Jagdpächter und Landwirte haben sich in Winterlingen getroffen, um über die Kitzrettung aus der Luft zu sprechen. Mittels Drohnen mit Wärmebildtechnik ist es möglich, die Tiere im hohen Gras zu finden und sie so vor dem Tod durch einen Mähdrescher zu bewahren.
Um Rehkitze gezielt im hohen Gras ausfindig zu machen, sind seit Mai 2021 im Zollernalbkreis zwölf ehrenamtliche Drohnenpiloten des Hegerings Winterlingen mit ihren Helferteams im Einsatz.
Dieser hat auf Initiative zweier Mitglieder 25 Landwirte und Jagdpächter in das Schulungszentrum Tabor eingeladen, um über die Arbeit mit der Drohne zu informieren sowie das Netzwerk weiter auszubauen und zu festigen.
Ihnen hat ein Drohnenpilot in einem Vortrag erklärt, wie eine Rehkitz-Rettung von statten geht und was es dabei zu beachten gilt, sagte Susanne Hagg auf Anfrage. Da Kitze in den ersten Lebenswochen noch nicht kräftig genug sind und keinen Fluchtinstinkt entwickelt haben, werden sie vom Muttertier – der Geiß – im hohen Gras abgelegt, wo sie bei Gefahr regungslos verharren.
Bei der Suche ist die moderne Technik effektiver
Dort sind sie mit ihren weißen Rückenpunkten optimal vor potenziellen Feinden geschützt, zumal die Kitze in diesem jungen Alter noch keinen Eigengeruch haben.„Allerdings hat Mutter Natur bei den Kitzen keinen Schutzmechanismus aufgebaut gegen die Gefahren, die von einem Mähwerk drohen“, erklärt Hagg.
Heißt konkret: Bei einem herannahenden Mähwerk ergreifen sie nicht die Flucht – zumal sie im hohen Gras nicht ohne weiteres zu erkennen sind.
Das Absuchen von Wiesen durch Mensch und Hund führt wegen des fehlenden Eigengeruchs nur selten zum Erfolg. Viel effektiver sei da die moderne Technik mit Drohne und Wärmebildkamera – sechs Stück davon zählt der Hegering laut Susanne Hagg sein Eigen, wobei ein Gerät etwa 7000 Euro kostet. „Zudem werden wir von drei Privatleuten mit ihren Drohnen unterstützt.“
Die Teams fliegen von Mitte Mai bis Mitte Juli – in diese Zeit fällt die Mahd – vorwiegend in den frühen Morgenstunden – „manche stehen sogar schon um 4.30 Uhr morgens auf“, sagt Hagg. Diese Zeitspanne ist optimal, um mit den Wärmebildkameras die Kitze zu entdecken – im späteren Tagesverlauf heizt sich die Umgebung zu stark auf.
Gefundene Kitze unbedingt liegen lassen, rät Hagg
Dabei wird die Wärmeabstrahlung des kleinen Wildkörpers erfasst und der Punkt auf einem Monitor dargestellt. Helfer holen dann das Kitz gezielt aus dem hohen Gras: Es wird vorsichtig mit Handschuhen und Grasbüscheln aufgenommen und am Waldrand geschützt in einem Karton abgelegt – und kurze Zeit später vom Jagdpächter wieder daraus befreit.
Privatpersonen legt Susanne Hagg mit Nachdruck nahe, gefundene Wildtiere einfach liegen zu lassen und auf gar keinen Fall anzufassen, anzugreifen oder mitzunehmen. „Das Kitz ist nicht alleine, sondern wird aus sicherer Entfernung von der Geiß beobachtet“, erklärt sie.
Wird das Rehkitz angefasst, wird es von der Mutter wegen des fremden Geruchs gemieden. Wird es mitgenommen, kann es nur noch in eine Wildtier-Auffangstation gebracht werden – die genau deswegen zunehmend überfüllt seien.
Die Kommunikation untereinander wird optimiert
„Wer sich doch unsicher ist, kann im Zweifelsfall uns, den Jagdpächter oder den Landwirt informieren.“ Und damit die Kommunikation auch untereinander optimaler abläuft, haben die Anwesenden ihre Kontaktdaten ausgetauscht.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es am besten läuft, wenn der jeweilige Jagdpächter den Drohnenpiloten beziehungsweise den Ansprechpartner hierfür kontaktiert“, sagt Hagg.