luxemburg-Stadt durchs Land.

An der Mosel sollte man sich ein Fahrrad schnappen, um möglichst viel zu sehen. Der Fluss macht immer wieder die Biege, die Ausblicke ändern sich mit jeder Kurve. Natürlich lohnt auch ein Abstecher in die Weinberge, wo Riesling und Grauburgunder wachsen.

 

1. Immer der Mosel entlang

Luxemburg hat sich einen Namen mit seinem Crémant (Sekt) gemacht. Deshalb: runter vom Sattel und ab in den Keller. Die „Caves Bernard-Massard“ bieten Führungen, bei denen man über Fässer staunt, die so groß sind wie Kleintransporter. Wer ein E-Bike und eine passende Tasche hat, sollte sich ein paar Fläschchen mitnehmen, denn im Ausland kommt man nur schwer an Luxemburger Wein.

Das kleine Land hat nicht genug für den Export. Eine gute Alternative für jene, die keinen Alkohol wollen, sind die ausgezeichneten Säfte, die an der Mosel entstehen. Wo die Weinhänge enden, wachsen Äpfel, Birnen und Kirschen, die einen bis in den Süden, nach Schengen, begleiten. Der kleine Ort an der Grenze zu Deutschland und Frankreich ist Sinnbild für den Freigeist und die offene Gesellschaft Luxemburgs. Gut die Hälfte der Einwohner des kleinen Landes hat ihre Wurzeln im Ausland.

Vom Central-Bahnhof mit Bus 175 nach Remich (rund 40 Minuten). Weiter nach Norden/Grevenmacher: Bus 450; Süden/Schengen: Bus 185. Zurück nach Luxemburg-Stadt mit Nr. 315.

www.bernard-massard.lu/de/.

2. Bahnfahren im Éislek

Die Klierf darf hier machen, was sie will. Mal taucht sie rechts der Schienen auf, dann wieder links. Sie schlängelt sich durch Wälder, küsst die Felsen und schleicht sich ganz nah an die Häuser heran, die hier in der Region Éislek auffällig bunt sind. Dabei braucht es gar keine blauen, grünen oder gelben Farbtupfer mehr, weil die Natur bereits ein vortreffliches Bild gemalt hat.

Die Zugstrecke in den Norden ist wohl die schönste im Land. Sie führt mitten in die Ardennen in das grüne Herz Luxemburgs. Die Städte sind fern, am Fenster ziehen nur Dörfer vorbei. Einen Stopp sollte man in Clervaux einlegen. Im dortigen Schloss befindet sich eine der bekanntesten und meistbesuchten Fotoausstellungen der Welt. „The Family of Man“ gehört zum Unesco-Kulturerbe, zeigt berührende fotografische Meisterwerke und versteht sich als Manifest für den Frieden und die Gleichheit aller Menschen. Da passt es gut ins Bild, dass der Klierf niemand vorschreibt, wie sie durch die Ardennen zu fließen hat.

In einer Stunde mit dem RE oder IC von Luxemburg-Central nach Clervaux.

www.visit-clervaux.lu/de.

3. Radeln auf dem Minett-Trail

Für einen kurzen Moment ist Alex Thill verwirrt. Jemand hat ihm einen Streich gespielt und den Wegweiser verdreht. Aber er kennt sich aus wie kein Zweiter. Thill ist fast jeden Tag auf dem Minett-Trail unterwegs, ein 90 Kilometer langes Wegenetz im Süden Luxemburgs. Manchmal scheinen noch Schienen durch, schließlich fuhren hier früher Dieselloks mit schwerem Gepäck. Sie brachten das Gestein ins Tal, das sich in den Hochöfen der Region in Eisen verwandelte. Vor 40 Jahren machte die letzte Mine dicht, vom Tagebau ist nur noch wenig zu sehen, die Natur hat sich alles wieder zurückgeholt.

Geblieben ist ein perfektes Netz an Wegen. Wir laufen eine Etappe durch Wälder. Moose und Farne bilden einen unendlichen Teppich links und rechts des Weges, aus dem rot das Eisen schimmert. Um die Rückkehr zum Ausgangspunkt muss sich niemand Sorgen machen. In Differdingen nimmt uns gleich der Bus auf und bringt uns zum Zug nach Esch. Früher qualmten dort ununterbrochen die Hochöfen, deren Reste noch stehen. Mitten hinein hat man die Uni gepflanzt. Esch ist dieses Jahr eine von drei Kulturhauptstädten Europas und zeigt in Ausstellungen und Veranstaltungen stolz die Transformation vom Stahl zum Buch.

Alle 30 Minuten vom Central-Bahnhof nach Esch-Universität (Fahrzeit: 30 Minuten).

www.minetttour.lu https://esch2022.lu.

4. Touren im Mullerthal

Wenn die Einheimischen wandern gehen, haben sie oftmals eine Flasche „Cassero“ dabei. Ein Schlückchen hier, ein Schlückchen da – das muss man gewohnt sein. Denn der Likör aus Schwarzen Johannisbeeren hat doch ordentlich Umdrehungen und schon so manchen Sportsmann umgehauen.

Das Mullerthal ist der Wanderspot Luxemburgs. Es trägt den Beinamen „Kleine Schweiz“, der den Luxemburgern doch ein wenig peinlich ist, schließlich erreicht der höchste „Berg“ nicht einmal 400 Meter. Den Spitznamen haben sich angeblich die Niederländer ausgedacht, die sich dort gern die Beine vertreten. Die Landschaft ist bezaubernd.

Einsame Täler, sanfte Hügel, imposante Buchenwälder und einzigartige Felsformationen ziehen Wanderer, Kletterer und Mountainbiker an. Wer Zeit und Ausdauer hat, begibt sich auf den „Mullerthal Trail“, ein preisgekrönter Wanderweg, der zu Naturdenkmälern wie der Wolfsschlucht oder dem Wasserfall Schiessentümpel führt. Daneben lohnt sich ein Besuch der Schlösser von Beaufort und Echternach.

Mit der Tram vom Hauptbahnhof zur Endstation Luxexpo; per Bus (Nr. 111) nach Echternach.

www.mullerthal.lu.

 5. Kultur entdecken im Guttland

Zwei Dinge werden in der Region Guttland sofort klar: Die Luxemburger haben ein Händchen, um ihre Kulturgüter zu bewahren, und auch das nötige Geld dafür. Das spiegelt sich nicht nur in der hervorragenden Infrastruktur und in den Gratis-Tickets für Bus und Bahn wider, sondern auch in den historischen Bauwerken. So erhielt die Ruine von Schloss Useldange eine zeitgenössische Stahlbrücke, die sich bestens ins alte Gemäuer einfügt.

Der Kulturweg in und um die mächtige Burg mit ihren beiden Türmen ist auf sehbehinderte Menschen zugeschnitten und steht unter der Schirmherrschaft der Unesco. Useldange ist kein Einzelfall, die Region ist gespickt mit Burgen und Herrschaftshäusern, vor allem im „Tal der Sieben Schlösser“. Ausgangspunkt dafür ist Mersch, die 27 Kilometer lange Strecke kann man mit dem Fahrrad bewältigen. Die älteste Burg stammt aus dem 11. Jahrhundert. Besonders sehenswert: die englische Gartenanlage von Burg Schoenfels. Zwei Schlösser (Ansemburg und Simmer) sind in Privatbesitz, Besichtigungen daher nicht möglich.

Vom Stäreplatz (Tram-Halt) mit Bus 529 nach Useldange (circa 30 Minuten); Mersch: circa 20 Minuten per Zug ab Luxemburg-Central.

www.visitguttland.lu/.

Info: Luxemburg

Anreise
Per Zug in knapp dreieinhalb Stunden von Stuttgart via Straßburg nach Luxemburg-Stadt, www.bahn.de. Fahrpläne für Fahrten innerhalb Luxemburgs: www.cfl.lu.

Unterkunft
Hotel Vauban: zentral gelegen, gepflegt, faires Preis-Leistungs-Verhältnis. DZ/F ab 160, Euro, https://hotelvauban.lu. Hotel Perrin: Garni-Hotel mit überdurchschnittlich guten Bewertungen. Zimmer im Art-déco-Stil. DZ ab 189 Euro, https://hotel-perrin.lu. City Hotel Luxembourg: Hotel in hübschem historischen Gebäude. Zimmer neu/modern, weil renoviert; DZ ab 200 Euro, https://cityhotel.lu.

Essen und Trinken
House of Chocolate: tolle Torten und Kuchen, fantastische Pralinen; https://chocolate-house-bonn.lu. Brasserie Guillaume: exzellente Fischgerichte, feine Desserts. https://brasserieguillaume.lu. Um Dierfgen: Spezialitäten aus Luxemburg, https://umdierfgen.lu/de.

Aktivitäten
Museum für moderne Kunst: www.mudam.lu. Philharmonie: www.philharmonie.lu.

Allgemeine Informationen
www.visitluxembourg.com, www.luxembourg-city.com.