Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić hatte kürzlich zur Matinee der Veranstaltungsreihe „Stadtplan Lörrach – Lörrach plant Stadt“ in das Rathaus Lörrach eingeladen.
Die Matinee widmete sich den Denkmalen in der Industriestadt und die Bedeutung des Denkmalschutzes für die Stadt Lörrach.
In der Kooperationsveranstaltung mit Dreiländermuseum und Museumsverein Lörrach lenkte die Baudezernentin den Blick auf das Thema Denkmalschutz im Kontext der Stadtplanung. Anhand von Beispielen in der Stadt, wie dem Rathaus Lörrach beziehungsweise dem Kamin des KBC-Areals sowie dem alten Suchard-Gebäude, bei denen es sich um Kulturdenkmale handelt, erläuterte Neuhöfer-Avdić, wie wichtig das öffentliche Interesse und Engagement für den Schutz der Bauwerke war und ist.
Die Bedeutung von Industriedenkmalen
Oberkonservator Tobias Venedey vom Landesamt für Denkmalpflege (Regierungspräsidium Stuttgart) stellte zunächst das digitale Portal der Kulturdenkmale auf dem Geoportal BW vor. Dies sei mit rund 90 000 Denkmalen in Baden-Württemberg seit September 2025 öffentlich einsehbar, Datenschutzgründe verhinderten dies bisher.
Sämtliche Denkmale in Baden-Württemberg können dort aufgerufen werden, mit umfassenden Informationen. In seinem Vortrag erörterte Venedey die Frage, welchen Beitrag die Denkmalpflege, beziehungsweise Denkmale zur städtebaulichen Entwicklung leisten können, und beschrieb deren Rolle mit überzeitlichen Fixpunkten im städtischen Koordinatensystem, die auch in Neuplanungen einbezogen werden müssen. „Denkmale fungieren als Landmarken – Beispiel KBC-Kamin – und Identitätsanker, welche den Menschen dazu dienen, sich zu verorten.
Lörrachs Wandel zur Industriestadt
In Denkmalen materialisiert sich Kulturgeschichte; als Träger von Wissen, Erinnerung und Werten bieten sie der Bevölkerung eine Orientierung in der Wahrnehmung der (eigenen) Stadt, sie stiften Zugehörigkeit und erlangen damit städtebauliche Relevanz“, sagte Venedey laut einer Mitteilung der Stadt Lörrach.
Der Historiker und Museumsleiter Jan Merk blickte in seinem Vortrag zurück auf die Industriegeschichte der Stadt als zentrales Thema für die Identität von Lörrach. Lörrach wurde im 19. Jahrhundert zur wichtigsten Industriestadt in Südbaden. Die frühen Gründungen waren durch Pioniere der Textilindustrie aus der Schweiz und dem Elsass erfolgt. Mit dem Eintritt Badens 1835 zum Deutschen Zollverein kam es zu vielen Neugründungen. Etwas später folgte Philipp Suchard 1880 mit der Gründung der Schokoladefabrik. Bis heute erinnern historische Gebäude der Textilindustrie, des Maschinenbaus und der Schokoladenherstellung, aber auch Arbeitersiedlungen und Fabrikantenvillen daran. Die frühe Entwicklung der Arbeiterbewegung in Lörrach sei genauso ein Ergebnis dieser Industriegeschichte wie erstmals die Möglichkeit für Frauen, die am industriellen Produktionsprozess teilhaben konnten.
Engagement für den Erhalt von Denkmalen
Im abschließenden Rundgang erläuterten Markus Moehring, Vorsitzender Museumsverein, und Stadtbaumeisterin Meike Neumann die Bauwerke unter Denkmalschutz in Rathausnähe, das heißt Bahnhof Lörrach, altes Suchard-Werk, ehemalige Fabrik Kaltenbach und Arbeitersiedlung Palmstraße. Moehring und Neumann betonten, wie wichtig das Engagement von Verein und Amt im Erhalt von Denkmalen sei.
Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdić dankte den Referenten für die Vorträge mit dem Hinweis, dass auch Bauwerke ohne Schutzstatus erhalten werden sollten, dies nicht nur im Sinn des Erhalts von grauer Energie, sondern als ästhetische Bauwerke mit erhaltenswerter Substanz, wie das Natursteinmauerwerk der Lauffenmühle Lörrach.