Inhaberin Melanie Günthner freut sich über den meisterhaften Erfolg von ihrem Mitarbeiter Frank Kramer. Foto: Schneider

Mit 57 Jahren hat Frank Kramer seinen Meister gemacht. Damit ist er nun auf dem neusten Stand der Technik und kann sein Wissen im Betrieb weitergeben. Das ist ein Schritt hin zur erfolgreichen Übergabe, die bei Reifen Steidinger langfristig geplant wird.

Ein Kunde kommt freudestrahlend an den Empfang. „Vielen Dank, dass es so kurzfristig geklappt hat“, sagt er. „Wir tun, was wir können“, erklärt Frank Kramer von Reifen Steidinger erfreut.

 

Denn jetzt ist Kramer endlich wieder Vollzeit in der Werkstatt und packt mit an. Das war geraume Zeit nicht so. Denn der 57-Jährige drückte in Tuttlingen die Schulbank, wo er in gut neun Monaten seinen Meister machte.

Schon früh dabei

„Das war ziemlich intensiv“, erinnert er sich. Über 17 Jahre ist er Kfz-Mechaniker gewesen, nun war er wieder Schüler in Teilzeit. Die meisten seiner „Mitschüler“ seien Gesellen gewesen, die den Meistern obendrauf machten. Mit ihm hätte es aber auch vier Über-40 Jährige gegeben, die das gleiche Ziel hatten.

Doch wie kommt es, dass man sich mit 57 Jahren entschließt, noch den Meister zu machen? „Ich habe schon hier gearbeitet, als der Lohn noch in DM ausgezahlt wurde“, veranschaulicht er seine lange Zugehörigkeit zum Betrieb.

Ein alter Bekannter kommt

Eine Unterbrechung gab es, als er Lkw-Fahrer wurde. Auch bei dem 1980 gegründeten Reifen-Unternehmen tat sich in dieser Zeit viel. So übernahm Melanie Günthner 2020 den Betrieb, in dem damals ihr Sohn Robin und zwei 450 Euro-Kräfte arbeiteten.

„Einer unserer langjährigen Mitarbeiter ist 2023 mit 70 Jahren in Rente gegangen“, schildert sie die Folgezeit. Auf ihre Stellenanzeigen reagierte niemand – bis auf einen. „Kramer hat erst für 450 Euro gearbeitet, jetzt hat er eine Vollzeitstelle“, erklärt sie.

Bremsen, Fahrwerk und Co.

Die Folgen von Corona-Pandemie haben ihre Spuren jedoch auch in dem Kleinbetrieb hinterlassen. So sei der Reifenabsatz spürbar zurückgegangen. „Wir brauchen jetzt andere Bereiche, da sonst zu wenig hängen bleibt“, beschreibt Günthner die Aufgaben jenseits des Reifenverkaufs.

Und da kommt Kramer ins Spiel. Denn mit seinem Meister können nun Reparaturen und Kundendienste an allen Fabriken durchgeführt werden. „Jetzt kann ich mich um Bremsen, das Fahrwerk und alles, was dazugehört, kümmern“, freut er sich.

Übergabe von langer Hand geplant

Auch in Sachen Hybrid- und E-Auto habe er in Tuttlingen jede Menge gelernt. Und für die Diagnose sei sowie so alles rund um die Elektrik unerlässlich. „Jetzt bin ich auf dem neusten Stand und kann mein Wissen auch weitergeben“, erklärt er.

Etwa an Robin, der als gelernter Industriemechaniker in einigen Jahren ebenfalls seinen Meister machen könnte, um schließlich den Betrieb zu übernehmen. Damit hat man bei Steidinger deutlich bessere Perspektiven als so manch anderer Betrieb – wo eben keine Nachfolge gefunden wird, erläutert Günthner.

Paketshop kommt an

Die Zollpolitik Donald Trumps ist auch in der Dornhaner Werkstatt zu spüren. „Es wird zu Verzögerungen bei den Ersatzteilen und auch zu höheren Preisen kommen“, stellt die Inhaberin fest.

Doch gibt es etwas, was – neben dem erfolgreichen Meister – in den etwas unsicheren Zeiten gut läuft: nämlich der Paketshop. Denn als letztes Jahr bekannt wurde, dass die Postagentur im „Wollstüble“ schließen werde, richtete man ab September einen eigenen Shop ein.

45. Jubiläum ist da

„Das Angebot unseres Paketshops wird sehr gut angenommen“, zieht Günthner Bilanz. So seien die Menschen aus Dornhan und der Umgebung sehr dankbar für diese zusätzliche Dienstleistung.

Somit blickt man bei Reifen Steidinger guter Dinge in das Jahr 2025 – das auch das 45. Jubiläum des Unternehmens beinhaltet.