Die Initiative setzt sich für den Erhalt der Reichsarbeitsdienst-Baracke ein. Foto: Eberhardt

Sie soll eine der letzten ihresgleichen sein: die einstige Reichsarbeitsdienstbaracke unweit vom Friedhof in Altoberndorf. Für ihren Erhalt setzt sich nun eine Initiative, bestehend aus Akteuren der örtlichen Geschichtsaufbereitung, ein.

Oberndorf-Altoberndorf - Die Initiative "Erhalt der RAD-Baracke Altoberndorf" hat in einem formlosen Antrag beim Denkmalschutzamt angefragt, ob es sich bei der Reichsarbeitsdienstbaracke (RAD-Baracke) um ein Kulturdenkmal handelt, an dessen Erhalt aus heimgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht, teilt Lothar Eberhard, einer der Gründer der Initiative, mit.

Die Baracke befinde sich am Steinbrünnle in der Nähe vom Friedhof in Altoberndorf. Die Initiatoren von "Erhalt der RAD-Baracke Altoberndorf" sind laut Eberhardt langjährige Akteure in der Geschichtsaufbereitung vor Ort. Nun sei der Antrag von der oberen Denkmalschutzbehörde angenommen und mit einem Prüfvermerk versehen worden. Solange der Fall noch geprüft werde, dürfe an der Baracke nichts verändert werden.

Zeitnahe Überprüfung

Wir haben beim Regierungspräsidium Stuttgart bezüglich des aktuellen Stands nachgefragt. "Da sich das Gebäude in Privatbesitz befindet, unterliegen die Ergebnisse der Untersuchung dem Datenschutz".

Doch was hat es mit der Baracke in Altoberndorf auf sich? Die Baracke soll eine der letzten "Zwangsarbeiter-Baracken" aus dem RAD-Lager Konrad Wiederhold sein, erläutert Eberhardt. Er selbst befasst sich als Mitglied der Oberndorfer Naturfreunde seit Mitte der 80er-Jahre mit der Geschichte der Zwangsarbeit vor Ort.

Die Arbeitsdienstbaracke in Altoberndorf soll sich zunächst auf dem Gelände der Firma Heckler & Koch auf dem Lindenhof in Oberndorf befunden haben, so Eber­hardt. Dort sei sie später Teil des Fremdarbeiterlagers für polnische Zwangsarbeiter gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie laut einer Zeitzeugenaussage 1945 von einem Landwirt erworben.

Da das Bauwerk aktuell bedingt genutzt werde sowie ungeschützt den Witterungseinflüssen ausgesetzt sei – und befürchtet werde, dass Gefahren wie Beschädigung durch Vandalismus drohen – habe die Initiative um eine zeitnahe Überprüfung gebeten, so Eberhardt.

"Es handelt sich um ein Kulturdenkmal, da es als eine der letzten Original-Baracken, die in Oberndorf an vielen Stellen wie dem ›Russenlager‹, dem ›Neckarheim‹ und dem Arbeitserziehungslager Aistaig handeln könnte", schreibt Eberhardt in dem Prüfantrag. Die Baracke sei somit eines der letzten erhaltenen Zeugnisse aus der Zeit der "Topographie des Terrors" in Oberndorf, betont er. "Unserer Auffassung nach ist sie ein besonders schützenswertes ›Kleinode‹ der lokalen Geschichte", heißt es im Schreiben an die Denkmalschutzbehörde. Mit dem Prüfantrag strebe die Initiative an, dass die Baracke eingelagert und zu einem späteren Zeitpunkt restauriert an einem anderen, "historisch-geeigneten Ort", etwa beim "Denkmal Russenlager", wieder aufgestellt wird.

"Dass die Versetzung in der Baracke an den jetzigen Standort eine Minderung des historischen Wertes nach sich zieht, ist nicht anzunehmen. Das Abbauen und Errichten an einem anderen Ort ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Art der Bauwerke. Des Weiteren war es nach dem Zweiten Weltkrieg üblich, dass solche Bauwerke von neuen Nutzern erworben und an andere Orte gebracht worden sind", äußert Eberhardt in dem Prüfantrag.

Einer, der schon seit langem auf den "grünen Schafstall in Altoberndorf" aufmerksam macht, ist Ulrich Pfaff. Er erinnert sich an die Zeit, als er in den 1950er Jahren als Werkstudent bei Heckler & Koch auf dem Lindenhof in genau so einem Baracken-Typ stand. Die Aufsicht über die Arbeit in der Baracke habe damals Erich Bernhard gehabt, so Pfaff.

Im Jahr 2000 habe die Baracke schon eine leichte Schlagseite zum Tal hin gehabt. "Sie stand leer und wurde notdürftig von einigen Streben von der Talseite her gestützt, von oben zusätzlich mit Drahtseilen vor dem Einsturz gesichert. Der vordere Teil – nach Süden, zur Straße hin – war weitgehend im Originalzustand, während zur Dorf-Seite hin (Nord) einiges angebaut worden war", blickt Pfaff zurück. Es stellte sich heraus, dass der Besitzer des Grundstücks samt Schuppen sein alter Schulkamerad, der Altoberndorfer Kleinbauer Erich Faulhaber, war, so Pfaff.

"Adolf-Hitler-Siedlung"

In vielen gemeinsamen Gesprächen sei die Herkunft des Schuppens geklärt worden: "Diese Baracke hat zum Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) auf dem Lindenhof gehört, das bis 1945 als Unterkunft für Zwangsarbeiter diente. Die neu gegründete Firma Heckler & Koch soll sich dort eingerichtet haben", meint Pfaff. "Wann genau und zu welchen Bedingungen Erich Faulhaber eine von diesen Baracken erworben hat, das war nicht zu klären. Er hat sie auf jeden Fall auf dem Lindenhof abgebaut und nach Altoberndorf versetzt, also auf seine eigene Wiese hinter dem Friedhof" – wo sie lange Zeit als Stall für seine Schafe fungierte.

"Für Frau Christine Cuby, die in der Nähe wohnt, war sie die ›Nazi-Baracke‹, wie sie mir im Januar erzählte", sagt Pfaff. Erich Faulhaber sei am 24. Oktober 2014 gestorben. Die Eltern von Ulrich Pfaff – Annemarie und Hermann – haben Tag für Tag die jungen Leute vom RAD-Lager auf dem Lindenhof in der Kolonne an ihrem Haus vorbeigehen sehen, als sie zur Arbeit gingen, erläutert Pfaff. Damals habe die Vorstadt noch "Adolf-Hitler-Siedlung" gehießen.

Die Arbeiter vom RAD-Lager sollen zur damaligen Zeit eine Straße dem Irslenbach entlang nach Bochingen gebaut haben, so Pfaff. Er ergänzt: "Am oberen Ende haben sie in einer Haarnadel-Kurve ein Denkmal errichtet zur Erinnerung an den RAD und ihren ›Nazi-Helden‹ Konrad Wiederhold. Dieses Denkmal ist genau beschrieben und in die offizielle Liste der Klein-Denkmäler im Landkreis Rottweil aufgenommen worden".

Pfaffs ganze Familie habe außerdem eine langjährige lebhafte Beziehung zu Bernhard Hermelink, einem verwandten Bewohner des einstigen Lagers auf dem Lindenhof gehabt. Der ehemalige Arzt, der zu Zeiten der RAD-Kolonnen auf dem Weg zum Straßenbau stets am Haus der Familie Pfaff vorbeilief, sei längst verstorben.

Was aus der RAD-Baracke werden wird, zeigt sich wohl erst nach der vollendeten Prüfung der Denkmalschutzbehörde. "Unserer Initiative ist der Erhalt sehr wichtig", betont Lothar Eberhardt. Nun sei die untere Denkmalschutzbehörde von der oberen Denkmalschutzbehörde dazu angehalten, die Initiative über den weiteren Sachverhalt zu informieren, erklärt er.

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