Reinhold Würth Foto: Steffen Schmid/Steffen Schmid

Die Wahlerfolge der Rechtsaußen sind ein Grund zur Beunruhigung für die Wirtschaft. Unternehmer wie der Schraubenmilliardär Reinhold Würth dürfen sich davon aber nicht verschrecken lassen, meint Matthias Schiermeyer.

Seit vielen Jahren warnen deutsche Industrieunternehmen Politik und Gewerkschaften vor Standortverlagerungen ins Ausland, wenn sich die Produktionskosten hierzulande nicht günstiger gestalten lassen. Was lange Zeit als die üblichen Drohungen erschien, um diesen oder jenen Vorteil herauszuholen, ist mittlerweile flächendeckend Realität geworden: Ein Großteil der Neuinvestitionen fließt nach Osteuropa, Asien oder in die USA, weil sich dort billiger herstellen lässt. Die dauerhaft hohen Geldabflüsse sind brandgefährlich, weil sie einer schleichenden Deindustrialisierung den Vorschub leisten.

 

Die Begründung ist völlig unverständlich

Vor diesem Hintergrund ist die Ansage des Schraubenmilliardärs Reinhold Würth, lieber fern der Heimat zu investieren, sehr ernst zu nehmen. Würth denkt ohnehin global – jetzt könnte er sich immer weiter vom Heimatmarkt verabschieden und damit noch den allgemeinen Verlagerungsdruck verstärken. Vollkommen unverständlich ist sein Anlass: der Wahlerfolg der AfD. Wer sich als Unternehmer von teils rechtsextremen Parteien verschrecken lässt, stellt letztlich auch das deutsche Wirtschaftssystem infrage.

Diese Zeiten verlangen politischer auftretende Unternehmensführer; sich diplomatisch aus allem herauszuhalten, geht nicht mehr. Sie haben die Verantwortung, dem Erstarken von Rechtsextremen etwas entgegenzusetzen und ihre Belegschaften dabei mitzunehmen. Diese Rolle wird vielfach schon angenommen. Auch Würth hatte dezidiert vor den Rechtsaußen gewarnt. Dass die AfD in Künzelsau dennoch gut 20 Prozent eingefahren hat, sollte ihn unbeeindruckt lassen und nicht in die Flucht treiben.