KI-Mensch-Interaktion visualisiert: Sieht gut aus, ob es reibungslos funktioniert, ist die andere Frage. Foto: ipopba - stock.adobe.com

Eine genossenschaftlich organisierte „KI Allianz Baden-Württemberg“ hat beim Regionalverband in Balingen einen bemerkenswert schwachen Sachstandsbericht vorgestellt.

Die „KI-Allianz Baden-Württemberg“ hat bei der Versammlung des Regionalverbands in Balingen einen Tätigkeitsbericht abgegeben. Was vorgetragen wurde, klingt schön: Die Geschäftsführerin sprach zum Beispiel von „Community Management“.

 

Und in der Sitzungsvorlage heißt es unter dem Titel „Aktuelle Projekte der KI-Allianz und Mehrwert für die Region Neckar-Alb“: „Die KI-Allianz BW konnte nach einer längeren Phase der Klärung der Förderbedingungen mit dem Land Baden-Württemberg seit rund 1,5 Jahren das operative Geschäft aufbauen.“

Und weiter: „Maßgeblicher Meilenstein hierfür war die Einstellung von sogenannten Community Managern in den jeweiligen Partnerregionen. Diese sind zentrale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Unternehmen sowie die öffentliche Verwaltung rund um Fragen zur Künstlichen Intelligenz. Sie bringen KI in die Fläche des Landes.“

Im Ergebnis sind all das hübsche Worte für bemerkenswert wenig Substanz, wie sich im Verlaufe der Versammlung gezeigt hat. Mike Münzing, Bürgermeister der fast gleichnamigen Stadt Münsingen, sagte im Hinblick auf die Anwendung künstlicher Intelligenz in öffentlichen Verwaltungen nicht umsonst: „Es braucht konkrete Anwendungsbeispiele.“

„Wegkommen von Quersubventionierungen“

Sandra Rohner, Geschäftsführerin der KI-Allianz, antwortete vage: „Das ist ein guter Punkt. Da sind wir dran. Wir haben alle noch nicht die Patentlösung.“ So weit, so allgemein, so unverbindlich.

Einen sicher entscheidenden Punkt spricht Dusslingens Bürgermeister Thomas Hölsch an: „Ist es die Kernkompetenz des Regionalverbands Neckar-Alb, das mitzufinanzieren?“ Die, die profitieren, seien schließlich nicht die öffentlichen Verwaltungen, und man müsse doch „wegkommen von Quersubventionierungen“.

Der Regionalverband bezahlt als Mitglied der Genossenschaft 20 000 Euro jährlich. Hinzu kommt ein Geschäftsanteil von 25 000 Euro.

Pauli: „Wir sind fast einstimmig eingestiegen“

Verbandsvorsitzender Eugen Höschele spricht bezüglich Hölschs Aussage freilich „von einer politischen Bewertung“. Er spricht zurückhaltend von „entscheidenden Weichenstellungen“ im Jahr 2026, er würde aber nicht „Hals über Kopf aussteigen“. Elmar Rebmann, Bürgermeister der Stadt Bad Urach äußert sich ebenfalls vorsichtig: „Lassen Sie uns in einem Jahr nochmal drüber reden.“

Diese Reaktionen stehen im Kontrast zur Entscheidung, der KI-Allianz beizutreten. Daran hat Günther-Martin Pauli, Landrat des Zollernalbkreises, erinnert: „Damals sind wir fast einstimmig eingestiegen“ – das war am 2. März 2021. Pauli: „Wir können uns Fragen, ‚wo ist der Mehrwert?‘. Die Firmen wären auch ohne KI-Allianz erfolgreich.“

„Wir entwickeln keine KI“

Künstliche Intelligenz sei zwar „nicht mehr wegzudenken“, aber „wir müssen sie nutzbarer für uns gestalten“. Als Beispiel nannte er die automatisierte Bearbeitung von Einsprüchen während öffentlicher Anhörungsverfahren.

Selbst wenn es konkrete praktische Anwendungsmöglichkeiten der KI in Verwaltungen gäbe, stünden der Einführung rechtliche Hürden im Weg. An die Vertreter der KI-Allianz stellt Pauli deshalb die Forderung: „Helfen Sie uns mit, Fußfesseln und Barrieren abzubauen.“

Sandra Rohner mit Blick auf konkrete KI-Anwendungen: „Wir entwickeln keine KI.“ Die KI-Allianz bringe vielmehr Anwender und Anbieter zusammen. Man wolle zusehen, dass KI-Lösungen aus Baden-Württemberg kommen.

Somit hat Pauli mit dem Hinweis auf den Bürokratieabbau – so könnte man es als Beobachter interpretieren – auf ein weiteres wesentliches Betätigungsfeld gedeutet, dem die KI-Allianz eigentlich konsequent nachgehen sollte.

Der Regionalverband Neckar-Alb will nach den Sommerferien weitere Entscheidungen treffen.