Der junge Reinhold Würth im Jahr 1954 mit seinem Vater Adolf (links) – und der „Schraubenkönig“ im vergangenen Jahr beim Festakt zu seinem 75-jährigen Arbeitsjubiläum Foto: Würth, imago/Political-Moments

Reinhold Würth feiert am 20. April seinen 90. Geburtstag. Im Interview spricht der Milliardär über seine gesundheitliche Verfassung, die Erinnerungen an seinen Vater Adolf – und über die Freude auf einen Tag ohne Termine.

Reinhold Würth hat aus dem Zwei-Personen-Schraubenhandel seines Vaters Adolf einen Weltkonzern gemacht. Kurz vor seinem 90. Geburtstag am kommenden Sonntag nimmt sich der „Schraubenkönig“ Zeit für die Fragen unserer Zeitung.

 

Herr Würth, Sie werden am 20. April 90 Jahre alt. Was bedeutet Ihnen dieser runde Geburtstag?

Ich bin gesund und habe keine Schmerzen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich schwimme jeden Tag eine halbe Stunde und gehe spazieren. Es ist schön, dass ich das problemlos machen kann.

Reinhold Würth im Jahr 1988 beim Bergsteigen. Heute geht er täglich spazieren und eine halbe Stunde schwimmen. Foto: Würth

Wo und in welchem Rahmen werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

Ach, das wird nichts Großes. Ich werde meinen Geburtstag im Familienkreis verbringen. Es gibt kein Programm. Mir ist wichtig, dass alle da sind, wir einen schönen Tag verbringen und alle gut miteinander auskommen. Und vielleicht halte ich ja eine kleine Dankesrede (schmunzelt).

Mit gerade einmal 19 Jahren haben Sie den Schraubenhandel Ihres verstorbenen Vaters übernommen. Unter Ihrer Leitung wurde daraus ein weltweit führender Handelskonzern. Wie würde Ihr Vater die Entwicklung des Unternehmens beurteilen?

Mein Vater hat mich schon mit 16 Jahren zum Verkaufen geschickt – nach Köln und Düsseldorf, wo ich dann zwei Wochen unterwegs war. Als ich wieder zu Hause war, hat er sich den Stapel an Aufträgen angeschaut und gesagt: Ist schon recht. Bei meinem Vater galt: Nichts gesagt, ist genug gelobt. Erst Jahre später hat mir meine Mutter berichtet, dass er voll des Lobes war und ihr mal schmunzelnd sagte: Das war gar nicht so schlecht, was der Bub gemacht hat. Das hat mir viel bedeutet. Ich glaube, dass er heute auch stolz wäre.

Welche Entscheidungen in Ihrem Leben bereuen Sie?

Es gibt sicherlich das eine oder andere, das ich hätte anders oder besser machen können. Trotzdem: Schaue ich zurück, habe ich 75 Jahre Berufsleben hinter mir und bin im 69. Jahr mit meiner lieben Frau verheiratet – ich denke schon, dass ich mehr richtig als falsch gemacht habe.

Seit dem Jahreswechsel haben Sie sich weitgehend aus dem Konzern zurückgezogen und die Führung an die nächste Generation übergeben. Sie haben gesagt, Sie wollten sich mehr privaten Dingen widmen. Was machen Sie den ganzen Tag?

Nach 75 Arbeitsjahren erwartet niemand, dass man sich komplett zurückzieht. Aber ich freue mich schon, wenn ich einen ganzen Tag ohne Termine habe. Dann machen meine Frau und ich spontan kleine Ausflüge. Das ist immer sehr schön, wir genießen die gemeinsame Zeit.