Begegnungen prägten die Reise der Villinger Peru-Kreise: Es gab auch ein Wiedersehen mit Pater Antonio (links), der die Gemeinde in Ocongate leitet und schon mehrfach in Villingen war, und seinem Nachfolger Pater Fabian (hinten rechts), dem die Projekte und die Schulbildung ebenso am Herzen liegen. Foto: Stefan Storz

Begegnungen und der Besuch von Hilfsprojekten standen im Mittelpunkt der Reise der Villinger Peru-Kreise in den Regenwald und die Anden.

Die Konfrontation mit Armut und Mangelernährung gerade bei Kindern hat sich ebenso in ihr Gedächtnis eingebrannt wie die Begegnungen mit herzlichen Menschen und atemberaubende Landschaften: Stefan Storz und Heinrich Schidelko aus Villingen, die zusammen mit fünf weiteren Mitstreitern der Perukreise der katholischen Kirchengemeinde St. Konrad und der Münsterpfarrei die Partnergemeinden besucht haben.

 

Seit 1986 pflegt die Münsterpfarrei partnerschaftliche Beziehungen mit der Gemeinde Ocongate in den Anden, erzählt Storz, der den Aufbau der Freundschaft von Beginn an begleitet hat. Ebenso Schidelko, der sich noch gut an die ersten Kontakte zwischen der Gemeinde in Iquitos am Amazonas und St. Konrad erinnern kann, die bis ins Jahr 1995 zurückreichen. Von rund 80 in der gesamten Erzdiözese bestehenden Partnerschaften sei dies die einzige mit einer Gemeinde im Regenwald, erklärt Storz. Trotz der Entfernung gab es seit den Anfängen immer wieder gegenseitige Besuche.

Jetzt machte sich die Gruppe aus Villingen auf die lange Reise in die nur mit dem Flugzeug oder per Schiff erreichbare Großstadt. Und erlebte gleich am Flughafen einen herzlichen Empfang mit Plakaten und Liedern – und begleitet von Gitarrenmusik ging es im Bus in die Partnergemeinde.

Viel Raum nahm das Zusammentreffen mit jungen Leuten ein, die ihr Studium dank Unterstützung aus Villingen absolvieren können, erzählt Schidelko, der ihre Entwicklung über die Jahre hinweg verfolgt hat und sich über ihren Erfolg auf dem Weg in die Berufswelt freut. „Doch neben dem Austausch über ihre Ausbildung spielen auch gemeinsame Erlebnisse eine wichtige Rolle“, unterstreicht er und erzählt begeistert von einer nächtlichen Bootsfahrt auf dem Amazonas.

Klimawandel bedroht Überleben der Menschen

Wie sehr der Fluss dem Klimawandel unterworfen ist und damit auch das Überleben der Menschen bedroht, erfuhren sie bei einem Abstecher in einem nur per Boot zugänglichem Ortsteil von Iquitos. Schon im Vorfeld habe St. Konrad ein Brief mit der Bitte um Lebensmittelspenden erreicht, nach der Dürre im Herbst hätten die Einwohner jetzt mit Hochwasser zu kämpfen, schildert Schidelko die Situation. Jetzt brachte die Gruppe 37 Säcke voller Lebensmittel für notleidende Familien vorbei.

Mit Säcken voller Lebensmittel machte sich die Gruppe auf den Weg in einen nur per Boot zugänglichen Ortsteil von Iquitos, der unter dem Hochwasser leidet. Foto: Stefan Storz

An Nahrung mangelt es auch in den Bergdörfern rund um Ocongate, so finanziert der Peru-Kreis der Münstergemeinde den Mittagstisch in der Schule, für die Kinder im Internat zusätzlich Frühstück und Abendessen. Für Storz ist die von Jesuiten geleitete Schule ein Vorzeigeprojekt, da die Tradition der Indigenen samt ihrer Sprache Quechua gleichberechtigt neben der spanischen Kultur stehe. Auch die Einrichtung einer Bibliothek und eines Spielzimmers habe die Münsterpfarrei ermöglicht.

Ein Augenmerk gilt zudem der Präventionsarbeit, die ein Menschenrechtsbüro leistet, um der Gewalt gegen Frauen und Kinder entgegenzutreten, Mädchen vor ungewollten Schwangerschaften zu schützen, die Jugend auf die im Internet lauernden Gefahren aufmerksam zu machen und vor der Anwerbung für den illegalen Bergbau zu warnen.

Mit Unterstützung aus Villingen können einige junge Leute aus Iquitos studieren und stellen ihre künftigen Berufe pantomimisch dar. Foto: Stefan Storz

Bildung ist für Storz und Schidelko überhaupt die wichtigste Stellschraube, um jungen Menschen langfristig eine Perspektive zu geben. Ein Waisenhaus in Cusco ist ihnen da ein besonderes Anliegen. Der Jesuit Jossera betreue 14 Jugendliche, bis sie auf eigenen Füßen stehen und durch gute schulische Leistungen ein Stipendium erhalten. Jetzt ist es das Ziel des Peru-Kreises, für zwei Jugendliche noch Unterstützer zu finden, die ihnen mit regelmäßigen Spenden ein Studium ermöglichen.

Für Schidelko und Storz sind die Projekte jedoch keine Entwicklungshilfe, sondern ein Ansatz, die Idee der Weltkirche mit Leben zu füllen. Da gehe es um weit mehr als die finanzielle Hilfe. Von zentraler Bedeutung sei die Solidarität mit den Menschen, die Kommunikation untereinander und der Gedanke, die Augen für ihre Belange und Probleme und weltweite Zusammenhänge zu öffnen.

Bildung spielt für die Perspektive der Menschen eine wichtige Rolle. So unterstützen die Peru-Kreise auch eine Schule in Ocongate in den Anden. Foto: Stefan Storz

„Die Partnerschaft lebt von Begegnungen“, stellt Schidelko fest. Ein Wiedersehen gibt es bereits 2026, wenn eine Delegation aus Ocongate zum 40-jährigen Bestehen der Freundschaft mit der Münsterpfarrei nach Villingen kommt. Um weitere Mitstreiter zu gewinnen, einen Eindruck der Partnerschaft, der Kultur und der Vielfalt der Natur Perus zu vermitteln, bietet die Gruppe am Mittwoch, 15,. Juli, ab 19 Uhr einen Vortrag im Münsterzentrum an. Da ist auch Überraschendes zu hören, verraten Stefan Storz und Heinrich Schidelko, beispielsweise, was es mit Papst Leo XIV und einem Villinger auf sich hat.

Vortrag

Besuch in Peru
Einen Einblick in ihre Erlebnisse in Peru geben die Teilnehmer der Reise bei einem Vortrag am Mittwoch, 16. Juli, ab 19 Uhr im Münsterzentrum. Sie stellen nicht nur die Hilfsprojekte der beiden Peru-Kreise vor, sondern zeigen auch die Schönheiten des Landes. Zudem werben sie um weitere Unterstützung für ihre Arbeit. Wichtige Einnahmequellen sind das Fastenessen, der Kuchenverkauf und Rock für Peru in St. Konrad sowie der Brunch im Münsterzentrum. „Alle Spenden kommen direkt den Projekten zugute“, unterstreicht Heinrich Schidelko. Die Reisen zahlen die Teilnehmer aus Villingen komplett selbst. Für Besucher aus den Partnergemeinden tragen die Peru-Kreise die Flugkosten mit gesonderten Spendenaufrufen.