In Katambor, in einem Armenviertel in Luanda, verkaufen Frauen Obst, Gemüse und riesige Salatblätter. Überall in Angola sieht man diese Straßen-Verkäuferinnen, Zungueiras genannt, die so ihre Familien ernähren. Foto: Barbara Schaefer

Angola ist einer der letzten unentdeckten Flecken Afrikas. Das perfekte Ziel also für diejenigen, die abseits ausgetretener Pfade ein neues Land erkunden möchten

In Luanda geht nichts voran, teure Autos und überfüllte Sammeltaxis mäandern auf den mehrspurigen Straßen, dazwischen wuseln Motorräder und 3-Rad-Laster der chinesischen Marke „Keweseki“, bis zu zehn Menschen kauern darauf dicht gedrängt und eingestaubt. Die Kolonnen schieben sich vorbei an Glas-Hochhäusern und ramponierten Beton-Wohnblocks aus den 1960ern. Endlose Armenviertel wechseln sich ab mit Gated Communities, edlen Wohnvierteln mit Bäumen und Palmen.

 

Bis 2017 galt Luanda als die teuerste Stadt der Welt für Expats, also für Geschäftsleute, die im Öl-Business tätig waren. Nun sollen auch Urlauber kommen, für den neu ernannten Tourismusminister ist Tourismus das neue „grüne Öl“. Bislang sieht man – überhaupt keine Touristen. Das perfekte Ziel also für diejenigen, die abseits ausgetretener Pfade ein neues Land erkunden möchten.

Im Hotel in Luanda kennen sie das Wort Souvenir nicht

Auf dieser Reise waren die Besucher an zwei Händen abzuzählen. Am beeindruckenden Calandula-Wasserfall standen Offroad-Vans mit Dachzelt aus Südafrika, und an einem Aussichtspunkt am Meer, südlich von Luanda, vertraten sich Australier die Beine, die mit dem Rovos-Luxus-Zug Afrika durchquerten.

Darüber hinaus waren außer Geschäftsleuten in den Hotels keine Weißen, keine Fremden zu sehen. Noch nicht einmal Traveller oder Backpacker. Und im Hotel in Luanda kennen sie das Wort Souvenir nicht. In Luanda kann man es sich als Besucher gut gehen lassen. In den Restaurants auf der vorgelagerten Ilha de Luanda blickt man auf den Atlantik hinaus oder auf den Binnenhafen mit all den Jachten, dahinter die Skyline Luandas. Serviert wird gegrillter Fisch, darf‘s ein Glas Wein dazu sein?

Überall wuselt es, die Bevölkerung Angolas ist eine der am schnellsten wachsenden der Welt. Entlang der Straßen, an den Halteposten der Sammeltaxis und auf den unzähligen Märkten, überall ein Schieben und Drängen. Aber anders als erwartet sind die Chinesen aus dem Straßenbild verschwunden. China hat in Angola nicht nur ein riesiges Sportstadion gebaut, im Rahmen der chinesischen „Stadion-Diplomatie“, sondern auch den gigantischen neuen Flughafen und vieles mehr. An den Ausfallstraßen Luandas sieht man Schilder mit chinesischen Schriftzeichen, stehen riesige Werkhallen, auch chinesische Supermärkte. Aber zu sehen sind sie nicht.

Angola liegt in Westafrika Foto: STZN/Lange

Zurück geht es mit dem Taxi in die Innenstadt. Im Juli 2025 hatten Taxifahrer gestreikt und gegen die Erhöhung der Kraftstoffpreise protestiert. Die Regierung argumentierte, Treibstoff sei viel zu stark subventioniert. Ein Hotelangestellter sagt, nun koste das Sammeltaxi für seine Tochter in die Schule fast das Doppelte, er wisse nicht, wie er das stemmen solle und warum man das Geld für den Staatshaushalt ausgerechnet bei den kleinen Leuten hole. Mit einem Bürojob verdient man um die 100 Euro. Wenn das Taxi teurer wird, steigen alle Preise, weil alle mit den Taxis fahren müssen, „es gibt kaum Busse, und wer hat hier schon ein Auto?“

Durch die Gassen von Katambor würde ein Auto gar nicht durchpassen. Guide Luis heißt die Gäste auf der Führung durch das Armenviertel in Downtown Luanda willkommen. Als erstes geht es zu einem Wachturm, der sei über 300 Jahre alt und „der Stolz unserer Nachbarschaft.“ Überall im Viertel, wie auch an allen Straßen des Landes, sitzen Frauen und verkaufen Obst, sie ernähren so ihre Familie.

Eine Polizeistation gebe es im Viertel nicht: „Wir passen selbst auf“

Zwei Studierende der Medizin gehen durch das Viertel, sie tragen ein Plakat zur Impfaufklärung und fragen in allen Häusern, ob dort Kinder im Alter von bis zu 5 Jahren leben. Eine Woche später kommen die Ärzte zum Impfen. Es gebe Widerstände, sagen sie; es heiße, das Impfen bringe Krankheiten.

Man könnte andere Verursacher ausmachen. Schwarzes dickflüssiges Abwasser läuft zwischen den Tretsteinen der Gassen und dem Plastikmüll. An manchen Stellen stinkt es gottserbärmlich. Alle Häuser haben einen Wasseranschluss, sagt Luis, und Strom gibt es auch, wie die wild umherkreuzenden Leitungen zeigen: „Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo wohnen zu müssen, wo ich mit Kanistern anstehen müsste für Trinkwasser.“ In all dem Dreck treten aus den Häusern immer blitzsaubere Menschen, gar mit weißen Hemden und Blusen. Welch Leistung!

Eine Polizeistation gebe es im Viertel nicht, sagt der Guide, „aber wir passen selbst auf“. Genau gesagt macht das der Pfeifclub: Junge Männer gründen zusammen so einen „Turma do apito“-Club. Sie patrouillieren, und wenn etwas ist, pfeifen sie sich zusammen, sehr laut. Dafür bekommen sie im Viertel ein bisschen Geld, können sich so mal einen Café leisten.

Guide Luis zeigt seine Stadt Foto: Barbara Schaefer

Luis klopft bei einer Nachbarin. Sie öffnet das Tor, lässt die Besucher herein in den Hof, in diesem steht ein gigantischer Mulembera-Baum, eine Art Ficus. Diese Bäume bedeuteten ihnen viel, sagt der Guide. „Er ist das Wohnzimmer, der Treffpunkt, hier wird gegessen, es gibt Gedichte und Lieder über den Baum.“ Tatsächlich stehen unter dem Baum zwei Polstersessel, daneben glimmt ein Hoffeuer.

„Die Regierung behält alles Geld für sich“

An einer Stelle geht der Blick über die Wellblechdächer und den Bach zu den Wohnblöcken in die Innenstadt. Das sei das Sehnsuchtsziel, dort wollten alle hin, sagt Luis. Aber die Arbeitslosigkeit sei das größte Problem. Catarina Ferreira Quisama hat eine Arbeit, an einem Stand verkauft sie bunte Tücher. Ihr Sohn mischt sich ins Verkaufsgespräch ein: „Ah, Germany – Modern Talking! Und Rummenigge und Dortmund. Und Merkel!“ Ein junger Mann kommt dazu und sagt: „Danke, dass Sie uns besuchen. Hier sehen Sie, wie wir Angolaner leben. In diesen Zuständen – in so einem reichen Land! Die Regierung behält alles Geld für sich.“ Aber die Bevölkerung akzeptiere das nicht mehr: „Wir bekommen mit den Smartphones viel mit von der Welt. Angola wird sich ändern!“

Info

Anreise
Lufthansa ( www.lufthansa.com ) fliegt fünfmal pro Woche
ab Frankfurt nonstop nach Luanda, Inlandsflüge bietet die TAAG ( https://flytaag.com/den/ ) an. Reisende brauchen für Aufenthalte bis maximal 30 Tage in Angola kein Visum.

Unterkunft und Veranstalter
Zentral gelegen und nur wenige Schritte vom Meer entfernt: Hotel Continental, DZ/F ab 230 Euro, https://hotelcontinentalluanda.com .Diamir Erlebnisreisen bietet Reisen nach Angola an. 15 Tage kosten 5600 Euro pro Person, www.diamir.de . Bei Geoplan Angola kostet eine 15-tägige Privatrundreise – buchbar ab zwei Teilnehmern – ab 8450 Euro pro Person im Doppelzimmer, www.geoplan-reisen.de .Hauser-Exkursionen bietet eine Kombinationsreise nach Namibia und Angola an: hier kosten 21 Tage ab 6850 Euro pro Person, www.hauser-exkursionen.de .Wer nicht mit einer Gruppe reist, organisiert sich am besten einen Fahrer. Das geht etwa über Cosmos Viagens. Die Agentur stellt auch individuelle Rundreisen zusammen: https://cosmos-viagens.co.ao/en/home .

Was Sie tun und lassen sollten
Es ist nicht ratsam, nachts unterwegs zu sein. Weder zu Fuß in den Orten, noch mit dem Auto über Land. Auch Einheimische vermeiden nächtliche Fahrten. Eine Gelbfieberimpfung ist zwingend erforderlich, weitere Impfungen sind empfohlen, Malaria-Prophylaxe ebenfalls dringend geraten. Weitere Infos: https://tropeninstitut.de/ihr-reiseziel/angola .

Allgemeine Informationen
Angola Tourismus, www.angola-tourism.com