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Reisebüros in Sulz und Dornhan Keine Neubuchungen, sondern nur Stornierungen

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Die Verunsicherung bei den Reisenden ist sehr groß, wissen die Experten. Foto: Pedersen/dpa

Keine Neubuchungen, viele Umbuchungen und Stornierungen: Womit die Reisebüros derzeit zu kämpfen haben und was sie ihren Kunden jetzt raten, um auf der sicheren Seite zu sein, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Sulz/Dornhan. So lief es auch im vergangenen Monat bei den jeweils lediglich drei Buchungen in Annegret Rebholz’ und Karin Schöninger-Hägeles Reisebüros. Mit etwas Glück würden 20 Prozent der gebuchten Reisen durchgeführt, erzählt Verena Kohler von "Verena’s Reiseparadies". Bei Rose Birk von "Rose’s Extratouren" waren es ebenfalls nur drei durchgeführte Reisen –­ von sonst etwa 40.

Früher war Schöninger-Hägele täglich zwölf Stunden im Büro beschäftigt. Jetzt sind es nur noch wenige Stunden, in denen sie vor allem unsichere Anfragen erhält, hauptsächlich für kurzfristige Geschäftsreisen, kleinere Gruppen-Reisen und wenige Familien.

Vor allem Familien wollen nichts risikieren

Dies bestätigen auch die anderen Reisebüros im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem Familien wollten zurzeit nichts riskieren, berichtet Kohler. Die Leute seien stark verunsichert. Für einen kleinen Aufpreis bietet sie vor Reiseantritt einen Coronaschutzbrief an. Der greift, wenn der Reise coronabedingt eine Absage erteilt werden muss. Eine normale Reisekrankenversicherung greife bei symptomfreien, an Corona erkrankten Reisenden nämlich nicht, erklärt Renate Plocher von Reiseservice Plocher. "Hoffentlich werden die Regelungen bald klarer."

Annegret Rebholz und Renate Plocher haben zudem beobachtet, dass die Kunden ihre Anreise nun häufiger mit dem eigenen Auto planen und dann nur noch Interesse an einer Unterkunft in Deutschland oder Europa haben.

"Am meisten verdient man an Pauschalreisen, nicht an Flügen", wissen Schöninger-Hägele und Kohler. Doch zurzeit buche niemand Pauschalreisen – und das, obwohl von November bis März normalerweise die meisten Reisen für Pfingsten, Sommer und Herbst gebucht werden.

Momentan hat Karin Schöninger-Hägele für ihre Kunden nur einen Rat: "Buchen Sie nichts Getrenntes, und machen Sie sich zuvor mit den Stornierungs- und Rückbuchungsoptionen vertraut".

Wer Flug und Unterkunft getrennt buche, habe bei der Stornierung oft das Problem, sein Geld nicht mehr zurückzubekommen. Das liege aber nicht an den Reiseagenturen, sondern daran, dass diese oft Überstunden schieben müssten und dann beim Veranstalter oder den Fluggesellschaften die Leitungen dicht seien.

Flüge sind das Problem

Die Fluggesellschaften seien das Hauptproblem. Diese kommunizierten nach dem Streichen sämtlicher Fluglinien ihre Konditionen intransparent an die Reisebüros, so der Vorwurf. Niemand könne wissen, welche Airline als nächstes insolvent gehe, gibt Schöninger-Hägele zu bedenken. Auch rät sie, nur Flüge von deutschen Flughäfen aus zu buchen, da Corona-Regelungen von Land zu Land variieren können. Renate Plocher gibt den Tipp: "Wenn man schon eine Flugreise bucht, dann am besten bei Lufthansa oder Eurowings. Diese werden staatlich gestützt."

Vor Mai oder Juni werde reisetechnisch nicht viel gehen, sind sich die Reiseagenturen sicher. Sie befürchten, dass die Flugpreise im Sommer durch die Decke gehen könnten, da die Fluggesellschaften wegen entgangener Gewinne einen Rückbuchungsstopp aussprächen oder versuchten, über zusätzliche Gepäckgebühren an Geld zu kommen.

Besser funktionieren die Rückzahlungen bei stornierten Ferienwohnungen, Mietwagen oder Hotelübernachtungen. Der Kunde könne sich immerhin auf Gutscheine oder Rückzahlungen freuen. Besonders gut klappe das bei Wellnessreisen, meint Kohler.

Derweil warnt Plocher davor, überhaupt Gutscheine anzunehmen. Besser wäre, auf die Rückbuchung des Betrags zu bestehen. Ohne diese Option sei die Abwicklung ohnehin nicht gesetzeskonform.

Hilfen bei Schließungen

Viele Reisebüros haben sich in die extreme Kurzarbeit oder für immer verabschiedet. Das hat Karin Schöninger-Hägele mehrfach mitbekommen. Lizenzgebühren und Löhne führten bei den meisten zu einem Verlust von 80 bis 90 Prozent.

Zum Jahresende gab es einmalige Hilfen für Reisebüros, die schließen mussten. Allerdings griffen diese oft nur bei schon gebuchten Reisen und Unterkünften, die storniert werden mussten. Das helfe nicht, wenn fast nichts mehr gebucht werde – und schon gar nicht helfe es den Reisebuchungsagenturen. Auch die Überbrückungshilfen waren nach Ansicht Schöninger-Hägeles nicht angepasst an das Gewerbe.

Während Europas größtes Touristikunternehmen TUI stark subventioniert worden sei, hätten die kleinen und mittleren Reisebüros nur einen Förderhöchstbetrag von 3000 Euro bekommen.

Plocher meint hingegen, sie sehe ein, dass Großkonzerne stärker subventioniert wurden, da diese zu träge seien, um angemessen auf die Situation zu reagieren. Rose Birk sagt, dass selbst ein Betrieb mit überschaubaren Ausgaben ohne die staatliche Hilfen, wie Soforthilfe und Überbrückungsgelder, 2020 nicht überstanden hätte.

Demnächst soll es die dritte Überbrückungshilfe von Januar bis Juni 2021 geben – diese gebe Planungssicherheit, meint Plocher. Zudem haben Reisebüros in Baden-Württemberg das Glück, Grundsicherung zu bekommen.

Aber wird die Überbrückungshilfe greifen? Wenn sie nur die Rückerstattungskosten bei Stornierungen auffängt, dann nicht, meint Schöninger-Hägele. Auf jeden Fall sei sie jetzt mehr damit beschäftigt, die Steuer zu machen und Hilfsgelder zu beantragen, als damit, Reisen zu buchen. Auch Plocher und Rebholz haben Hilfen beantragt.

Nun zählen die Reisebüros auf ihre Stammkunden, mit denen sie in regelmäßigem Kontakt stehen. Viele potenzielle Kunden seien aufgrund der Kurzarbeit unsicher, ob sie sich eine Reise in naher Zukunft überhaupt leisten könnten, meint Annegret Rebholz.

Das Beste draus machen

"Reisen verkaufen macht Spaß, das will ich nicht aufgeben", sagt Rebholz. Sie informiert ihre Kunden weiterhin über die Corona-Maßnahmen am Reiseort und "macht das Beste draus". Jedenfalls sei der Buchungsdruck, der sonst immer auf Reiseagenturen lastet, dieses Jahr minimal gewesen.

Ihr machten die Kunden Mut, sagt Verena Kohler. Trotzdem stehe am Ende des Jahres eine Null. Wie lange "Verena’s Reiseparadies" noch durchhält, ist unklar.

Rose Birk war zum ersten Mal seit Jahren über die Weihnachtstage nicht auf Reisen. Eigentlich war sie davon ausgegangen, dass die Herbstsaison stattfinden kann, da Birk hauptsächlich innerdeutsche Reiseziele sowie Südtirol und Holland mit ihren Busreisen ansteuert. Diese sind auch für 2021 geplant, allerdings hält sich Rose Birk bei der Werbung zurück. Diese hat sie 2020 mehr als 10.000 Euro gekostet. Die Rentnerin möchte, so lange es geht, im kleineren Rahmen weitermachen.

"Man darf nicht aufgeben"

Renate Plocher sieht die Lage entspannt. Man dürfe jetzt nicht aufgeben. Positiv findet sie die Entwicklung des Tourismus in Coronazeiten hin zu nachhaltigem, ruhigem Reisen – weg vom Massentourismus.

Gute Reiseziele seien zurzeit Namibia, die Kanaren, die Seychellen oder kleine Karibik-Inseln, wie St. Lucia. Sie hat die Destinationen selbst bereist und ist begeistert von den Hygienekonzepten und der Einstellung vor Ort, in der Krise gut aufeinander Acht zu geben.

Auch Kleingruppenreisen mit Kontakt zu Einheimischen kann Plocher empfehlen. Durch Corona würden gerade diese Reisen an kulturellem Wert gewinnen.

Und noch etwas sei positiv: das veränderte Arbeitsumfeld, das genug Zeit bietet, einige Neuerungen einzuleiten. So steht die Digitalisierung im Fokus. Die Kundenberatung etwa kann künftig ohne persönlichen Kontakt, sozusagen vom Sofa aus, erfolgen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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