An manche Ecken der Welt verirren sich Urlauber eher selten, dabei wären sie eine Reise wert. In loser Folge stellen wir solche Orte vor – wie Musandam. Die Fjorde und Korallenriffe verleihen der Halbinsel, die zum Oman gehört, schroffes Flair.
Musandam - Noch vor wenigen Jahren war eine Reise nach Musandam mit einer waghalsigen Autofahrt verbunden. Heute ist der Landweg von Oman aus nicht mehr zu empfehlen. Stattdessen kann man die Halbinsel mit dem Flugzeug von der omanischen Hauptstadt Maskat aus erreichen. Der Inlandsflug in die Hafenstadt Khasab dauert rund eine Stunde und kostet hin und zurück ab 120 Euro. Nach Maskat und zurück fliegt Oman Air ab Frankfurt.
Lage
Am nordöstlichsten Punkt der Arabischen Halbinsel ragt Musandam mit seinen Inselchen und den Ausläufern des Hajar-Gebirges weit in die Meerenge von Hormus, der Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Diese Lage beschert dem Gouvernement des Oman eine große strategische Bedeutung – bis 1992 war die Halbinsel militärisches Sperrgebiet.
Mit einer Fläche von 1800 Quadratkilometern ist Musandam etwa halb so groß wie Mallorca. 43 000 Menschen leben hier. Zum Staatsgebiet des Sultanats Oman hat die Exklave keine Landverbindung. Ein 100 Kilometer breiter Korridor, der zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört, trennt die beiden Gebiete.
Dhaus
Im Indischen Ozean sind sie schon seit Jahrhunderten allgegenwärtig – die Dhaus. Jene arabischen Segelschiffe mit ihren ein bis drei Masten und den großen trapezförmigen Segeln, die vor langer Zeit Weihrauch, Seide und Gewürze in die Handelszentren Arabiens brachten.
Bis heute gibt es Dhaus – und keine bessere Möglichkeit, die Fjorde Musandams zu erkunden. Manches Fischerdorf auf der Halbinsel ist ohnehin nur übers Wasser zu erreichen. Wer Glück hat, entdeckt auf der Tour durch das tiefblaue Meer im Golf von Oman Delfine. Tischler-Reisen bietet drei-und viertägige Dhau-Fahrten an. Die Reise kostet inklusive Transfer von/bis Maskat ab 1011 Euro.
Im Fels
Der Jebel al Harim ist mit 2087 Metern die höchste Erhebung in Musandam. Übersetzt bedeutet sein Name „Berg der Frauen“. In verborgenen Höhlen im Fels haben sich vor vielen Jahren die Frauen der Dörfer versteckt, während ihre Männer fischen oder auf Handelsreisen waren.
So schützten sie sich vor feindlichen Stämmen und Piraten. Heute kann man die Berglandschaften mit einem Geländewagen erkunden. Die Straße dafür wurde 1981 vom Militär gebaut, bis dahin war der Esel das einzige Transportmittel in den Bergen. Zu entdecken gibt es unterhalb des militärischen Sperrgebiets auf 1600 Metern Fossilien oder prähistorische Felszeichnungen.
Fjorde
Musandam wird als das Norwegen Arabiens bezeichnet, auch wenn die Fjorde der Halbinsel wenig mit ihren skandinavischen Verwandten zu tun haben. Schroff und karg ragen die Ausläufer des Hajar-Gebirges ins Meer und bilden ein verästeltes Gewirr aus Fels und Stein.
Der größte Fjord Musandams ist der Khor Sham, 17 Kilometer lang und 900 Meter hoch. Entstanden ist diese Landschaft durch die Verschiebung der Erdkruste, die Felsen entlang der Ufer waren einst Meeresboden.
Klima
Das Klima ist wüstenartig, im Schnitt regnet es nur an 38 Tagen im Jahr. Grüne Flecken findet man daher fast nur an künstlich bewässerten Oasen. Angenehme Temperaturen von 25 Grad herrschen in den Wintermonaten von Dezember bis Februar, im Sommer wird es bis zu 50 Grad heiß, weswegen viele Einwohner noch Halbnomaden sind, die im Sommer an der Küste und im Winter in den Bergen leben.
Sprache
Während auf der restlichen Arabischen Halbinsel Arabisch gesprochen wird, unterhalten sich hauptsächlich rund um Kumzar, der nördlichsten Siedlung Musandams, zehn- bis zwanzigtausend Menschen vom Stamm der Shihuh in einer Sprache, die sonst nirgendwo auf der Welt verstanden wird. Kumzari ist mit dem Iranischen verwandt, es existiert weder Schriftsprache noch Literatur.
Europäische Herrscher, Eroberer und Handelsreisende haben in der Sprache ihre Spuren hinterlassen. Das Wort für „Wasser“, zum Beispiel, klingt wie das portugiesische „agua“, das für „Tür“ ähnelt dem englischen „door“. Über kurz oder lang wird Kumzari aber aussterben, die Kinder in Musandam lernen heute eher Arabisch.
Schmuggler
Im Hafen des Fischerstädtchens Khasab herrscht reger Verkehr. In Speedbooten stapeln sich Waren, das Geschäft mit den Schmugglern aus dem Iran ist neben der Fischerei und dem zaghaften Tourismus die wichtigste Einnahmequelle für die Bewohner der Halbinsel – der Anschluss an die Shoppingtempel der Emirate macht es möglich.